Dienstag, 28. Januar 2020

Zulieferer emanzipiert sich von Daimler, VW und Co. Bosch will mit "Achse des Guten" Milliardenmarkt erobern

Elektrisches Achsantriebssystem von Bosch

2. Teil: Bosch emanzipiert sich von traditionellen Kunden - dort wächst Widerstand

Boschs neuer Hoffnungsträger wirft ein Schlaglicht darauf, dass ein Wandel zur Elektromobilität Aufbau und Architektur von Autos grundlegend verändern - und vereinfachen wird. Das zeigt sich schon jetzt an Fahrzeugen wie dem BMW i3, der gesparten Platz für Benzintank und Antriebsstrang den Insassen des Fahrzeugs zu Gute kommen lässt. Radikal geht auch Tesla vor: Anstatt eines Motors befindet sich unter der Vorderhaube ein zweiter Kofferraum.

Die Kalifornier spendieren vielen Fahrzeugen zudem zwei Motoren, einen vorn und einen hinten. Das ist möglich, weil Elektromotoren kleiner als Verbrenner sind und zu ihnen statt Benzin oder Diesel als Energiequelle nur elektrischer Strom durch ein Kabel transportiert werden muss. Daimler wiederum hat im Mercedes SLS AMG schon früh ein Konzept mit vier Elektromotoren verwirklicht, die in je einem Rad platziert sind.

Bosch schwingt sich auch auf anderen Feldern zum potenziellen Großprofiteur einer Elektro-Revolution im Straßenverkehr auf. Bei Motoren für Elektrofahrräder führen die Stuttgarter den stark expandierenden Markt in Europa an. Bei Elektro-Rollern bereitet sich Bosch als Motorenlieferant auf das erwartete Wachstum vor. Zudem ist der Zulieferer mit der Tochter Coup ins Roller-Sharing-Geschäft eingestiegen.

Als Zulieferer können sich womöglich auch Wettbewerber wie Schaeffler, Continental oder ZF schneller und mit geringerem Risiko auf einen Wandel in der Mobilitätswelt vorbereiten als die Autohersteller. So arbeitet Bosch bereits im großen Stil für US-Aufsteiger Tesla und liefert Selbstfahr-Technologie. Schaeffler setzt unter anderem ebenfalls auf E-Achsen, Continental auf Hochvolt-Technologien und ZF auf Getriebe für E-Autos auch neuer Anbieter.

Derartiger Opportunismus kommt bei manchem Autobauer und seinen Beschäftigten nicht gut an. Weil neue Wertschöpfungsketten Arbeitsplätze bei den Autobauern kosten dürfte, sind die dortigen Betriebsräte in der Regel wenig angetan. Bei Daimler etwa hatte es jüngst wochenlangen Streit um die Zukunft des Stammwerks Untertürkheim gegeben, bis die Unternehmensführung zusicherte, dass Batterien und Antriebssysteme für Elektroautos künftig in Eigenregie dort gebaut werden.

mit dpa

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