Dienstag, 23. Juli 2019

Hohe Kosten und Absatzflaute Gewinne der Autobauer brechen ein

BMW, einst Rendite-Garant unter den Autobauern, erwischte es im ersten Quartal am schlimmsten

Elektromobilität und Autonomes Fahren kosten die Autoindustrie Milliarden. Die Profite sinken, zugleich schwächeln die Verkaufszahlen. Besonders hart traf es im ersten Quartal japanische und deutsche Hersteller. Die Erosion beim Gewinn dürfte Folgen haben, sagt eine Studie voraus.

Der aktuelle Absatz- und Gewinnschwund bei vielen Autokonzernen dürfte den Trend zu Kooperationen und Fusionen in der Branche nach Ansicht von Experten noch verstärken. "Es steht eine Marktbereinigung bevor", resümiert Constantin Gall von der Unternehmensberatung in einer aktuellen Bilanzanalyse. Im Vorteil seien die Unternehmen, die bei den Zukunftsthemen Elektromobilität und Autonomes Fahren und zugleich finanziell jetzt gut aufgestellt seien.

"Wer da nicht zur Spitze gehört, droht unter die Räder zu geraten", betonte Gall. "Einige der heute noch eigenständigen Autokonzerne werden in zehn Jahren nur noch als Marke innerhalb eines der wenigen Megakonzerne existieren", zeigt Leiter des Auto- und Transportbereichs bei EY überzeugt.

Absatzflaute und hohe Kosten für neue Technologien haben der EY-Analyse zufolge zu Jahresbeginn tiefe Spuren in den Bilanzen der meisten Autokonzerne hinterlassen. Verkaufszahlen und Umsätze gingen zurück, die operativen Gewinne der weltweit größten Hersteller fielen insgesamt auf den niedrigsten Stand seit 2011.

Die japanischen Autobauer büßten demnach im Vergleich zum ersten Quartal 2018 zusammen 40 Prozent ihres operativen Ergebnisses ein. Bei den drei deutschen Konzernen VW, Daimler und BMW waren es zusammen 29 Prozent.

Lediglich koreanische Hersteller hätten Gewinne erhöhen können

Nur die koreanischen Hersteller hätten ihren operativen Gewinn erhöht, schreiben die EY-Experten. Die französischen Hersteller fehlen allerdings in der Liste, weil ihre Zahlen nicht vorlagen.

Daimler schaffte es der Studie zufolge im ersten Quartal trotzdem auf Platz eins der weltweit profitabelsten Unternehmen. 7,1 Prozent vom Umsatz blieben als operatives Ergebnis übrig. Das ist zwar spürbar weniger als zu Jahresbeginn 2018, aber mehr als bei allen anderen untersuchten Herstellern.

Auf Platz zwei landete Toyota mit 6,8 Prozent, dahinter Suzuki mit 6,5. Volkswagen lag mit 6,4 Prozent auf Rang vier, BMW rutschte mit nur noch 2,6 Prozent aus den Top Ten.

"Die Profitabilität sinkt auf breiter Front, und wenn sich die aktuelle Absatzschwäche fortsetzt, werden wir verstärkt Preiskämpfe sehen, die die Margen noch weiter belasten dürften", betonte EY-Autoexperte Peter Fuß. Um die explodierenden Kosten in den Griff zu bekommen, gehe der Trend zu mehr Kooperationen und sehr weitgehenden Partnerschaften.

Die hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung seien alternativlos, hieß es weiter. "Entscheidend wird sein, dass die Automobilhersteller auf jene Zukunftstechnologien setzen, die der Autokunde letztlich auch bezahlen wird. Nur so kann in Zukunft mit dem Produkt Auto weiterhin Geld verdient werden", sagte Gall.

rei/dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung