Boom von Elektroautos BMW eröffnet drittes Werk in China

Der Münchener Autobauer hat die Produktion in seinem dritten und größten Werk in China aufgenommen. Und das trotz der Diskussion um eine zu große Abhängigkeit von China.
Produktion angelaufen: In Shenyang hat BMW sein drittes chinesisches Werk eröffnet

Produktion angelaufen: In Shenyang hat BMW sein drittes chinesisches Werk eröffnet

Foto: Pan Yulong / dpa

Trotz der jüngsten Kontroversen um eine zu große Abhängigkeit von China hat der deutsche Automobilhersteller BMW ein drittes Montagewerk in China eröffnet. Die Produktion in dem neuen Werk hat offiziell begonnen, gab BMW am Donnerstag bekannt. Mit einer Investitionssumme von 15 Milliarden chinesischen Yuan, umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro, ist es das größte Projekt des Münchener Autobauers in China.

Das Werk Lydia in der nordöstlichen Stadt Shenyang in der Provinz Liaoning soll die Produktion von Elektrofahrzeugen beschleunigen. Die Jahresproduktion von BMW auf dem größten Automarkt der Welt soll von 700.000 Fahrzeugen im Jahr 2021 auf 830.000 Fahrzeuge steigen, so das Unternehmen.

"Das Werk Lydia ist digital geboren und vollständig auf E-Mobilität ausgerichtet" sagte Milan Nedeljković, Vorstand der BMW AG für Produktion. Die Flexibilität der Produktion auf die Anforderungen der Kunden zu reagieren, setze Maßstäbe im Wettbewerb, sagte der Manager. Die neue Produktionsstätte ist so konzipiert, dass sie mit ihren flexiblen Fertigungslinien batteriebetriebene Elektroautos entsprechend der Marktnachfrage produzieren kann, so BMW.

Das erste Modell, das in Lydia vom Band läuft, ist der i3, eine vollelektrische mittelgroße Sportlimousine. Die Produktion lief bereits im Mai an. Damit erhöht BMW die Palette seiner Elektroauto-Modelle für den chinesischen Markt auf 13.

BMW kämpft mit Absatzrückgang in China

Tesla und chinesische Autohersteller wie BYD dominieren den boomenden Markt für Elektroautos in China. Der Absatz der Konzerne hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Pioniere aus dem Zeitalter des Verbrennungsmotors, General Motors und Volkswagen, fallen derweil zurück. Volkswagen kämpft seit Jahren mit schwachen Absätzen seiner Elektromodelle in China . Nur gut 70.000 der neu eingeführten ID-Modelle setzte VW im gesamten Jahr 2021 ab, Tesla verkaufte allein im Dezember mehr.

Auch bei BMW ging der Absatz in China, dem größten Markt des Autobauers, zurück. Im ersten Quartal verkauften die Münchener 208.507 Fahrzeuge einem Unternehmensbericht zufolge rund 9 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Und das, obwohl der Elektroauto-Markt in China gewachsen ist. Fast ein Viertel der in den ersten fünf Monaten dieses Jahres verkauften Autos wurde mit Batterien betrieben, so die Daten der China Association of Automotive Manufactures.

Unterdrückung der Uiguren

Die Eröffnung des Werkes folgt nur kurze Zeit auf konkrete Medienberichte über die Unterdrückung der Volksgruppe der Uiguren in der Region Xinjiang, wo Rivale VW auch ein Werk betreibt. Das steigerte den Druck auf Volkswagen, die Fabrik zu schließen.

BMWs China-Chef Jochen Goller (51) bekräftigte im Rahmen der Eröffnung, an Geschäften in China festzuhalten. "Die Ausweitung unserer Produktionspräsenz in China zeigt, dass wir uns auf weiteres Wachstum auf dem weltweit größten Elektroauto-Markt vorbereiten und von den langfristigen Perspektiven Chinas überzeugt sind. Wir verstärken unser Engagement für Elektromobilität. Bis 2025 soll mehr als ein Viertel unseres Absatzes in China vollständig elektrisch sein. Mit der erweiterten Produktionsbasis von BMW in Shenyang sind wir nun vollständig darauf vorbereitet, die wachsende Marktnachfrage nach E-Mobilität in China zu bedienen."

dri/Reuters