BMW senkt Ausblick und streicht Stellen, aber ... Wie BMW Kaufprämie und Dividende zugleich verteidigt

BMW-Chef Oliver Zipse lässt seine Aktionäre nicht im Stich

BMW-Chef Oliver Zipse lässt seine Aktionäre nicht im Stich

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BMW-Chef Oliver Zipse hatte sich für seine Telefonkonferenz zu den Zahlen des ersten Quartals 2020 gute und schlechte Nachrichten zurechtgelegt. Der Münchner Autobauer hat zwar seinen Ausblick gesenkt und will die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. "Die aktuelle Situation ist für uns alle sehr herausfordernd", meinte Zipse zu Beginn - um dann darauf zu verweisen, dass ein klarer Kurs nun umso wichtiger sei. Mit anderen Worten: Der Vorstandschef setzt sein hartes Regiment  mit verschärften Vorzeichen fort.

Zipse stellt sich durch die weltweite Corona-Krise auf längerfristige Verwerfungen im Automarkt ein - und zwar über 2020 hinaus. "Wir bereiten uns darauf vor, dass unser Geschäft noch lange beeinträchtigt sein wird", erklärte er an einer Stelle. Eine Absatzprognose wollte Zipse auch auf mehrfache Nachfrage nicht abgeben. Dafür sei es noch zu früh. BMW  arbeite nun mit Szenarien, den Zielkorridor für die Ebit-Marge des laufenden Jahres hat BMW aber auf 0 bis 3 Prozent von zuvor 2 bis 4 Prozent herabgesetzt.

Klare Kante zeigte BMW dagegen gegenüber seinen Anteilseignern - und bezüglich der Klimaziele. An der angekündigten Dividende für 2019 hält der Autokonzern eisern fest: Angekündigt hatte BMW zuletzt 2,50 Euro je Stammaktie sowie 2,52 Euro je Vorzugsaktie. "Die Dividende für unsere Aktionäre und die Erfolgsbeteiligung für unsere Mitarbeiter für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 werden wir wie versprochen ausbezahlen", bekräftigte BMW-Finanzchef Nicolas Peter. Diese beziehe sich schließlich auf das vergangene Geschäftsjahr. Und man dürfe nicht vergessen, dass viele Aktionäre die Dividende für die Altersvorsorge brauchen, verteidigte Zipse die Ausschüttung.

Bei der Kaufprämie wird "einiges missverstanden", meint Zipse

Im Vorfeld hatte es Kritik daran gegeben, dass Autokonzerne zwar eine staatliche Prämie für den Neuwagenkauf fordern, gleichzeitig aber Geld an ihre Aktionäre ausschütten. Da werde einiges missverstanden, verteidigte sich Zipse. Das sei keine Prämie zur Stützung der Autohersteller, sondern eine, die die das Kaufverhalten der Bürger ankurbeln solle und damit die Gesamtkonjunktur stütze. "Rund 80 Prozent der Wertschöpfung entsteht nicht bei den Autoherstellern, sondern bei den Zuliefererbetrieben", so Zipse.


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"Wir verstehen aber, dass die Prämie schwer zu vermitteln ist, wenn sie nicht in allgemeine Konjunkturstützen eingebettet ist", erklärte Zipse dann auf Nachfrage. Deshalb werde eine Entscheidung über die Art und Weise der Kaufprämie erst im Juni fallen. Wichtig sei es aber, auf allen Marktsegmenten Wirkung zu erzielen.

Deshalb dürfe ein solcher Kaufanreiz nicht nur für Elektroautos gelten - ein Punkt, den auch Branchenexperten für richtig halten. "Der Effekt entsteht ja über das Hochlaufen von Stückzahlen", so Zipse. Den sogenannten "Umweltbonus" für Batterie-Elektroautos und Plugin-Hybride können man dabei noch weiter verstärken, müsse das aber nicht tun. Denn der funktioniere ohnedies "sehr gut", meinte der BMW-Chef.

BMW will eisern an CO2-Flottenzielen festhalten

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Bei einem weiteren Punkt bezog Zipse - anders als viele seiner Amtskollegen - ebenfalls klar Stellung: Eine etwaige Aufweichung oder ein Moratorium der EU-weiten CO2-Flottenziele kommt für BMW nicht in Frage: "Wir stehen fest zur Erfüllung der Klimaziele", bekräftigte Zipse. Der Konzern sei darauf gut vorbereitet, und diese Vorarbeit könne sich nun eben "entfalten".

Die CO2-Vorgaben für 2020 und 2021 werde der Konzern auch mit der Coronakrise erfüllen. Man könne allerdings darüber reden, etwa die für 2025 oder 2030 geplanten Verschärfungen zu verschieben. Aber: Für das laufende und das kommende Jahr "gibt es aus unserer Sicht überhaupt keinen Grund, die vereinbarten Gesetzgebungen zu verschieben".

Details zum Jobabbau nennt Zipse auch auf Nachfrage nicht

Bei Details zu den schlechteren Nachrichten geizten die beiden BMW-Topmanager Zipse und Peter allerdings. Zum geplanten Abbau von Mitarbeitern wollte sich Zipse jedenfalls nicht auf eine Zahl festlegen. Da gebe es "vielfältige Instrumente, die wir ausschöpfen können", erläuterte Zipse . Er nannte dabei etwa den Abbau von Zeitarbeiter-Stellen, das Auslaufenlassen befristeter Verträge, Zeitarbeitskonten oder verringerte Stundenzahlen.

Fest steht immerhin, dass die gesenkten Ziele mit einer Mitarbeiterzahl erreicht werden, die leicht unter dem Niveau des Vorjahres liegen werde. Ende 2019 hatte der Konzern nach alter Zählung knapp 134.000 Mitarbeiter, auf Basis einer neuen Definition rund 126.000. Bisher hatte sich Konzernchef Oliver Zipse noch vorgenommen, das laufende Jahr mit einer im wesentlichen gleichbleibenden Mitarbeiterzahl zu bestreiten. In Deutschland beschäftigt BMW 90.000 Mitarbeiter. Im April waren 31.000 von ihnen in Kurzarbeit.

Zugleich will BMW mehrere interne Projekte erstmal auf Eis legen oder auf den Prüfstand stellen. Die Inbetriebnahme eines geplanten Werks in Ungarn ist nun erstmal um "mindestens ein Jahr verschoben", präzisierte Zipse dann auf Nachfrage. Wann das Werk ursprünglich starten sollte, wollte er aber nicht verraten. Mehr gebe es "dazu nicht zu sagen", befand er. Und auch zu weiteren verschobenen Projekten machte Zipse keine weiteren Angaben.

Man wolle "nicht zu pessimistisch sein", erklärte Zipse seinen beständigen, aber harten Kurs. Zu euphorisch aber auch nicht - das hatte aber kaum jemand ernsthaft erwartet.