Renditeziele reduziert wegen Ukraine-Krieg BMW will mit Partnern fünf Giga-Fabriken für Batteriezellen bauen

Wegen des Ukraine-Kriegs fehlen den Autobauern Bauteile. Das belastet die Produktion und kostet BMW Rendite. Zugleich fährt der Autobauer seine Aktivitäten im Bereich Elektromobilität hoch und will zudem mit Partnern fünf Batterie-Fabriken bauen.
BMW-Produktion in Sachsen: Der Autobauer geht für 2022 von geringeren Gewinnmargen aus

BMW-Produktion in Sachsen: Der Autobauer geht für 2022 von geringeren Gewinnmargen aus

Foto: Jan Woitas / DPA

BMW will gemeinsam mit Partnern fünf Giga-Fabriken für Elektroauto-Batterien aufbauen. Einkaufsvorstand Joachim Post sagte am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz, die Einkaufsstrategie sei grundsätzlich so aufgebaut, dass BMW ein weltweites Produktionsnetzwerk habe. "Künftig werden wir Giga-Factories auch in den Regionen, wo wir Elektroautos produzieren, betreiben." Details nannte er nicht. BMW hat Lieferverträge für Batteriezellen mit verschiedenen Herstellern abgeschlossen, unter anderem dem chinesischen Produzenten CATL, Samsung SDI, Northvolt und Eve Energy.

Erst am Dienstag hatte Mercedes-Benz eine eigene Batteriefabrik im US-Bundesstaat Alabama eröffnet. Dort sollen elektrische Antriebe für die SUV-Versionen der Luxuslimousine EQS und des nächst kleineren Modells EQE für den Weltmarkt produziert werden.

Vorstand erwartet niedrigere Gewinnmarge

Derweil rechnet BMW wegen des Kriegs in der Ukraine mit einem spürbaren Dämpfer im Geschäft. Für das laufende Jahr sagte der Münchner Autobauer am Mittwoch eine Gewinnmarge im Autogeschäft von sieben bis neun Prozent voraus nach 10,3 Prozent 2021 - ohne den Krieg wären es acht bis zehn Prozent gewesen. Dabei unterstellt der Autobauer, dass es in den kommenden Wochen zu Produktionsunterbrechungen kommt.

BMW nutze seine Flexibilität in der Produktion, um die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Weiterhin würden zudem Teile aus dem Westen der Ukraine bezogen. Die Situation bleibe extrem dynamisch, was eine genauere Prognose erschwere, hieß es. "Mögliche weitere längerfristige Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine sind derzeit nicht abschätzbar und damit nicht in der Prognose enthalten."

BMW ist der erste der deutschen Autobauer, der explizit die Effekte auf die eigenen Zahlen beziffert. Bei zuletzt gut 95 Milliarden Euro Umsatz in der Autosparte entspricht ein Prozentpunkt weniger Marge einer Ergebnisbelastung von rund 950 Millionen Euro. Zudem bleibe die Chipkrise ein Thema für die Autobranche. Die Versorgungslage bei Halbleitern dürfte angespannt bleiben, es bestehe wie im Vorjahr das Risiko, dass es zu Lieferengpässen komme.

BMW-Gewinn im Jahr 2021 mehr als verdreifacht

Die Geschäftsdaten für das Jahr 2021 hatte BMW bereits am vergangenen Donnerstag vorgelegt. Demnach hat der Autobauer seinen Nettogewinn auf 12,5 Milliarden Euro geschraubt und damit mehr als verdreifacht. Der Umsatz verbesserte sich um 12,4 Prozent auf 111,2 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr sei mit einem deutlichen Plus beim Vorsteuergewinn zu rechnen, sagten die Münchner voraus: Grund dafür ist die Vollkonsolidierung von BMW Brilliance in China, wo BMW zuletzt die Mehrheit übernommen hatte. Auch der Umsatz dürfte deswegen zulegen.

BMW war im vergangenen Jahr weniger stark wegen fehlender Halbleiter unter Druck gekommen als die deutsche Konkurrenz und hatte am Ende sogar mehr Autos ausgeliefert als im Vorjahr. Die Stammmarke BMW eroberte gar von Mercedes erstmals seit der Mitte des vergangenen Jahrzehnts den Spitzenplatz im weltweiten Verkauf von Premiumautos zurück. Die Nachfrage sei weltweit hoch, hieß es vom Konzern - dennoch rechnet BMW wegen der geopolitischen Lage in Osteuropa nun nur mit Auto-Auslieferungen auf dem Niveau des Vorjahres von rund 2,5 Millionen Stück.

Marktchancen für vollelektrische Autos verbessert

Konzernchef Oliver Zipse (58) schätzt die künftigen Marktchancen vollelektrischer Autos zunehmend besser ein. Mit ihrer ab Mitte des Jahrzehnts geplanten neuen Fahrzeuggeneration halten es die Münchner für möglich, dass der Anteil reiner Batterieautos am weltweiten Gesamtabsatz schon vor dem Jahr 2030 die Hälfte erreichen wird, wie es bisher geplant war. Da Zipse schon vor Ende des Jahrzehnts einen Gesamtverkauf von 3 Millionen Autos anpeilt, könnten die jährlichen Stückzahlen dann bei über 1,5 Millionen liegen.

Bisher war BMW davon ausgegangen, dass 2030 mindestens 50 Prozent der verkauften Autos nur noch von einem Elektromotor angetrieben werden. Bedingung für das stärkere Wachstum bei den Vollelektroautos sei der Ausbau der weltweiten Ladeinfrastruktur, forderte BMW erneut. Dieser müsse mit dem Modellangebot und der gestiegenen Nachfrage mithalten können.

"Neue Klasse" mit neuer Generation von Batteriezellen

In der neuen Modellgeneration - die BMW "Neue Klasse" nennt - werde auch erstmals ein neuer batterieelektrischer Antrieb zum Einsatz kommen, der die Kosten für den Antriebsstrang deutlich senken soll, hieß es vom Konzern. Für diesen neuen E-Antrieb entwickle BMW aktuell eine neue Generation von Batteriezellen. BMW gilt bislang nicht als der offensivste Autobauer, was den rein elektrischen Batterieantrieb angeht. Nach wie vor geht Zipse davon aus, dass auch nach 2030 noch herkömmliche Antriebe wie Verbrenner in manchen Weltregionen erforderlich sind.

Auch im laufenden Geschäft soll sich die Lage weiter bessern, dieses Jahr rechnet sich Finanzchef Nicolas Peter einen Zufluss freier Mittel aus dem Autogeschäft von mehr als 7 Milliarden Euro aus. Vergangenes Jahr waren es 6,4 Milliarden Euro.

Die weiter schwierige Situation in der Belieferung mit Elektronikchips dürfte sich nicht vor dem zweiten Halbjahr entspannen, hieß es von BMW. Das Risiko von Lieferengpässen bestehe angesichts der hohen internationalen Nachfrage nach Halbleitern weiter.

Die starken Ergebnisse der Finanzdienstleistungssparte dürften sich nach Ansicht des Konzerns im neuen Jahr nicht wiederholen. Bei der Eigenkapitalrendite strebt BMW einen Wert von 14 bis 17 Prozent an, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr 22,6 Prozent erzielte. Da hatte BMW insbesondere von stark gestiegenen Gebrauchtwagenpreisen profitiert, die den Wiederverkauf von Leasingrückläufern begünstigten. Das dürfte sich im zweiten Halbjahr 2022 normalisieren.

rei/Reuters/AFP/DPA