Dienstag, 2. Juni 2020

Sinkender Absatz BMW-Betriebsratschef schließt Kündigungen nicht aus

BMW-Betriebsratschef schließt Kündigungen nicht aus
REUTERS/Andreas Gebert
BMW-Betriebsratschef schließt Kündigungen nicht aus

BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch (64) schließt betriebsbedingte Kündigungen bei dem Autokonzern nicht mehr aus. Eine Betriebsvereinbarung garantiere zwar jedem Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz, "solange das Unternehmen keinen Verlust macht", sagte Schoch in einem Podcast des Betriebsrats für die Mitarbeiter. Das gelte heute und morgen, aber: "Wie es am Jahresende aussieht, das weiß heute noch keiner."

Die Lage sei ernst, der Absatz dürfte im laufenden Quartal drastisch sinken. Wenn es zu einem Stellenabbau bei BMW Börsen-Chart zeigen kommen würde, müsste dieser sozialverträglich laufen, betonte Schoch. Das werde der Betriebsrat mit dem Unternehmen auch vereinbaren.

BMW erwartet im laufenden Quartal einen Verlust, im Gesamtjahr jedoch einen Gewinn. Die Jahresprognose wurde zuletzt deutlich zurückgeschraubt. Der Vorsteuergewinn insgesamt soll demnach deutlich unter Vorjahresniveau liegen.

BMW-Chef Oliver Zipse (56) hat deshalb veranlasst, die Investitionen massiv zu kürzen und auch Arbeitsplätze abzubauen, indem freie Stellen nicht mehr nachbesetzt werden. Jedes Jahr verlassen etwa 5000 Mitarbeiter das Unternehmen, die Hälfte von ihnen geht in Rente. Derzeit beschäftigt BMW in Deutschland annähernd 90.000 Mitarbeiter. Solange das Jahresergebnis vor Steuern positiv ist, sind betriebsbedingte Kündigungen per Betriebsvereinbarung ausgeschlossen, wie eine BMW-Sprecherin am Montag erklärte. Diese Vereinbarung läuft bis Ende 2026.

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Zipse, der immer wieder für eine Kaufprämie wirbt, rechnet damit, dass die weltweite Corona-Krise längerfristige Verwerfungen im Automarkt über 2020 hinaus verursache, wie er zuletzt bei der Präsentation der Quartalszahlen deutlich machte. "Wir bereiten uns darauf vor, dass unser Geschäft noch lange beeinträchtigt sein wird", erklärte er.


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Im ersten Quartal war der Konzernumsatz trotz deutlich gesunkener Autoverkäufe überraschend um 3,5 Prozent auf 23,3 Milliarden Euro gestiegen, was an internen Verrechnungen lag. Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte ebenfalls wegen der Rückstellung vor einem Jahr bei 1,38 Milliarden Euro auf mehr als das Doppelte. Unter dem Strich blieb mit 574 Millionen Euro fast genauso viel Gewinn wie im schwachen Vorjahreszeitraum, hatte der Konzern Anfang Mai mitgeteilt.

dpa/akn

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