Freitag, 6. Dezember 2019

Neue CO2-Grenzwerte sorgen für Streit 8 von 13 Autobauern werden CO2-Ziel 2021 verfehlen

Autobauer stehen wegen ihrer klimaschädlichen Verbrennungsmotoren immer wieder in der Kritik
picture alliance / dpa
Autobauer stehen wegen ihrer klimaschädlichen Verbrennungsmotoren immer wieder in der Kritik

4. Teil: VDA: Niemand weiß, wie diese Vorgaben erreicht werden sollen

Kein Wunder also, dass sich der Branchenverband VDA höchst kritisch zu den CO2-Flottenzielen für 2030 äußert. "Diese Regulierung fordert zu viel und fördert zu wenig", erklärte der VDA. "Niemand weiß heute, wie die beschlossenen Grenzwerte in der vorgegebenen Zeit erreicht werden können", sagte VDA-Chef Bernhard Mattes. In keinem anderen Teil der Welt gebe es vergleichbar harte CO2-Ziele. "Damit wird die europäische Automobilindustrie im internationalen Wettbewerb stark belastet."

Der europäische Herstellerverband Acea stieß ins gleiche Horn. "Eine CO2-Minderung um 37,5 Prozent zu liefern, mag sich plausibel anhören, aber gemessen am heutigen Stand ist es völlig unrealistisch."

Tränende Augen, flache Atmung: In europäischen Großstädten sind die Autoabgase mitunter nicht mehr auszuhalten. Doch nicht nur in Madrid, sondern in ganz Europa sollen Neuwagen weniger klima- und gesundheitsschädliches CO2 ausstoßen dürfen

Elisabeth Köstinger wies die Kritik der Autohersteller an den künftigen Klimavorgaben zurück. Die für 2030 vorgesehenen Kohlendioxid-Werte seien "ambitioniert, aber machbar", sagte die Politikerin am Dienstag. Österreich hat derzeit den EU-Vorsitz und hatte die Verhandlungen geleitet.

Verhandlungsführer Österreich weist Kritik zu Grenzwerten zurück

Die Automobiltechnik sei schon sehr weit - und es seien noch elf Jahre Zeit, um die neuen CO2-Flottenwerte zu erreichen, versuchte die Ministerin die Kritik der Autolobby weiter zu entschärfen. Durch das Zwischenziel von 15 Prozent Reduktion bis 2025 gebe es "genügend Zeit, Anpassungen durchzuführen". An die Adresse der Autobauer sagte sie, wenn die Versprechen der Vergangenheit eingehalten worden wären, hätte man jetzt weniger Diskussionen.

Die EU-Staaten hatten Anfang Oktober für eine Senkung des CO2-Werts bei neuen Autos und leichten Nutzfahrzeugen um durchschnittlich 35 Prozent bis 2030 plädiert. Deutschland wollte ursprünglich nur 30 Prozent Minderung, trug den Beschluss aber mit. Das Europaparlament ging mit einer Forderung nach minus 40 Prozent in die Verhandlungen. Diese zogen sich dann über fünf Runden hin, bis die österreichische Ratsvorsitzende Elisabeth Köstinger am Montagabend die Einigung verkündete.

Es geht um den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Flotte

Generell geht es bei der geplanten Reduktion nicht um härtere Emissionslimits für einzelne Fahrzeugmodelle, sondern um den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der gesamten Flotte eines Herstellers. Bei Überschreitungen sollen auf die Autobauer Strafen zukommen.

Die CO2-Reduktion soll der EU helfen, die Pariser Klimaziele einer Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu erfüllen. Bis 2016 betrug das Minus 23 Prozent.

Im polnischen Kattowitz wurde gerade über die konkrete Umsetzung der Vorgaben beraten. Der Verkehr ist der einzige Bereich, in dem die Emissionen weiter klettern. Als nächstes sind strengere Limits auch für Lastwagen geplant. Die EU-Umweltminister wollen sich dazu am Donnerstag auf eine gemeinsame Position einigen.

wed/rei/Reuters/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung