Autozulieferer im Umbruch Bosch will 80.000 Mitarbeiter umschulen

Bosch steigert seinen Gewinn um rund 60 Prozent. Der Technologiekonzern und Autozulieferer will wegen des Wandels in der Autoindustrie rund 80.000 Mitarbeiter umschulen. Er investiert dafür einen Milliardenbetrag, kündigt der neue Chef Stefan Hartung an.
Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung kündigt erhebliche Investitionen für die eigene Halbleiterfertigung und zur Umschulung des Personals an

Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung kündigt erhebliche Investitionen für die eigene Halbleiterfertigung und zur Umschulung des Personals an

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Ungeachtet der Chipkrise hat der Technologiekonzern Bosch das Corona-Tief überwunden und sein Geschäft wieder ausgeweitet. Wie der Autozulieferer am Mittwoch in Gerlingen bei Stuttgart mitteilte, stieg der Konzernumsatz im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 78,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte nach vorläufigen Zahlen auf 3,2 Milliarden Euro nach 2 Milliarden Euro zuvor.

Bosch übertraf eigene Prognosen und glich bei Umsatz und Ertrag die Delle des Vorjahres aus, das von coronabedingten Lockdowns und der Autokrise geprägt war. Bosch fertigt neben Bauteilen für die Autoindustrie auch Haushaltsgeräte, Elektrowerkzeuge sowie Industrie- und Gebäudetechnik. Eigentümerin des Unternehmens ist zu 94 Prozent die gemeinnützige Robert-Bosch-Stiftung.

Bosch will 80.000 Mitarbeiter umschulen und weiterbilden

Der Stiftungskonzern will mit einer Milliarde Euro über die kommenden fünf Jahre die Umschulung von Beschäftigten vorantreiben. So viel habe Bosch in den vergangenen fünf Jahren für Qualifizierungen ausgegeben, und so viel werde auch in den nächsten fünf Jahren gebraucht, erklärte Personalchefin Filiz Albrecht bei einem Pressegespräch. Den größten Veränderungsbedarf hätten die rund 80.000 Mitarbeiter, die von der Verbrennertechnik abhängig sind. Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts gehen in diesem Bereich die meisten Jobs in Europa verloren, während neue für Elektromobilität oder Fahrzeug-Software entstehen. "Wir konzentrieren uns nicht nur auf Abbau", sagte Albrecht. "Transformation bedeutet auch Aufbau und Veränderung von Kompetenzen."

Weitere 400 Millionen Euro für die eigene Halbleiterfertigung

Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung (56) machte deutlich, dass die Lieferengpässe bei Halbleitern noch lange nicht erledigt sind. "Das beschäftigt uns in allen Branchen, bis hin zu Gebrauchsgütern." Mit einer Normalisierung sei voraussichtlich erst ab 2023 zu rechnen. Sorgen machten auch steigende Preise für Rohstoffe. Nun baue Bosch die eigene Halbleiterfertigung in Dresden, Reutlingen und im malaysischen Penang aus und investiere allein dafür in diesem Jahr rund 400 Millionen Euro, sagte Hartung. Er begrüßte auch den neuen Vorstoß von Kommissionschefin Ursula von der Leyen, mit Milliardenaufwand die europäische Chipindustrie zu stärken.

In die Mikroelektronik und die Elektromobilität fließen bei Bosch 2022 den Angaben nach zusammen rund eine Milliarde Euro. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern ein weiteres Umsatzplus, beziffert dieses aber nicht.

Hartung machte deutlich, dass Bosch die im sogenannten Green Deal verankerten Klimaziele der EU "ohne Wenn und Aber" mittrage. Mit dem Green Deal wollen die EU-Staaten bis 2050 klimaneutral werden. "Noch besteht ein großer Teil unseres Geschäfts aus Verbrenner-Systemen, für Diesel- und Benzinmotoren ebenso wie für Gasheizungen", sagte Hartung. Das Geschäft mit Alternativen laufe aber schon, die Elektromobilität bringe bereits einen Milliarden-Umsatz.

Die Schwaben stiegen im vergangenen Jahr in das Ausrüstungsgeschäft für die Batterieproduktion ein. "Gemeinsam mit Volkswagen planen wir, in den nächsten Jahren die Fertigungsprozesse von Batteriezellen zu industrialisieren", sagte Hartung. Ziel sei ein führender europäischer Anbieter. Das manager magazin hatte Mitte Januar exklusiv über den geplanten Batteriezellenpakt berichtet.  Bosch und die VW -Softwaretochter Cariad arbeiten zudem beim Entwickeln selbstfahrender Autos zusammen.

Der zum Jahreswechsel an die Konzernspitze gewechselte Hartung sagte, angesichts des Wandel in der Automobilindustrie und in anderen Bereichen könnten bei Bosch nicht alle Arbeitsplätze so bleiben, wie sie seien. Personalchefin Filiz Albrecht erklärte, innerhalb des Konzerns seien bereits rund 2800 Menschen auf andere Stellen gewechselt. Der Technikgigant beschäftigte Ende vergangenen Jahres weltweit rund 401.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das waren 6700 mehr als ein Jahr zuvor. Die Mitarbeiterzahl in Deutschland blieb mit 131.400 stabil.

rei/dpa-afx