Mögliche Reorganisation Opel setzt Ingenieure offenbar massiv unter Druck

Vorbei am Betriebsrat setzt die Opel-Mutter Stellantis Beschäftigte in Rüsselsheim offenbar massiv unter Druck - und legt ihnen die Kündigung nahe. Die Arbeitnehmervertreter gehen laut Berichten rechtlich dagegen vor.
Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim

Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim

Foto: Andreas Arnold/ dpa

Im europäischen Autokonzern Stellantis geht die Demontage der deutschen Tochter Opel offenbar weiter. Laut einer Mitarbeiter-Info des Betriebsrats sei Beschäftigten des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, wo viele Ingenieure beschäftigt sind, in Personalgesprächen gedroht worden, ihre Aufgaben aus Kostengründen nach Marokko zu verlagern. Sie sollten sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Zuvor hatten die Zeitungen der VRM-Gruppe und die "Wirtschaftswoche" berichtet. Das Unternehmen äußerte sich am Mittwoch zunächst nicht zu den Informationen.

"Es verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Stellantis-Reorganisation teilweise ... in Bereichen schon rechtswidrig ... umgesetzt werden soll"

Aus einer Mitarbeiter-Info des Opel-Betriebsrates

Die Mitarbeitervertretung sieht sich in ihren Mitbestimmungsrechten verletzt, zumal auch im Einkauf umfassende und nicht abgestimmte Präsentationen über eine neue Organisationsstruktur vorgestellt worden seien. "Es verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Stellantis-Reorganisation nicht nur bevorsteht, sondern teilweise in Bereichen schon rechtswidrig ohne vorherige Information, Beratung und Verhandlung mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden soll", heißt es in dem Info-Schreiben. Rechtliche Schritte seien eingeleitet.

Betriebsrat leitet rechtliche Schritte ein

In der vergangenen Woche waren Stellantis-Pläne bekannt geworden, die beiden Produktionswerke Rüsselsheim und Eisenach aus der Opel Automobile GmbH herauszulösen. Für den 29. Oktober hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt. Die drohende Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen, hatte Opel-Betriebsratschef Uwe Baum am vergangenen Freitag erklärt.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war 2017 von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Zu dieser Zeit arbeiteten rund 19.000 Menschen für Opel in Deutschland, im vergangenen Jahr waren es noch 13.000, bis Ende des Jahres sollen weitere 2100 gehen . Unter dem früheren PSA-Chef Carlos Tavares hat sich damit die Zahl der Opel-Beschäftigten fast halbiert.

PSA wiederum ist in diesem Jahr mit Fiat-Chrysler zum Stellantis-Konzern mit Sitz in Amsterdam fusioniert. Das Unternehmen ist der viertgrößte Autohersteller der Welt. Tavares, der die Tochter Opel noch als PSA-Chef in die Gewinnzone zurückführte, regiert nun ebenso Stellantis mit harter Hand. Allerdings hat die IG Metall für Beschäftigten von Opel einen Kündigungsschutz bis Juli 2025 vereinbart. Dieser könne nicht nach Belieben in Frage gestellt werden. , warnte die IG Metall bereits. "Wer das tut, spielt mit dem Feuer."

Das Management versucht nun offenbar, verbliebenen Beschäftigten den Job madig zu machen, damit sie einer Umsetzung oder auch einem Ausscheiden mit Abfindung zustimmen, wie die "Wirtschaftswoche"  schreibt.

rei/dpa-afx
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