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Billigautos großer Autokonzerne: Auf diese Low-Cost-Autos muss VW neidisch sein

Foto: Renault

SUV für Indien Dieser Renault dürfte die VW-Strategen schocken

Ausgewogene Rundungen, üppige Kühleinlässe, und ein gerüttelt Maß an Bodenfreiheit: Auf den ersten Fotos lässt sich Renaults neues Modell Kwid kaum von einem handelsüblichen SUV westlicher Bauart unterscheiden. Allenfalls die in schwarzem Plastik ausgekleideten Radkästen stören den schicken Geländeoptik-Eindruck.

Gestern hat Renault das Modell in Indien präsentiert, noch im zweiten Halbjahr soll es bei den Händlern des Subkontinents stehen. Mit der Präsentation verband Renault gleich eine Kampfansage: Der Kwid soll den Franzosen helfen, ihren Marktanteil in Indien von zwei auf fünf Prozent zu steigern.

Optisch mag das nur 3,7 Meter lange Fahrzeug nicht weit von westlichen Pendants entfernt sein - beim Neuwagenpreis trennen den Kwid allerdings Welten: Denn der von den Franzosen als City-Mini bezeichnete Wagen wird in Indien zwischen 4000 bis 5500 Euro kosten. Dafür kann man in Europa gerade mal einen älteren Gebrauchtwagen kaufen.

Dass die Franzosen auch mit günstigen Autos gut verdienen können, zeigen sie seit Jahren mit ihrer Marke Dacia vor. Der Kwid-Kampfpreis liegt sogar noch unterhalb der Dacia-Modellpalette, und das supergünstige Kompakt-SUV dürfte den Volkswagen-Strategen ordentlich Kopfzerbrechen bereiten. Seit Jahren basteln die Wolfsburger an einem eigenen, besonders günstigen Fahrzeug für Schwellenländer. Doch das Projekt "Budget Car" steht unter keinem guten Stern.

Welchen Fehler Renault bewusst vermeidet

Zuerst sollte eine Kooperation mit Suzuki den erhofften Kosten-Erfolg bringen. Doch die Zusammenarbeit mit den Japanern floppte völlig. Seither werkt eine Truppe rund um den früheren Opel-Chef Hans Demant an dem Günstig-Volkswagen. Demant stellte bereits mehrere mögliche Modelle vor, den VW-Strategen waren sie jedoch zu teuer und zu unattraktiv für Märkte wie China. Nun erwägen die Wolfsburger eine Kooperation mit dem chinesischen Autohersteller Great Wall, wie manager magazin vor kurzem berichtete.

Zwar entwickelt VW extra für den indischen Markt eine günstige Kompaktlimousine und einen kleinen Geländewagen auf der vorhandenen Plattfrom des Polo und Vento, wie manager magazin online bereits im November erfuhr. Die beiden Indien-VWs dürften im kommenden Jahr auf den Markt kommen, zu Einstiegspreisen oberhalb von 6000 Euro. Für indische Verhältnisse ist das bereits Mittelklasse - die günstigsten Neuwagen werden auf dem Subkontinent für weniger als 4000 Euro angeboten.

Mit dem Kwid zielt Renault also exakt auf das Einstiegssegment und gibt sich alle Mühe, einen entscheidenden Fehler zu vermeiden. Erfolgreiche Billigautos müssen zwar preislich günstig sein - sie dürfen allerdings nicht allzu billig wirken. Deshalb hört die Branche den Begriff Billigauto auch nicht gerne und spricht lieber von Low-Cost- oder Budget-Modellen.

Bei Renaults Kwid wird offenbar auch reichlich Plastik verbaut, im Innenraum verwenden die indischen Renault-Designer jedoch auch etwa Klavierlack, der durchaus hochwertig aussieht. Der Tacho zeigt die Geschwindigkeit in digitalen Ziffern an, die Lüftungsdüsen sind chromeumrahmt, die Knöpfe der Klimaanlage haben kleine Metallringe. Gegen geringen Aufpreis gibt es sogar einen 7 Zoll großen Touchscreen samt Navi und Bluetooth-Schnittstelle.

Auch Tatas Nano bekommt eine zweite Chance

Das alles sind kleine Details, die künftigen Kunden das Gefühl geben sollen, in einem modernen Auto zu sitzen - und eben nicht in einem supergünstigen Einstiegsfahrzeug. Denn gerade in Indien sind Autokäufer durchaus statusbewusst, wie der Tata-Konzern mit seinem Billig-Kleinwagen Nano erfahren musste. Das Auto war zwar mit rund 2300 Euro Einstiegspreis sehr günstig, zum Markterfolg hat es trotzdem nicht gereicht.

Denn viele Inder finden den eigentümlich designten Nano schlicht hässlich und zu eng - und vor allem sozial inkompatibel. Wer in dem Subkontinent sozial aufsteigt, will schlicht nicht im Billigheimer Nano vorfahren, sondern in einem etwas prestigeträchtigeren Modell - auch wenn es ein teils nur wenige hundert Euro teureres Modell von Suzuki Maruti ist.

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Tata Nano: Der Minimalist

Foto: Tom Grünweg

Auch Tata denkt nun bei seinem Nano um: Gestern haben die Inder die zweite Generation ihres Nano vorgestellt, die nun Nano Gen X heißt. Der Nachfolger geht nun mit einem optionalen Automatikgetriebe an den Start, die Motoren sind kräftiger, der Kofferraum und Benzintank größer. Die Karosserie ist nun steifer, der Innenraum mit einer neuen Instrumententafel etwas hübscher, äußerlich hat Tata das Design mit ein paar zusätzlichen Knicken und einem neuen Kühlergrill deutlich nachgearbeitet.

Das alles macht das Auto etwas teurer, die billigste Version kostet nun umgerechnet 3200 Euro - und Tata wird das Auto künftig nicht mehr als Billigheimer, sondern als Einstiegsmodell bewerben.

Ist VW mit seinen Plänen zu spät dran?

Der Nano-Relaunch und Renaults Kwid-Vorstoß zeigen, dass das Segment der Billigautos gut besetzt und heftig umkämpft ist. Denn längst haben auch andere Autoriesen besonders günstige Modelle an den Start gebracht: Hyundai ist mit seinem Billig-Kleinwagen Eon in Indien ziemlich erfolgreich, Toyota setzt den Koreanern das Modell Etios Liva entgegen. Nissan hat seine Traditionsmarke Datsun als Billigauto wiederbelebt, sich in Indien aber wegen eines übel ausgefallenen Crashtests bisher kaum behaupten können.

Gegen den Platzhirsch Maruti Suzuki kommen die internationalen Autoriesen in Indien noch nicht an - doch immerhin haben sie in dem als schwierig geltenden Automarkt bereits richtig günstige Modelle am Start.

Volkswagen, der zweitgrößte Autohersteller der Welt, hat das bisher nicht geschafft. Denn mit richtig günstig tun sich die Wolfsburger offenbar nach wie vor schwer. Wenn Volkswagen in ein bis zwei Jahren sein Budget Car an den Start bringt, werden die Wolfsburger jedenfalls ziemlich spät dran sein. Immerhin bleibt ihnen ein kleiner Trost: Auch der US-Konkurrent General Motors tut sich mit Billigautos schwer. Die Amerikaner versuchen es mit einer Kooperation mit dem chinesischen Partner BAIC - und der eigenen Billigmarke Baojun. Deren Verkaufszahlen haben sich zuletzt vervierfacht - allerdings von einem ziemlich niedrigen Niveau.

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