Staatliche Verkaufshilfe wirkt Jeder sechste Neuwagen im Oktober fuhr mit Strom - zumindest zum Teil

Der Staat greift in die Taschen, die Deutschen langen zu: Die erhöhte Umweltprämie ließ die Marktanteile von E-Autos und Plug-in-Hybriden kräftig steigen. Für den Gesamtmarkt sieht es weniger rosig aus.
VW ID.4: Mit dem Elektro-Kompakt-SUV hofft Volkswagen künftig auf hohe Verkäufe

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Peter Steffen / dpa

Die erhöhte Kaufprämie für Elektroautos hat erneut zu einem Antragsrekord geführt. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte , gab es im Oktober 32.324 Anträge. Dies sei den vierten Monat in Folge ein Rekord. Die gesamten Pkw-Neuzulassungen in Deutschland haben sich jedoch nicht ganz so gut entwickelt und im Oktober den Rückwärtsgang eingelegt. Nach einem Zwischenhoch im September schrumpften die Pkw-Neuzulassungen im abgelaufenen Monat um rund vier Prozent auf 274.300 Einheiten, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte . Grund war vor allem, dass Unternehmen wegen der unsicheren Konjunktur deutlich weniger Neuwagen bestellten als vor einem Jahr.

Private Käufer griffen dagegen zu - angelockt auch durch hohe Rabatte. Der durch staatliche Prämien angeheizte Elektroboom setzte sich fort. Die Bundesregierung hatte die staatlichen Zuschüsse im Zuge des Konjunkturpakets im Sommer deutlich angehoben, um die Nachfrage anzukurbeln. Das kostet den Bund Milliarden. Die erhöhte Prämie gilt bis Ende 2021. Reine Elektroautos werden mit einer Prämie von 9000 Euro gefördert. Davon übernimmt der Bund 6000 Euro, die Hersteller den Rest.

Jeder zwölfte Neuwagen war im Oktober ein reines Elektroauto

Im Oktober wurden in Deutschland 23.158 rein elektrisch angetriebene Pkw neu angemeldet. Damit besaß jede zwölfte Neuzulassung (8,4 Prozent) ausschließlich einen Elektromotor, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilte. Auch bei Plug-in-Hybriden, also Fahrzeugen mit Elektro- und Benzinantrieb, stiegen die Neuzulassungen deutlich.

Das führte dazu, dass hierzulande noch nie so viele E-Autos und Plug-in-Hybride verkauft wurden wie in diesem Oktober. Ihr Anteil an den Neuzulassungen kletterte nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY im Vergleich zum September um fast zwei Prozentpunkte auf 17,5 Prozent - ein neuer Rekord.

Seit Juli wurden nach Angaben des Ministeriums mehr als 100.000 Anträge auf eine Prämie für reine E- oder Plug-in-Hybridautos gestellt. Dies liege bereits deutlich über der Gesamtanzahl aus dem Jahr 2019. Allein im Oktober seien dreimal so viele Anträge gestellt worden wie im Vorjahresmonat. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle arbeite mit Hochdruck daran, alle Anträge so schnell wie möglich zu bearbeiten. Es sei 40 Prozent mehr Personal für die Bearbeitung der Anträge eingesetzt worden.

Maue Aussichten für Gesamtmarkt im November, Dezember

Allerdings kommen auf den gesamten deutschen Pkw-Markt erneut harte Zeiten zu. Im November dürften die Neuzulassungen nach Einschätzung von EY noch schwächer ausfallen als im Oktober, weil das öffentliche Leben bei der Bekämpfung der Pandemie weitgehend stillsteht. "Die Verunsicherung auch in Bezug auf die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen dieser 'zweiten Welle' ist groß - das dürfte die Investitionsbereitschaft und die Konsumlaune deutlich dämpfen", erklärte EY-Experte Peter Fuß.

Völlig unklar sei, wie sich die Autonachfrage im Dezember entwickeln werde. Einerseits dürfte die auslaufende Mehrwertsteuersenkung viele Kunden dazu veranlassen, Käufe vorzuziehen. Andererseits ließen die steigenden Infektionszahlen erwarten, dass die Flaute anhalten werde. Unter dem Strich dürfte der Absatz in diesem Jahr etwa ein Viertel niedriger sein als im Vorjahr. In den ersten zehn Monaten kamen nach Daten der Flensburger Zulassungsbehörde 2,3 Millionen Neuwagen auf die Straßen, 23 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der Importeursverband VDIK erklärte, vor dem Hintergrund des sehr hohen Vorjahresniveaus seien die Oktoberzahlen "ein ordentliches Ergebnis." Verbandspräsident Reinhard Zirpel sprach mit Blick auf die vergangenen Monate von einer "zarten Erholung". Dieser Trend könnte angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen in den kommenden Monaten allerdings enden.

Die Produktion der deutschen Automobilwerke sank nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wegen der schwachen Nachfrage um zwei Prozent und schrumpfte damit den 13. Monate in Folge. Während der Auftragseingang im Inland weiter zurückging, wurde aus dem Ausland erneut ein leicht steigender Ordereingang registriert.

wed/reuters/dpa-afx