Donnerstag, 14. November 2019

Vorstand bekennt sich zum Elektroauto BMW hält an Produktion des i3 fest

Der neue BMW-Chef Oliver Zipse hält am Bau des Elektroautos i3 fest. "Der i3 wird weiter produziert werden, keine Frage", sagte der Manager in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (€).

Der Wagen sei nach nur sechs Jahren schon eine Ikone. "Wir wachsen mit dem i3 jedes Jahr - in Europa dieses Jahr um rund 20 Prozent." Die Investitionen seien abgeschrieben, BMW verdiene mit jedem i3 Geld. "Wieso in Gottes Namen sollten wir dieses Auto, das jetzt auf der Höhe seiner Zeit ist, aufgeben? Wir sind uns sicher: Der i3 hat noch großes Potenzial."

Mitte September hatte der Marketingchef des Herstellers, Pieter Nota, gegenüber der "Financial Times" zu verstehen gegeben, dass die Produktion des i3 eingestellt werde. Statt des i3 wolle BMW andere Modelle des Konzerns als reine Batterieautos oder Plug-In-Hybride anbieten. Wann genau der i3 eingestellt werde, ließ Nota in dem Interview allerdings offen. BMW werde aber auch nach dem möglichen Ende des i3 ein rein elektrisches Auto im Kompaktsegment anbieten, sagte zudem ein Unternehmenssprecher dem SPIEGEL.

 "Wieso in Gottes Namen sollten wir dieses Auto aufgeben?" Oliver Zipse legt ein Bekenntis zum i3 ab
Eric Krügl / BMW
"Wieso in Gottes Namen sollten wir dieses Auto aufgeben?" Oliver Zipse legt ein Bekenntis zum i3 ab

Die Diskussion um das ursprünglich mutige i-Projekt genießt hohe öffentliche Aufmerksamkeit, weil es so viel über BMW verrät. So ist es in den vergangenen Jahren zum Symbol der Überforderung des Zipse-Vorgängers Harald Krüger geworden. Immer wieder vertagte der Vorstand unter seiner Führung wichtige Entscheidungen; der Vertrieb tat sich schwer; intern propagierten wichtige Manager Alternativprojekte. Die Geschichte des i3 trug zum Absturz BMWs bei.

Der i3 ist seit 2013 auf dem Markt und wurde seitdem lediglich ein paar Mal optisch und technisch aufgefrischt. Normalerweise gibt es bei großen Herstellern rund alle sieben Jahre einen Modellwechsel - nach dieser Regel wäre der i3 also nächstes Jahr dran.

Der i3 hat sich seit seiner Markteinführung rund 150.000 Mal verkauft. BMWs Technologieträger für künftige E-Mobilität war das erste Modell der drei Jahre zuvor gegründeten Submarke BMW i und hatte zunächst eine rein elektrische Reichweite von 160 Kilometern. Das Auto wurde von Grund auf als Elektroauto konzipiert. Im Innenraum verarbeitete BMW nachhaltige Materialien wie Holz oder Schilfgras. Der damalige Preis: 35.000 Euro.


Lesen Sie auch: Systemabsturz - warum BMW aus der Erfolgsspur fiel


Der i3 war außerdem das erste Serienfahrzeug mit einer aus kohlenfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Fahrgastzelle. Dadurch sollte das Auto leichter und die Reichweite maximiert werden. Ein teures Unterfangen, für das BMW extra ein 700 Millionen Euro teures Werk in den USA errichten ließ. Mit der aufwändigen Herstellung gab es aber immer wieder Probleme. Für das Auto entwickelte BMW eine eigene, teure Elektroarchitektur, die kein anderes Fahrzeug im Konzern nutzt. Nach und nach wurde zudem klar, dass sich eine größere Reichweite eher über bessere, größere und zunehmend günstigere Batterien erzielen ließ, als über die ultraleichte aber kostenintensive Karosserie.

BMW fürchtet Google oder Apple nicht

Zipse hatte Mitte August die Führung des Konzerns von Harald Krüger übernommen. Dem Interview zufolge zeigte er sich selbstbewusst, was den in der Branche von manchen befürchteten Vorstoß von US-Riesen wie Google oder Apple betrifft. Die Eintrittshürden seien hoch. "Tatsache ist: Es gibt keinen richtigen Neueinsteiger." Keiner der neuen Player habe es mit einem profitablen Geschäftsmodell geschafft und es werde auch keiner so schnell schaffen.

Anders als im Autobau seien im Geschäft mit Vermittlungsdiensten die Eintrittshürden sehr niedrig. Für das gemeinsam mit Daimler betriebene Mobilitäts-Joint-Venture "Your Now" würden noch weitere Partner gesucht. "Es ist ausdrücklich erwünscht, die Now-Familie auf breitere Füße zu stellen, über Kooperationen oder finanzielle Beteiligungen von Dritten." Einen Verkauf von "Your Now" schloss Zipse dem Bericht zufolge aus.

rei mit Reuters

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung