Margret Hucko

Bernd Pischetsrieder an der Daimler-Spitze Die letzte Lösung

Margret Hucko
Ein Kommentar von Margret Hucko
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Mit Bernd Pischetsrieder holt Daimler einen alten Autoveteran an die Aufsichtsratsspitze - keinen Visionär für die anstehende Transformation. Die Wahl ist mutlos, aber auch alternativlos, weil Vorgänger Manfred Bischoff die Regelung seiner Nachfolge versäumte.
Car Guy: Bernd Pischetsrieder, im Bild von 2015 als Aufsichtsratschef der Munich Re

Car Guy: Bernd Pischetsrieder, im Bild von 2015 als Aufsichtsratschef der Munich Re

Foto: Sven Hoppe / dpa

Seit seinem Antritt als Daimler-Chef versucht sich  Ola Källenius (51) als grüner Visionär. Bis 2039 soll der Konzern klimaneutral sein. Bei allen Modellen gelte selbstverständlich "electric first". Doch während der Konzernchef an einer moderneren Zukunft baut, wirkte ein Teil seines Aufsichtsgremiums eher gestrig.

Der Mann, der dafür maßgeblich verantwortlich ist, ist Kontrollchef Manfred Bischoff (78). Schon qua seines Alters steht der langjährige Daimler-Manager für eine Epoche, die charakterisiert ist durch große Autos mit ebenso großen Verbrennungsmotoren. Für Aufbruch und Neuanfang steht er jedenfalls nicht. So schlug er frühzeitig seinen langjährigen Wegbegleiter und Ex-CEO Dieter Zetsche (67) als Nachfolger vor. Als dieser dann im September unter dem Druck von Investoren und Öffentlichkeit verkündete, für ihn gebe es kein schnelles Daimler-Comeback, atmeten viele erleichtert auf.

Bis auf Bischoff. Den brachte die Entscheidung in eine Bredouille. Sie führte offensichtlich zutage, was der Chefkontrolleur über Jahre versäumt hatte: das oberste Gremium im Konzern zu transformieren – nämlich so wie es für die Autoindustrie angemessen gewesen wäre: mit Digitalisierungs- und Mobilitätsexperten oder Spezialisten für neue Geschäftsmodelle. Auch Zetsches Absage traf ihn unvorbereitet.

Bei Diskussionen gab Daimlers Aufsichtsrat oft ein schwaches Bild ab. Nur wenige im Gremium seien in der Lage, an die Spitze zu wechseln, urteilen Beteiligte.

Siemens-Chef Joe Kaeser (63) hätten noch die meisten die Führung zugetraut. Doch der war insbesondere bei Arbeitnehmervertretern unbeliebt.

Und Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht (74), ebenfalls ein potenzieller Kandidat, soll schon lange angedeutet haben, sein Amt bald ruhen lassen zu wollen - was er jetzt auch tut.

Tim Höttges (58), ein guter Schritt in die richtige Richtung, würde als Telekom-Chef gegen den Corporate Governance Kodex verstoßen.

Am Ende stand Bischoff nur Bernd Pischetsrieder (72) zur Verfügung. Die letzte Lösung. Als ehemaliger VW- und BMW-Chef ein alter Autoveteran, sicherlich mit Verdiensten, aber in seiner Vergangenheit nicht durch Visionen aufgefallen.

Als Toyota große Erfolge mit seinem Hybridmodell Prius feierte, bezeichnete der damalige VW-Chef die Autos ökologisch als "eine einzige Katastrophe". Lieber setzte er auf den Diesel. Und bei der Elektromobilität trat er eher auf die Bremse, als vorwegzugehen ("Wir müssen in der Elektromobilität nicht Erster sein").

Dass nun ausgerechnet Pischetsrieder die Transformation bei Daimler vorantreiben soll, wirkt so hilflos wie mutlos. Aber auch alternativlos. Weil Bischoff es versäumt hat, seine Nachfolge geordnet zu regeln.