Reichweite von bis zu 750 Kilometern BMW sagt Tesla mit dem iNext den Kampf an

Die BMW-Spitze räumt zur Hauptversammlung eine Panne bei der Abgasreinigung ein. Für Aufregung sorgt der Vorstand damit bei Aktionärsschützern nicht. Die finden sogar viel Lob für das Management. Mehr Aufregung verspricht der Blick in die Zukunft: Eine Zeichnung skizziert vage das nächste und damit dritte Elektroauto der i-Reihe.
Erster Ausblick auf den BMW iNext. BMW will das Visionsfahrzeug noch im laufenden Jahr zeigen. Der BMW i4 und der iNext sollen den Kern der Elektrooffensive von BMW bilden

Erster Ausblick auf den BMW iNext. BMW will das Visionsfahrzeug noch im laufenden Jahr zeigen. Der BMW i4 und der iNext sollen den Kern der Elektrooffensive von BMW bilden

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BMW will bald einen Entwurf für sein teilautomatisiertes Elektroauto zeigen und so die Position gegenüber Vorreitern wie Tesla stärker behaupten. "Noch in diesem Jahr werden wir den iNext als Visionsfahrzeug zeigen", sagte Vorstandschef Harald Krüger am Donnerstag zur Hauptversammlung in München.

Das Fahrzeug soll 2021 auf den Markt kommen. Im iNext seien "alle Schlüsseltechnologien künftiger Mobilität" gebündelt. "Er fährt vollelektrisch. Er ist vollvernetzt. Er fährt teilautonom - und das sicher." Unfälle autonom fahrender Teslas sorgten in der Vergangenheit mehrfach für Schlagzeilen.

Das Basismodell soll 550 km weit rein elektrisch fahren. Wer mehr zahlt für eine größere und leistungsfähigere Batterie, soll damit dann bis zu 750 Kilometer weit kommen, heißt es bei BMW.

Während der HV enthüllte BMW das erste offizielle Teaserbild zum BMW iNext. Die Silhouette lässt ein Fahrzeug mit der typischen neuen i-Signatur im Bereich der B-Säule erkennen. Ob es sich um eine Großraumlimousine oder um eine Mischung aus Limousine und SUV handelt - diesen Schluss lässt die bewusst verschleiernde Skizze nicht zu.

BMW treibt wie andere Autobauer die Entwicklung von elektrisch und autonom fahrenden Autos voran und peilt dabei eine Führungsrolle an. Bis 2025 wollen die Bayern 25 elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen, zwölf davon rein batteriebetrieben. 2018 will BMW mindestens 140.000 elektrifizierte Fahrzeuge (Batterie- und Plug-in-Autos) verkaufen, bekräftigte Krüger. Nächstes Jahr werde ein Elektro-Mini und 2020 ein elektrischer BMW X3 auf den Markt kommen.

Europa müsse bei der E-Mobilität eine Vorreiterrolle übernehmen, forderte Krüger. Für das autonome Fahren "brauchen wir einheitliche Regeln und überall in der EU den 5G-Mobilfunkstandard".

BMW-Spitze gesteht Diesel-Fehler ein

Krüger und Aufsichtsratschef Norbert Reithofer schütteten während der HV auch ein wenig Asche auf ihr Haupt und räumten eine Panne bei der Abgasreinigung eines Dieselmotors ein. "Uns ist vor einigen Jahren ein Fehler unterlaufen", sagte Krüger. Bei 11.700 BMW-Fahrzeugen sei irrtümlich eine nicht passende Software aufgespielt worden. Das Kraftfahrtbundesamt hatte im März den Rückruf der Autos wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung angeordnet, die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt.

"Mit einer gezielten Manipulation hat das nichts zu tun"

Reithofer betonte, der "handwerkliche, menschliche Fehler" habe nicht dazu geführt, dass die Abgaswerte auf dem Prüfstand niedriger gewesen wären als auf der Straße. Krüger ergänzte: "Mit einer gezielten Manipulation von Motorsteuerung und Abgasreinigung hat das nichts zu tun." BMW warte jetzt auf die Genehmigung der Behörden, um die korrigierte Software aufzuspielen.

"Uns ist vor einigen Jahren ein Fehler unterlaufen": BMW-Chef Harald Krüger räumten eine Panne bei der Abgasreinigung eines Dieselmotors ein. Mehr als eine Panne sei dies aber nicht gewesen

"Uns ist vor einigen Jahren ein Fehler unterlaufen": BMW-Chef Harald Krüger räumten eine Panne bei der Abgasreinigung eines Dieselmotors ein. Mehr als eine Panne sei dies aber nicht gewesen

Foto: Christian Stadler/BMW/ DPA

Aktionärsschützer sahen am Mittwoch auch keinen Grund, den Vorstand für diesen Vorfall öffentlich scharf zu kritisieren. BMW habe "einen Streifschuss" in der Dieselkrise abbekommen, meinte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, vieles spreche für ein bloßes Versehen. Das war es dann auch weitgehend mit der Kritik.

Einig waren sich die Aktionärsvertreter in ihrem Lob für die Rekordzahlen des vergangenen Jahres, mit 5000 zusätzlichen Arbeitsplätzen, 88,6 Milliarden Euro Umsatz und 8,7 Milliarden Euro Gewinn: "Das haben Sie toll gemacht!" sagte Bergdolt.

Aktionäre wollen die Hälfte des Gewinns

Ärgerlich sei aber, dass BMW mit 2,5 Millionen verkauften Autos weiter hinter Mercedes-Benz liege. Und statt 30 Prozent sollte BMW künftig 50 Prozent des Gewinns als Dividende an die Aktionäre ausschütten, sagten die Aktionärsvertreter.

Krüger beklagte, harte Regulierungen seien heute populär. BMW aktualisiere die Software seiner Euro-5-Dieselautos ab Baujahr 2011, halte aber eine Hardware-Nachrüstung für technisch nicht sinnvoll. Einen Seitenhieb teilte der BMW-Chef gegen VW aus. "Zur Wahrheit gehört auch: Das Handeln einiger Hersteller hat der gesamten Branche geschadet", sagte Krüger.

rei mit dpa-afx
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