Dienstag, 22. Oktober 2019

Produktionschef folgt Harald Krüger als Vorstandschef Oliver Zipse wird neuer BMW-Chef

Er wird neuer BMW-Chef werden: Oliver Zipse, bislang als Vorstand für die Produktion verantwortlich
Tobias Hase/DPA
Er wird neuer BMW-Chef werden: Oliver Zipse, bislang als Vorstand für die Produktion verantwortlich

Oliver Zipse wird neuer Vorstandschef von BMW. Der Aufsichtsrat berief den bisherigen Produktionsvorstand am Donnerstagabend an die Spitze des Münchner Autokonzerns. Der 55-jährige Zipse löst Mitte August Harald Krüger (53) ab, der nach wochenlangen Spekulationen über seine Zukunft seinen vorzeitigen Rückzug erklärt hatte. Der glücklose Manager verlässt BMW nach nur vier Jahren im Amt.

"Mit Oliver Zipse übernimmt ein führungsstarker Stratege und Analytiker den Vorstandsvorsitz der BMW AG", sagte Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, der BMW vor Krüger geführt hatte. "Er wird der BMW Group zusätzliche Impulse bei der Gestaltung der Mobilität der Zukunft verleihen."

Zipse galt als Favorit für die Nachfolge Krügers. Mit ihm verbindet man bei BMW den Wunsch nach einer stärkeren Führung. Der Manager mit dem Schmiss an der Oberlippe soll dem Konzern auf dem Weg ins Zeitalter der Elektromobilität und des autonomen Fahrens die Orientierung geben, die Krüger vermissen ließ. Der gebürtige Heidelberger war mit Krügers Berufung zum Konzernchef 2015 in den Vorstand aufgestiegen. Vorher war er unter anderem Strategie-Chef. Der mit einer Japanerin verheiratete Vater zweier Söhne hat sein ganzes Berufsleben bei BMW verbracht.

Zipse hat sich Insidern zufolge für den Spitzenposten empfohlen, indem er BMW durch ein ausgeklügeltes Netz von weltumspannenden Produktionsstandorten weniger abhängig von Handelskonflikten und konjunkturellen Schwankungen gemacht hat. Das allein reicht nach Meinung von Experten aber nicht aus, um BMW in eine Zukunft zu führen, in der Software und IT eine wachsende Rolle spielen.

BMW droht bei der Elektromobilität abgehängt zu werden

Digitale, vernetzte Mobilitätsdienste nehmen einen immer größeren Stellenwert ein und versprechen ein Milliardengeschäft, um das sich die Autokonzerne mit Konzernen aus der IT- und Internetbranche streiten. Im Nacken sitzt ihnen auch der amerikanische Elektroautobauer Tesla, der mit seinem günstigeren Model 3 Marktanteile erobern will.

Die Bayern haben mit dem batteriegetriebenen i3 und dem Hybridsportwagen i8 zwar früh auf Elektromobilität gesetzt, drohen inzwischen aber abgehängt zu werden, da Konkurrenten wie Volkswagen massiv in E-Autos investieren. Der Druck ist noch dadurch gestiegen, dass BMW zu Jahresbeginn im Autogeschäft erstmals seit zehn Jahren Verluste geschrieben hat und vor harten Einschnitten steht. Selbst ein Personalabbau wird nicht ausgeschlossen.

Der Aufsichtsrat tagte am US-Standort Spartanburg in South Carolina, wo BMW sein größtes Werk unterhält. Neben Zipse war Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich für den Chefposten von BMW gehandelt worden. Der 59-Jährige soll im Unternehmen gehalten werden.

Von dem Neuen wird eine neue Strategie erwartet

Aufsichtsratschef Reithofer gab sich in Spartanburg zuversichtlich: "Mit ihrer Innovationskraft, ihren starken Marken und ihren engagierten Mitarbeitern wird die BMW Group auch in Zukunft ihre Führungsrolle im Premiumsegment ausbauen und ihren langfristigen Erfolgskurs fortsetzen." Doch für die Einarbeitung bleibt dem neuen Vorstandschef wenig Zeit. Schon zur Automobilmesse IAA im September in Frankfurt wird eine neue Strategie erwartet, die BMW auf den Wandel in der Mobilität vorbereiten soll.

Allen Herstellern drohen ab 2022 empfindliche Geldbußen, wenn sie die Klimaziele reißen. Der Investmentberater Evercore ISI hat für BMW auf Grundlage des Absatzes von 2018 potenzielle Strafen von 2,7 Milliarden Euro errechnet. Auf etwa genauso viel kamen die Analysten für den Erzrivalen Daimler. Da die Verkaufszahlen elektrifizierter Autos steigen, halten Experten niedrigere Strafen für möglich. Dennoch sind hohe Investitionen nötig, um die Vorgaben zu erfüllen.


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Zipse wird Partnerschaften ausbauen und vorantreiben müssen

Zipse soll zudem die von BMW eingegangenen Partnerschaften vorantreiben - allen voran die mit Daimler bei selbstfahrenden Autos und Mobilitätsdiensten. Wegen der hohen Investitionen in die neuen Trends der Autobranche sind die Hersteller immer mehr auf Kooperationen angewiesen, um die Kosten für Neuentwicklungen zu teilten. Die Münchner arbeiten mit dem Chiphersteller Intel, Fiat Chrysler und anderen zusammen. VW und Ford hatte kürzlich ihre Zusammenarbeit auf autonomes Fahren und Elektroautos ausgeweitet.

Zipse gilt aber als gewandter Gesprächspartner, der auch mal die Ellbogen ausfahren kann. Das sei kein Nachteil in einer Branche, in der der Wettbewerb eher schärfer werde, meinen Experten. Ob er auch gut darin sei, Partnerschaften zu managen, müsse abgewartet werden.


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Mit Spannung wird erwartet, ob Zipse an der von Krüger propagierten "Technologie-Offenheit" festhält. Danach hält sich BMW alle Optionen für künftige Antriebe offen - vom saubereren Verbrennungsmotor über Hybridautos bis zu reinen Stromern und Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft. Die deutschen Autobauer hatten im Frühjahr tagelang über eine gemeinsame Linie für eine stärkere Förderung der Elektromobilität gestritten. Volkswagen hatte sich dafür eingesetzt, alle Kräfte für den Durchbruch des Elektroantriebs zu bündeln.

Der Neue muss die Mitarbeiter beim Wandel mitnehmen

Krüger, der nach wochenlangen Spekulationen über seine Zukunft an der BMW-Spitze Anfang Juli seinen Rückzug erklärt hatte, pflegte eine Führungskultur, die auf Konsens setzt. 2015 war der damals jüngste Vorstandschef eines Automobilherstellers vom Aufsichtsrat ausgewählt worden, um das "Wir-Gefühl" bei BMW zu stärken, wie ein früherer BMW-Manager sagt, der bei dem Autobauer noch bestens verdrahtet ist. Zuletzt sei Krüger aber vorgeworfen worden, er sei zu nachdenklich. "Krüger war vielleicht damals die richtige Entscheidung. Doch inzwischen haben sich die Zeiten geändert."

Dem "starken Mann", als der Zipse intern gilt, gehören daher bei BMW viele Sympathien. Man erwartet von ihm, dass er vorangeht - und dabei nicht vergisst, die Mitarbeiter beim Wandel der Mobilität mitzunehmen. Das Produktionsressort war schon für andere Manager Sprungbrett an die Unternehmensspitze. Sowohl Krüger als auch dessen Vorgänger Joachim Milberg und Norbert Reithofer leiteten zunächst diese größte Sparte des Konzerns, bevor sie nach ganz oben befördert wurden. Reithofer wechselte 2015 in den Aufsichtsrat und übernahm dort den Stuhl von Milberg als Vorsitzender des Gremiums.

rei/Reuters

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