Dienstag, 28. Januar 2020

Abgasskandal Bosch offenbar Teil des Auto-Kartells

Wie viel wusste Bosch von den möglichen, kartellrechtswidrigen Absprachen der deutschen Autobauer?

Auch der Zulieferer Bosch soll Medienberichten zufolge Teil des mutmaßlichen Auto-Kartells sein. Wie die "Bild am Sonntag" am Freitag unter Berufung auf interne Unterlagen vorab berichtet, soll der Konzern den Autoherstellern in einer gemeinsamen Sitzung einen Vorschlag gemacht haben, wie sie Probleme bei der Diesel-Abgasreinigung schnell und günstig lösen könnten.

In der Runde hätten die Autobauer von Schwierigkeiten mit Ablagerungen der Harnstofflösung AdBlue und möglichen Lösungen berichtet. Sie seien zwar effektiv gewesen, aber mit hohem Aufwand verbunden. Bosch habe dann eine "kleinere Maßnahme zum Anlauf" vorgeschlagen, von der aber noch unklar sei, ob sie womöglich die Reinigungswirkung verringere.

Bosch betonte, dass dazu keine Anfragen von deutschen oder europäischen Wettbewerbsbehörden vorlägen. "Da uns keine Details zu den untersuchten Sachverhalten bekannt sind, können wir uns auch nicht dazu äußern", hieß es.

"Thematik in keiner Form gegenüber den US-Behörden erwähnen"

Laut "Spiegel" taucht der Name Bosch in einem Papier mit Fällen von möglichen Wettbewerbsverstößen auf, das Volkswagen vergangene Woche beim Bundeskartellamt eingereicht hat.

Die "BamS" zitiert aus einer E-Mail aus dem Jahr 2008 an damalige Audi -Manager. Darin heiße es, dass die Teilnehmer der Sitzung bestätigt hätten, "diese Thematik in keiner Form gegenüber den US-Behörden EPA und CARB zu erwähnen, um den Anlauf in den USA nicht zu gefährden".

Die Entdeckung einer Abschaltsoftware, die die Abgasreinigung im Normalbetrieb der Fahrzeuge stark reduziert, hatte in den USA den Diesel-Skandal bei Volkswagen ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug bei einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an VW -Fahrzeugen gegen Bosch-Beschäftigte.

rei/dpa-afx

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