Autosparte fährt Milliardenverlust ein BMW verbrennt mit Autos Geld

BMW fährt im zweiten Quartal einen Konzernverlust ein - der erste seit 2009. Die Autosparte erwischt es besonders hart. Die Rendite könnte hier aufs Jahr gerechnet gegen Null tendieren.
Die operative Marge im Autogeschäft von BMW brach im zweiten Quartal auf minus 10,4 Prozent ein: Konzernchef Oliver Zipse steuer gegen und sieht einen kleinen Lichtblick

Die operative Marge im Autogeschäft von BMW brach im zweiten Quartal auf minus 10,4 Prozent ein: Konzernchef Oliver Zipse steuer gegen und sieht einen kleinen Lichtblick

Foto: Wolfgang Rattay/ REUTERS

Schon Anfang Juli hatte BMW-Chef Oliver Zipse (56) gewarnt: Das zweite Quartal werde das "schlimmste Quartal, das BMW je erlebt hat" . Das ganze Ausmaß der Coronavirus-Krise mit dem wochenlangen weltweiten Lockdown von Fabriken und Verkaufsstellen schien BMW-Investoren am Mittwoch gleichwohl doch noch zu überraschen. Die im Dax notierte BMW-Stammaktie  gab in der Spitze mehr als vier Prozent nach.

Bei BMW steht im zweiten Quartal unter dem Strich ein Verlust von 212 Millionen Euro, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit. Vor einem Jahr hatte BMW noch einen Gewinn von 1,48 Milliarden Euro erzielt. Es ist der erste Quartalsverlust seit 2009. Der Umsatz ging um 22 Prozent auf knapp 20 Milliarden Euro zurück.

Vor Zinsen und Steuern lag der Verlust bei 666 Millionen Euro. Das war mehr als von Analysten geschätzt. Zum Vergleich: Im Vorjahr verdienten die Bayern im zweiten Quartal vor Steuern und Zinsen (Ebit) noch mehr als 2,2 Milliarden Euro. Trotzdem bleibt nach dem ersten Halbjahr noch ein Vorsteuergewinn von 498 Millionen Euro.

Dabei fuhr die Autosparte allein im zweiten Quartal operativ einen Verlust von 1,55 Milliarden Euro ein, nach einem Gewinn von 1,47 Milliarden Euro vor Jahresfrist. Die operative Marge in der Kernsparte sackte im Quartal auf minus 10,4 Prozent ab nach plus 6,5 Prozent vor einem Jahr. Der Vorstand erwartet, dass die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) im Autogeschäft im Gesamtjahr auf null bis drei Prozent schrumpfen wird.

BMW erwartet 2020 Absatzminus von mindestens 10 Prozent

Der Markt für Oberklassefahrzeuge dürfte nach Einschätzung von BMW im laufenden Jahr um ein Fünftel einbrechen. "Im Premiumsegment erwarten wir trotz der aktuellen Erholungstendenzen für das Gesamtjahr einen deutlichen Rückgang des Absatzes von knapp 20 Prozent", sagte Finanzvorstand Nicolas Peter (58) am Mittwoch bei der Präsentation der Zahlen. Für sich selbst erwarte die BMW-Gruppe in diesem Jahr unverändert einen Absatz "deutlich unter Vorjahr". Das bedeutet in der Terminologie des Konzerns einen Rückgang um mehr als zehn Prozent.

Vorstandschef Zipse machte im Juli einen Lichtblick aus. "Unser Absatz Automobile auf Group-Ebene lag hier deutlich über Vorjahr", sagte Zipse. In Deutschland entfalte die Senkung der Mehrwertsteuer positive Wirkung. Zipse verwies allerdings auch auf eine relativ niedrige Vergleichsbasis infolge eines Modellwechsels in China im Vorjahresmonat.

Die Finanzprognosen für das laufende Jahr bestätigte das Management, Zipse sprach von "vorsichtiger Zuversicht" für das zweite Halbjahr. Im restlichen Jahr muss BMW angesichts der extrem schwachen Zahlen der Autosparte dann auch ordentlich nachlegen.

BMW verbrennt in der Autosparte weiter Geld

Akuter Handlungsbedarf besteht vor allem beim Free Cashflow in der Autosparte: BMW verlor hier nach 2,2 Milliarden Euro Abfluss flüssiger Mittel im ersten Quartal nun noch einmal zusätzlich 295 Millionen Euro. "Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation verschieben wir Projekte oder stellen sie auf den Prüfstand", sagte Finanzchef Nicolas Peter (58). "Wie angekündigt haben wir im zweiten Quartal zudem konsequent Bestände abgebaut, um den Free Cashflow zu stützen."

Bei Forschung und Entwicklung will BMW nur mit Bedacht kürzen. So will Zipse bis 2025 wie angekündigt weiter mehr als 30 Milliarden Euro aufwenden. Im zweiten Quartal stiegen die Forschungs- und Entwicklungsleistungen um 3,5 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.

Hoffnung auf China

Die Marke BMW lieferte im zweiten Quartal mit 430.344 Autos 23 Prozent weniger aus, inklusive der Kleinwagenmarke Mini und den Luxusautos von Rolls Royce stieg das Minus sogar auf ein Viertel. In China allein, dem wichtigsten Einzelmarkt, hat BMW dagegen 17 Prozent mehr Autos verkauft als vor einem Jahr. Die Entwicklung des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens sei erfreulich verlaufen, hieß es.

Auch Volkswagen und Daimler waren zwischen April und Ende Juni in die roten Zahlen gerutscht. Zwischen Mitte März und Ende April standen die meisten Autofabriken in Europa und Nordamerika still, die Nachfrage brach wegen geschlossener Autohändler nahezu komplett weg. Auch danach fuhren die Werke erst langsam wieder hoch.

rei/dpa/Reuters
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