Streit um Wasserstoffautos VW-Chef Herbert Diess im Twitter-Gefecht mit dem Bund
Bereit zur Kontroverse: Volkswagen-Chef Herbert Diess
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Neu auf Twitter, stürzt sich Herbert Diess (62) gleich in die Fehde. Das klare Bekenntnis des Volkswagen-Konzernchefs für batteriebetriebene Elektroautos - und gegen die Alternative mit Wasserstoffantrieb - gefällt Thomas Bareiß (45), parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, überhaupt nicht.
"Ist das Ihr Ernst?", fuhr der CDU-Politiker am Donnerstag Diess an. Der Manager, seit Dezember auf Twitter aktiv, hatte die Kritik des Bloggers Robin Engelhardt an einer Studie geteilt, derzufolge die Deutschen lieber Wasserstoff- als Batterieautos kaufen würden. Die aktuell minimalen Verkaufszahlen für Wasserstoff-Autos erklärt Bareiß damit, dass "zB @VWGroup es leider nicht auf die Reihe bringt diesen Kundenwunsch zu erfüllen".
Ist das ihr ernst, @Herbert_Diess „scharfsinnig“? Die Diskrepanz besteht doch nur darin, dass zwar die #Brennstoffzelle sehr beliebt isr und gerne gekauft werden würde aber das nicht möglich ist weil zB @VWGroup es leider nicht auf die Reihe bringt diesen Kundenwunsch zu erfüllen https://t.co/OMq1Ivw5s7
— Thomas Bareiß (@Thomas_Bareiss) February 11, 2021
In einem weiteren Post legte Bareiß mit Kritik an Batteriemobilen nach. Dass Elektroautos pauschal mit einem CO2-Ausstoß von null ausgewiesen werden, betrachte er als "manipulierte Infos" - ein Seitenhieb auch auf die eigene Politik von Bund und Europäischer Union. Um Elektroautos zu fördern, zählen sie beispielsweise bei den Flottenzielen als klimaneutral - egal, wie viel CO2 für die Stromerzeugung oder die Produktion der Batterien tatsächlich freigesetzt wird. Zur tatsächlichen Klimabilanz kursieren zahlreiche Studien mit unterschiedlichen Annahmen und Ergebnissen. Allerdings gilt auch für andere Antriebsarten, dass nur der Ausstoß des Fahrzeugs selbst gemessen wird.
Thomas Bareiß rühmt sich selbst als Urheber der nationalen Strategie, um grünen - also mit erneuerbarer Energie erzeugten - Wasserstoff vor allem in der Industrie einzusetzen, aber auch im Verkehr. Und für den Abgeordneten aus Baden-Württemberg scheint das auch eine Frage der persönlichen Überzeugung zu sein. Mal schreibt er, "ohne Brennstoffzelle wird es keine effiziente, leistungsfähige und klimafreundliche Mobilität geben", mal, "die Kritik am Brennstoffzellenauto fällt in sich zusammen". Trotz der Energieverluste durch die doppelte Umwandlung von Strom in Wasserstoff und zurück in Strom für den Elektromotor sei die Technik insgesamt die sauberste und effizienteste Lösung.
Diess legt nach: "Grüner Wasserstoff sollte nicht in Autos landen"
Der Volkswagen-Konzern hat diese Debatte schon längst offiziell für entschieden erklärt - und sich unter Diess' Führung voll und ganz den Batteriemodellen verschrieben. Volkswagen investiert nur noch minimal in die Wasserstofftechnik, für die Batterieoffensive sind bis 2025 dagegen stolze 35 Milliarden Euro eingeplant.
Volkswagen präsentiert sein "E-Weltauto" VW ID.4
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Ohne direkt auf Bareiß einzugehen, betonte Herbert Diess die klare Position auf Englisch noch einmal: Es sei "Zeit für Politiker, die Wissenschaft zu akzeptieren: Grüner Wasserstoff wird gebraucht für Stahl, Chemie, Luftfahrt ... und sollte nicht in Autos landen. Viel zu teuer, ineffizient, langsam und schwierig auszurollen und zu transportieren." Und schließlich zeige der Markt ja, dass keine Wasserstoffautos in Sicht seien.
It’s time for politicians to accept science: Green hydrogen is needed for steel, chemical, aero,... and should not end up in cars. Far too expensive, inefficient, slow and difficult to rollout and transport. After all: no #hydrogen cars in sight.
— Herbert Diess (@Herbert_Diess) February 11, 2021
Das erinnert schon fast an Diess' Kollegen Elon Musk (49) von Tesla, der wiederholt über Brennstoffzellen (englisch "fuel cells") als "fool cells", also Idiotenzellen, lästerte. Einen Bruch zwischen Berlin und Wolfsburg scheint der Schlagabtausch aber nicht zu markieren. Noch am Mittwoch lobte Diess neue Gesetzentwürfe für autonomes Fahren: "Gut gemacht, Andi Scheuer!" Solche Worte hört der Verkehrsminister selten.