Verbesserte Kassenlage Ende 2020 BMW verliert an der Börse deutlich trotz gutem Schlussquartal

Wie andere Autobauer profitierte auch BMW von der Markterholung gegen Jahresende 2020. Die Aktionäre konnte das dennoch nicht begeistern – weil ein Konkurrent merklich besser war.
BMW-Fertigung in Leipzig: Der Autobauer meldet überraschend verbesserte Finanzzahlen

BMW-Fertigung in Leipzig: Der Autobauer meldet überraschend verbesserte Finanzzahlen

Foto: Jan Woitas/ dpa

Der Autobauer BMW hat im Schlussquartal mit besseren Geschäften weiter Boden gutmachen können und blickt auf eine deutlich bessere Kassenlage zum Ende des Jahres 2020. Zwischen Oktober und Ende Dezember habe der Zufluss finanzieller Mittel im Kerngeschäft Autobau rund 2,8 Milliarden Euro betragen und falle damit besser aus als am Kapitalmarkt erwartet, teilte der Dax-Konzern am Mittwochabend in München mit.

An der Börse sorgte das am Donnerstag aber nicht für einen Aufschwung beim Aktienkurs. Die BMW -Stammaktie  lag am Vormittag 4 Prozent im Minus. Sie zeigte sich damit noch schwächer als das ohnehin schon wenig freundliche Börsenumfeld im Dax und des europäischen Branchenindex der Autohersteller und -zulieferer. Analysten lobten zwar den unerwartet hohen Zufluss finanzieller Mittel bei den Münchenern. Ein Händler sagte aber, nach dem starken Abschneiden von Volkswagen reiche diese Nachricht als Kurstreiber nicht aus. Der Vorsteuergewinn liege zudem nur im Rahmen der Erwartungen. Einige Börsianer hatten offenbar auf noch bessere Zahlen gesetzt.

Viele Zulieferer und auch der Volkswagen-Konzern haben bereits über ein wirtschaftlich erheblich besseres Umfeld im Schlussquartal berichtet. BMW hat im letzten Jahresviertel 2020 weltweit 4,3 Prozent mehr Autos von seiner Stammmarke verkauft als im Vorjahr, auch wenn das Gesamtjahr coronabedingt einen klaren Rückgang aufwies. Insbesondere in China kommt das Unternehmen gut klar, weil dort der Markt wieder im Aufschwung ist und insbesondere teurere Premiumautos nach wie vor gut laufen.

So schwoll der Bargeldzufluss aus dem Autogeschäft (Free Cashflow) bei BMW zwischen Oktober und Ende Dezember auf rund 2,8 Milliarden Euro an. Im Gesamtjahr hat das Unternehmen dort einen Bargeldzufluss von 3,4 Milliarden Euro aufzuweisen nach 2,6 Milliarden ein Jahr zuvor. Zuletzt hatte BMW offiziell lediglich angepeilt, mindestens 1,5 Milliarden Euro im gesamten Jahr zu erzielen.

Der Free Cashflow gibt Auskunft über die aktuelle Finanzkraft eines Unternehmens – zum Höhepunkt der Corona-Krise hatte der Kapitalmarkt ein besonderes Augenmerk auf diese Kennzahl gelegt. BMW verwies neben dem besseren Umfeld unter anderem auf einen strengen Blick beim Kauf von Vorräten. Zudem floss weniger Geld für Gewährleistungsfälle ab als gedacht. Die Händler in China stockten wegen des Marktaufschwungs im Land ihre Bestände auf und überwiesen dafür Anzahlungen. Auch die Autohäuser in Großbritannien sorgten wegen des Brexits vor.

Aufgrund der rascheren Erholung in vielen Märkten im zweiten Halbjahr komme bei der Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern in der Autosparte ein Jahreswert am oberen Ende der Prognosebandbreite von null bis drei Prozent heraus, hieß es zudem von BMW. Finanzchef Nicolas Peter (58) hatte zuletzt bereits einen Wert im oberen Drittel des Korridors in Aussicht gestellt.

Das Konzernergebnis vor Steuern liege im Rahmen der Prognose und sei wie vom Markt erwartet, hieß es weiter. BMW hatte gegenüber dem Vorjahreswert von 7,1 Milliarden Euro einen Rückgang von mindestens 10 Prozent prognostiziert – also im Bestfall einen Wert von rund 6,4 Milliarden Euro.

Analyst George Galliers von Goldman Sachs hatte mit einem geringeren Mittelzufluss gerechnet. Auch Warburg-Experte Marc-Rene Tonn konstatierte einen überraschend hohen Geldzufluss. Die Ergebnismarge (Ebit) des Autogeschäfts im vierten Quartal dürfte einen hohen einstelligen Prozentsatz erreicht haben. Stephen Reitman von der französischen Großbank Société Générale schätzt die Marge nun auf 8,5 Prozent.

wed/cr/dpa-afx
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