Machtwechsel in München vollzogen Krüger lenkt nun BMW, Reithofer passt auf

Von mm-newsdesk
Neuer BMW-Chef Krüger: Aktionäre erwarten, dass "BMW weiterhin auf der Überholspur fährt"

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BMW hat den seit Monaten geplanten Generationswechsel an der Konzernspitze vollzogen. Als Nachfolger von Norbert Reithofer übernahm der bisherige Produktionsvorstand Harald Krüger zum Ende der Hauptversammlung am Mittwoch in München den Chefposten bei dem Autobauer. Reithofer wurde wie erwartet - trotz einiger Kritik von Aktionären - in den Aufsichtsrat gewählt und sollte dort den Vorsitz übernehmen.

"Damit schaden sich alle Beteiligten letztlich selbst", kritisierte Ingo Speich von Union Investment. "Ein Aufsichtsratsvorsitzender braucht kritische Distanz, um Dinge zu hinterfragen." Bei einem sofortigen Wechsel könne Reithofer "nicht unbefangen und neutral" über das wachen, was er selbst geschaffen habe. Zudem mache es Reithofer seinem Nachfolger schwerer, aus seinem Schatten zu treten. Seit BMW im Dezember den Wechsel an der Führungsspitze angekündigt hatte, lobte Reithofer bei vielen Gelegenheiten die von ihm aufgesetzte Strategie, die bis 2020 gelten solle.

"Eigentlich ist das ein No-go", sagte auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Angesichts der Erfolge von Reithofer werde die DSW aber nicht gegen diese Wahl stimmen. Insgesamt fiel die Kritik am Machtwechsel weit weniger deutlich aus, als zuvor gedacht.

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In den Grundsätze der guten Unternehmensführung, dem Deutschen Corporate Governance Kodex, wird eine zweijährige Abkühlphase zwischen den beiden Spitzenämtern empfohlen. Eine Ausnahme ist aber vorgesehen: Der direkte Wechsel eines Firmenchef auf den Spitzenposten im Aufsichtsrat kann auf Wunsch eines Großaktionärs erfolgen. An BMW hält die Familie Quandt knapp 47 Prozent. Die Wahl Reithofers in den Aufsichtsrat galt wegen der Mehrheitsverhältnisse als sicher.

Für seine Arbeit als Vorstandschef erhielt Reithofer Lob von allen Seiten, inklusive Stefan Quandt, der das "neue Niveau" des Unternehmens würdigte. In seiner achteinhalbjährigen Amtszeit hatte Reithofer BMW eine Imagewende verpasst und viele interne Tabus gebrochen.

Reithofer warnte auf der BMW-Hauptversammlung in München: "Solide Planung von heute kann schon morgen Makulatur sein"

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Der Oberklasse-Hersteller stieg aus der Formel 1 aus und setzte auf Elektroautos, er ging Partnerschaften ein und verkauft seine Motoren seither an Dritte. Gekoppelt mit einem milliardenschwere Sparprogramm und dem Abbau von mehr als 10.000 Stellen sorgte Reithofer dafür, dass sich der Gewinn seit 2007 mehr als verdoppelte, und die Dividende fast verdreifachte.

DSW-Vertreterin Bergdolt sagte, der neue Vorstandschef Krüger trete in große Fußstapfen. Angesichts der "ganz hohen Basis" werde es schwierig, alle Erwartungen zu erfüllen. "Und wir erwarten viel", sagte sie. "Wir erwarten von Ihnen, dass BMW weiterhin auf der Überholspur fährt."

Der scheidende Chef des BMW-Aufsichtsrats, Joachim Milberg, vereidigte den direkten Wechsel von Reithofer. Auf diese Weise blieben die "profunden Kenntnisse und Erfahrungen" Reithofers dem Unternehmen erhalten. Der Aufsichtsrat und große Aktionäre seien sich einig, dass der Wechsel im Interesse von BMW liege, sagte Milberg.

Milberg verzichtete auf seinen Posten, Reithofer sollte nach seiner Wahl auch dessen Nachfolge an der Spitze des Gremiums übernehmen.

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Reithofer selbst warnte vor wirtschaftlichen Turbulenzen. Zwar wolle BMW nach etlichen Rekordjahren 2015 erneut Bestwerte einfahren, es gebe aber viele Risiken. "Unser wirtschaftliches Umfeld ist wenig stabil", sagte Reithofer. "Solide Planung von heute kann schon morgen Makulatur sein."

ts/Reuters/dpa-afx