Sonntag, 21. April 2019

Herausforderungen nach Gewinneinbruch wachsen BMW bereitet sich auf Chaos-Brexit vor

"Große Kraftanstrengungen in allen Bereichen des Unternehmens erforderlich": BMW-Chef Harald Krueger

Das abgelaufene Jahr kann BMW nicht zufriedenstellen. Nach einem Gewinneinbruch will der Autobauer sparen. Die Herausforderungen werden eher mehr als weniger - auch wegen der chaotischen politischen Entwicklung in Großbritannien, wo BMW stark engagiert ist. Man sei auf alle Szenarien vorbereitet, versichert der Konzern - eingedenk wochenlanger Fabrikschließungen.

Abflauende Konjunktur, chinesisch-amerikanischer Handelsstreit, Marktverwerfungen durch neue Abgas- und Verbrauchstests hierzulande - BMW kann sich über Herausforderungen nicht beklagen. Faktoren wie diese zerren an den Nerven, aber auch am Gewinn, der im vergangenen Jahr um rund ein Sechstel kleiner ausfiel. Fast im gleichen Ausmaß wird die Dividende sinken.

Die Herausforderungen bleiben, das zeigt bereits der Blick Richtung Großbritannien, wo BMW mit seinen Autofabriken immerhin für rund 15 Prozent der Autoproduktion auf der Insel steht. Hier laufen nicht nur der Mini und die Luxus-Karossen Rolls Royce vom Band, BMW produziert hier jährlich auch rund 375.000 Motoren.

Das politische Chaos um den Ausstieg Großbritanniens aus der EU läuft den Interessen der auf der Insel produzierenden Autobauer diametral entgegen. Der Einsatz von Menschen, Maschinen und Material will geplant sein. Erst recht, wenn im schlimmsten Fall die Zollschranken hochgehen, weil es doch noch zu einem Austritt Großbritanniens ohne Vertrag kommt.

Für diesen Fall hatte BMW kürzlich signalisiert, einen Teil der Produktion aus Großbritannien abzuziehen - gerichtet auch als klare Warnung an die Parlamentarier im britischen Unterhaus. Klar ist, Honda wird 2021 die Insel verlassen und damit 3500 Jobs verloren gehen. Honda steht für weitere 10 Prozent der Autoproduktion in Großbritannien. Zuvor hatte schon Nissan angekündigt, die nächste Generation seines SUV-Modells X-Trail für den europäischen Markt nicht mehr in Großbritannien, sondern in Japan zu bauen.

Das gestrige Votum der britischen Parlamentarier, den Brexit zu verschieben, macht die Sache nicht erträglicher für BMW und Co. Denn wenn die Abgeordneten in London am kommenden Mittwoch ein drittes Mal gegen den ausgehandelten Austrittsvertrag stimmen sollten, wird Premierministerin May erneut mit leeren Händen vor die EU treten müssen, wo die Staats- und Regierungschefs eben über diese Verlängerung entscheiden sollen.

Vermutlich werden sie den Briten drei oder sechs Monate mehr Zeit einräumen, weil kein EU-Staats- und Regierungschef mit seiner Gegenstimme, die allein schon für eine Ablehnung ausreichte, für einen ungeordneten Brexit verantwortlich gemacht werden wollte. Doch nach Ablauf dieser Frist ist alles möglich. Eben auch jener von der Wirtschaft gefürchtete Chaos-Brexit ohne Vertrag - etwa nach vorgezogenen Neuwahlen und dann einer erstarkten Mehrheit europafeindlicher Abgeordneter auf der Insel.

Brexit-Gezerre untergräbt Notfallpläne von Unternehmen

Für Unternehmen, die in Großbritannien produzieren und Planungssicherheit brauchen, ist die Ungewissheit dieses Prozesses pures Gift. So bleibt BMW und anderen Unternehmen nichts anderes übrig, als sich auch auf ein "Worst-Case-Szenario", also einen Austritt ohne Vertrag, vorbereitet zu sein. Dazu sehe man sich als "verantwortungsbewusster Arbeitgeber" verpflichtet, wie ein BMW-Sprecher dem englischsprachigen Dienst von Reuters gegenüber erklärte.

Pläne nicht nur von BMW sehen vor, dass die Autobauer im April ihre Fabriken zwischen einer Woche und einem vollen Monat schließen. Eine Verzögerung des Brexit allerdings führt solche Pläne ad absurdum. Denn die Stilllegung von Fabriken wird im Allgemeinen Monate im Voraus organisiert. So werden Urlaube von Mitarbeitern geplant oder Zulieferer angewiesen, ihr Volumen anzupassen. Auch vor diesem Hintergrund hatte sich BMW bereits Ende Februar gegen eine Verschiebung des Brexit ausgesprochen.

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