Montag, 22. April 2019

Autobauer fürchtet weitere Verzögerungen BMW: Brexit besser jetzt als später

Rolls-Royce-Produktion nahe Chichester in Südengland (Bild Archiv)

BMW spricht sich gegen eine Verschiebung des Brexit aus, damit würde nur mehr Unsicherheit geschaffen. Noch mehr aber fürchtet der Autobauer, der stark in Großbritannien engagiert ist, einen chaotischen Brexit ohne Vertrag.

BMW sieht eine mögliche Verschiebung des Brexits skeptisch. "Ein scheibchenweise verschobener Starttermin wäre für uns kein gutes Szenario", sagte Einkaufsvorstand Andreas Wendt der Wirtschaftszeitung "Automobilwoche".

BMW habe sich mit seinen vier Werken in Großbritannien jetzt auf den EU-Austritt Londons am 29. März vorbereitet und die jährliche Wartung deshalb von Juli auf April vorgezogen. "Das gibt uns Spielraum für einen geordneten Übergang", sagte Wendt. Mit der Produktionspause in den Wochen nach dem Brexit will BMW das Risiko von Unterbrechungen in der Versorgungskette verringern und danach wieder möglichst reibungslos starten.

Die angeschlagene britische Premierministerin Theresa May hingegen arbeitet auf eine Verschiebung des Brexit hin und will einen EU-Ausstieg ohne Abkommen - einen sogenannten harten Brexit - auf jeden Fall ausschließen, berichten britische Medien. Damit wolle sie das Heft des Handelns gegen Widerstände im Parlament und in der eigenen Regierung in der Hand behalten.

BMW baut in England den Mini, den Rolls-Royce sowie Karosserieteile und Motoren auch für BMW-Autos. Umgekehrt werden viele Bauteile für Mini und Rolls-Royce aus der EU zugeliefert. Für Mini ist das Vereinigte Königreich der mit Abstand größte Markt. Der BMW-Konzern hat im vergangenen Jahr fast jedes zehnte Auto auf der Insel verkauft - 238.000 Fahrzeuge.

MIini-Werk in britischen Oxford

Wendt sagte: "Klar ist, dass sich ein No-Deal-Brexit nachteilig auf unsere Geschäftstätigkeit auswirken würde." BMW sei aber auf alle Szenarien vorbereitet.

Ökonomen sehen für den Fall eines harten Brexits mehr als100.000 Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr, davon mindestens 15.000 bei den Autobauern hierzulande, stellte eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle unlängst fest.

"Die Beschäftigungseffekte eines harten Brexit würden vor allem an den Automobilstandorten spürbar werden", sagte Studienautor Oliver Holtemöller. Besonders harte Einschnitte brächte ein unkontrollierter Austritt der Briten für Beschäftigte in Wolfsburg und im niederbayerischen Dingolfing-Landau. Hier stellen Volkswagen beziehungsweise BMW zusammen mit Kfz-Zulieferern die größten Arbeitgeber.

rei mit dpa-afx

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