Sonntag, 21. April 2019

BMW-Designchef Adrian van Hooydonk über das Apple-Auto Wie BMW Apple in Schach hält

Die Zukunft des Fahrens: Voll vernetzt voraus
BMW

3. Teil: Wenn das Cockpit zum Wohnzimmer wird

mm.de: Sie haben einmal gesagt, dass Technologie in Zukunft immer weniger sichtbar sein wird. Eine Entwicklung, die man ja auch bei den von Ihnen vorgestellten Modellen nachvollziehen kann, bei denen sich vieles bereits über Touchscreens oder Gesten steuern lässt. Welche Entwicklungen sehen sie noch?

Van Hooydonk: Wenn Autos künftig - zumindest in bestimmten Phasen - hochautonom fahren können, wird das Interieur eines Autos sehr viel wichtiger. Die Menschen haben dann Zeit, sich umzuschauen, andere Dinge zu tun als nur auf den Verkehrsfluss zu achten. Sie werden die Innenausstattung, die Details künftig viel mehr zu schätzen wissen. Und sie werden neue Anforderungen an Autos stellen. Jetzt ist das Autofahren zu 80 Prozent Fahrerlebnis und das Drumherum nur ein kleiner Teil der Gesamterfahrung. Das wird sich verschieben.

Außerdem wird künftig der Erstkontakt mit dem Fahrzeug bereits außerhalb des Wagens stattfinden, wahrscheinlich auf einem elektronischen Gerät. Im Wagen selbst wird Autofahren nur noch eine von vielen Tätigkeiten sein, die man dort ausübt. Und da wollen wir unseren Kunden unterschiedlichste Möglichkeiten bieten. Das digitale Leben wird nicht mehr durch Autofahren unterbrochen werden.

mm.de: Aber liegt nicht gerade darin ein enormer Vorteil für Apple. Die sind mit den Nutzungsgewohnheiten und Bedürfnissen ihrer Kunden ja über eine ganze Reihe von Kanälen bestens vertraut?

Van Hooydonk: Sicher. Sie kennen sich bestens in der digitalen Welt aus. Aber sie haben wiederum in der Autowelt einiges zu lernen. Und die Frage ist: Wollen die Kunden ihr ganzes Leben, ihre ganzen Erfahrungen und Dienste aus der Hand eines Konzerns beziehen? Ich glaube nicht. Ich glaube anspruchsvolle Kunden wollen das jeweils beste aus allen Welten. Aber sie erwarten natürlich, dass es zwischen den verschiedenen Produkten nicht zu Friktionen kommt.

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung