Mittwoch, 16. Oktober 2019

Verkehrswende Wasserstoffautos - für immer Technik der Zukunft?

71 Wasserstoff-Tankstellen gibt es aktuell in Deutschland - wenig genug, dass zu Eröffnungen neuer Zapfsäulen noch regelmäßig höhere Politprominenz anrollt, um sich mit dem vermeintlichen Tankstutzen der Zukunft fotografieren zu lassen. Mitte Juni war es etwa etwa Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, der in Düsseldorf eine Tankstelle für die Allgemeinheit freigab: "Dem Wasserstoff gehört die Zukunft."

Die Allgemeinheit straft die Technik derzeit allerdings noch mit Missachtung: 386 Wasserstoff-Autos waren zuletzt in Deutschland angemeldet - damit kommen 5,5 Fahrzeuge auf eine Tankstelle. So stieg denn auch der Wasserstoff-Verbrauch an Tankstellen in den vergangenen Jahren eher zaghaft an, zeigt die Grafik von Statista.

Zum Vergleich: Reine Elektroautos (ohne Plug-in-Hybride) gab es zum 1. Januar in Deutschland gut 83.000; Verbrenner-Autos sind etwa 64 Millionen angemeldet.

Dabei gelten Wasserstoffautos als potenziell wichtiger Baustein der Verkehrswende: Sie erzielen relativ hohe Reichweiten (bis zu 500 Kilometer), lassen sich im Gegensatz zu reinen Elektroautos schnell betanken und belasten dabei nicht die lokalen Stromnetze. Problematisch bleibt allerdings der Preis. 70.000 bis 80.000 Euro kosten Wasserstoffautos aktuell; VW-Chef Herbert Diess ist denn auch der Meinung, dass sie bis Mitte des kommenden Jahrzehnts nicht "zu vertretbaren Preisen oder im industriellen Maßstab mit der nötigen Energieeffizienz verfügbar sein" werden.

Thomas Grube, Leiter des Bereichs Mobilität am Forschungszentrum Jülich, gab zuletzt derweil zu Protokoll, die technischen Probleme seien gelöst, "die noch notwendige Kostenreduktion kann jetzt über die Massenfertigung erzielt werden."

Bleibt das Problem mit den Tankstellen: Zwar will das Wasserstoff-Konsortium H2 Mobility, zu dem etwa Air Liquide, Shell und Daimler gehören, das deutsche Netz noch in diesem Jahr auf 100 Tankstellen ausbauen; etwa 1000 Tankstellen seien laut Peter Fuß von der Beratung EY nötig, "damit Brennstoffzellenautos richtig interessant werden für den Verbraucher."

luk

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