Start-up erhält BMW-Milliardenauftrag Northvolt wird zum Akkuzellen-Riesen für deutsche Autobauer

Das schwedische Start-up Northvolt soll seine Batteriezellen nicht nur für Volkswagen bauen, sondern auch für BMW. Die Bayern stellen ihren Batteriezellen-Einkauf damit ziemlich breit auf.
Alles sehr grün: So soll die derzeit im Bau befindliche Batteriezellen-Fabrik von Northvolt in Schweden einmal aussehen (Rendering)

Alles sehr grün: So soll die derzeit im Bau befindliche Batteriezellen-Fabrik von Northvolt in Schweden einmal aussehen (Rendering)

Foto: Northvolt

BMW  erweitert mit einem Großauftrag den Kreis seiner Lieferanten für Batteriezellen. Das schwedische Unternehmen Northvolt soll ab 2024 Zellen im Wert von zwei Milliarden Euro an den Münchener Autohersteller liefern, wie dieser am Donnerstag mitteilte.

Gefertigt werden die Batteriezellen in einer Fabrik im nordschwedischen Skellefteå, die derzeit im Aufbau ist. Der Strom dafür soll komplett regional aus Wasser- und Windkraft erzeugt werden. Zur Laufzeit des Vertrags sagte BMW nichts.

Northvolt wurde von zwei Tesla-Ingenieuren erst 2016 gegründet. Von Anfang an verfolgte Northvolt den Plan, Europas erste Großfabrik für Lithium-Ionen-Zellen hochzuziehen, die in Elektroauto-Akkus zum Einsatz kommen. Nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten ist Northvolt offenbar gut im Geschäft: Ende November 2019 hat CEO Peter Carlsson (49), Teslas ehemaliger Einkaufsmanager, die geplanten Produktionskapazitäten kräftig nach oben revidiert.

Dabei dürfte den Schweden auch die Bande zu Volkswagen helfen: Der Autoriese stieg 2019 bei Northvolt ein - mit einem 20-Prozent-Anteil an dem Start-up. Die Schweden sollen den Wolfsburgern nicht nur Zellen aus Skellefteå liefern, sondern sind auch Partner der Wolfsburger beim Aufbau einer Akkuzellenfertigung in Salzgitter.

BMW setzt auf drei große Zellenlieferanten

Ziel der Schweden ist es, zum wichtigsten Batteriepartner der deutschen Autoindustrie  zu werden. Der Großauftrag von BMW bringt Northvolt seinem Ziel näher. Für BMW ist der Auftrag allerdings auch ein Stück weit Risikostreuung. "Mit Northvolt haben wir einen dritten Batteriezell-Lieferanten gewonnen, neben unseren bisherigen Partnern CATL und Samsung SDI", sagte Einkaufsvorstand Andreas Wendt (62). "Der Vertragsabschluss ist ein weiterer Schritt, um unseren steigenden Bedarf an Batteriezellen langfristig abzusichern."

BMW baut die Batterien für seine Elektrofahrzeuge zwar selbst, die Zellen kaufen die Münchener allerdings zu. Die Lithium-Ionen-Zellen will BMW auch aus Deutschland beziehen: Chinas Batteriespezialist CATL baut aktuell in Erfurt ein Zellenwerk auf, BMW ist dort Erstkunde und will für 1,5 Milliarden Euro Zellen aus der thüringischen Fabrik beziehen.

Auch Daimler soll mit CATL über Lieferverträge im Gespräch sein. Doch auch die Schwaben setzen längst nicht nur auf einen Zellenlieferanten: Anfang Juli hat sich der Daimler-Konzern am chinesischen Zulieferer Farasis beteiligt und so eine strategische Partnerschaft besiegelt.

Farasis produziert bisher nur in China, will aber nach bisherigen Angaben bis Ende 2022 ein neues Batteriewerk in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt errichten. Dort sollen E-Auto-Batterien produziert werden und auch der Europa-Sitz sein. Dafür will der Hersteller rund 600 Millionen Euro investieren, mindestens 600 Arbeitsplätze sollen entstehen.

wed mit Material von dpa-afx
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