Batteriefabriken in Deutschland Hier sollen die Akkus für deutsche E-Autos entstehen

Noch werden die Zellen für Elektroauto-Batterien vielfach aus Asien importiert. Das soll sich in den kommenden Monaten ändern - in ganz Deutschland sind Batteriezellen-Werke in Bau. Wir stellen die wichtigsten Bauprojekte vor.
Kräne für die Zellen: Ein Blick auf die Baustelle von CATLs Zellenwerk in Erfurt (Oktober 2021)

Kräne für die Zellen: Ein Blick auf die Baustelle von CATLs Zellenwerk in Erfurt (Oktober 2021)

Foto: Martin Schutt / picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Aufgeplatzter Beton, wild wachsende Büsche, daneben ein üppig bewachsener Gleiskörper: Der alte Güterbahnhof in Arnstadt hat schon bessere Zeiten gesehen, wie ein Foto des Portals inthüringen.de von Ende Oktober  zeigt. Doch das dürfte sich in absehbarer Zeit ändern. Denn die Deutsche Bahn will den Bahnhof 15 Kilometer südlich von Erfurt zu neuem Leben erwecken: Arnstadt soll zum modernen Güterterminal ausgebaut, die Straßenanbindung des Terminals und das Umfeld verbessert werden.

Der Hauptgrund für die Wiederbelebung des heruntergekommenen Bahnhofs: Im gut drei Kilometer nördlich gelegenen Industriegebiet Erfurter Kreuz baut der chinesische Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology (CATL) ein Werk für Batteriezellen auf.

Zwar kämpft CATL in Erfurt mit der Suche nach geeigneten Mitarbeitern und dem Miteinander von chinesischen und deutschen Kollegen, wie CATL-Europachef Matthias Zentgraf Ende Juli einräumte.  Doch gebaut wird das Werk bereits – und es tut sich nicht nur etwas in Thüringen: In ganz Deutschland entstehen hoch spezialisierte Fabriken, in denen Batteriezellen gebaut werden sollen – auch dank milliardenschwerer Förderungen der EU und des Bundes. Es sind so viele Projekte in höchst unterschiedlichen Dimensionen, dass manche schon vor gewaltigen Überkapazitäten warnen. Wir stellen die wichtigsten deutschen Projekte im Überblick vor. Die wichtigsten Zahlen zeigt unsere Übersichtskarte, Details folgen im Text weiter unten.

CATL in Erfurt: BMW als Großkunde

Rund 1,8 Milliarden Euro investiert der chinesische Batterieriese CATL am Erfurter Kreuz in seine Zellenfabrik. Der Spatenstich für das Werk ist bereits erfolgt, es sollte eigentlich 2022 in Betrieb gehen. Der Anlauf dürfte sich aber auch wegen Corona noch etwas nach hinten verschieben. Mittelfristig sollen etwa 2000 Mitarbeiter in einem der weltgrößten Zellenwerke Lithium-Ionen-Zellen für Elektroauto-Akkus produzieren.

Einen Großkunden hat CATL bereits für sein Erfurter Werk: Der bayerische Autobauer BMW ist über sein chinesisches Joint Venture Brilliance an CATL beteiligt. Den bisherigen Planungen zufolge will BMW ein Drittel seines Akkubedarfs aus deutscher Produktion decken. Im Endausbau soll das CATL-Werk in Erfurt auf eine Batteriekapazität von jährlich bis zu 100 Gigawattstunden kommen. Das ist genug für 1,3 Millionen Elektroautos mit einem 75 kWh-Akku an Bord, wie ihn etwa BMWs neuer E-SUV iX in Basisausstattung bietet.

Tesla in Grünheide: Elon Musk will Vorab-Erlaubnis für Akkuproduktion

Sein Autowerk in Grünheide bei Berlin hat Tesla-Chef Elon Musk (50) vor Kurzem mit großem Pomp der Öffentlichkeit präsentiert. Zwar baut Tesla sein Werk nach wie vor großteils mit vorläufiger Baugenehmigung. Fix ist aber: Tesla baut in Grünheide neben der Autoproduktion auch eine Batteriezellenfertigung auf. Der Rohbau der Akkufabrik steht bereits, Musk drängt auf eine Voraberlaubnis.

Laut dem Tagesspiegel sollen in dem Batteriewerk allein 2000 Menschen arbeiten, Tesla will in die Zellenfertigung insgesamt etwa 5 Milliarden Euro investieren. Gut ein Fünftel der Summe soll aus einer staatlichen Förderung im Rahmen des zweiten Europäischen Batteriezellenprogramms stammen.

Längerfristig soll die Tesla-Batteriefabrik wie die Konkurrenz in Erfurt auf eine jährliche Gesamtkapazität von 100 Gigawattstunden kommen. Tesla-Chef Musk stellte sogar bis zu 250 Gigawattstunden in Aussicht. Ob das tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann, ist bei Ankündigungsweltmeister Musk ebenso unsicher wie das tatsächliche Startdatum der Tesla-Zellenproduktion. Laut bisherigen Planungen will Tesla bereits 2022 die ersten Batteriezellen in Grünheide fertigen.

Kaiserslautern: Dreierteam setzt auf deutsch-französische Kooperation

Auch am Opel-Standort im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern sollen Batteriezellen produziert werden: Für das Zellenwerk haben sich der Opel-Mutterkonzern Stellantis und der deutsche Autobauer Daimler mit dem zum französischen Energiekonzern Total gehörenden Batteriehersteller Saft zusammengetan. Ihr Jointventure Automotive Cells Company (ACC) soll eigene Zellen herstellen – und zwar sowohl in Kaiserslautern als auch im nordfranzösischen Dovrin. Das Bundeswirtschaftsministerium hat für den Bau des Zellenwerks in Kaiserslautern bereits 437 Millionen Euro Unterstützung zugesichert.

Das Werk in Douvrin soll bereits 2023 den Betrieb aufnehmen, ebenso offenbar das neu errichtete Werk in Kaiserslautern. Im Endausbau sollen in Kaiserslautern 2000 Mitarbeiter beschäftigt werden. Das rheinisch-pfälzische Werk startet mit einer Gesamtkapazität von zunächst 8 Gigawatt, im Endausbau soll die jährliche Gesamtkapazität bei 24 bis 32 Gigawattstunden liegen.

Göttingen und Salzgitter: Volkswagen setzt auf Partner Gotion

Im niedersächsischen Göttingen wird ein ehemaliges Bosch-Werk auf Batteriezellenproduktion umgepolt: VWs chinesischer Batteriezellenpartner Gotion hat das Werk im Juli gekauft. Laut bisherigen Meldungen will der Konzern dort eine Montage von Lithium-Ionen-Zellen aufbauen, es soll aber auch Gotions erstes Batterieproduktionszentrum in Europa entstehen. Zur geplanten Mitarbeiterzahl oder dem Investitionsvolumen gibt es bislang noch keine Angaben.

Volkswagen war im Mai 2020 als größter Aktionär bei Gotion eingestiegen, für rund eine Milliarde Euro. Gotion ist auch ein Partner für die geplante Batteriefabrik in Salzgitter, die Volkswagen ursprünglich gemeinsam mit dem schwedischen Batteriezellen-Start-up Northvolt hochziehen wollte - sich aber nun offenbar für einen Alleingang in Salzgitter entschieden hat. In Salzgitter sollen ab 2025 Zellen für Elektroautos im Volumensgement gebaut werden, ähnliches wäre auch in Göttingen denkbar. Laut bisherigen Berichten soll Gotion Produktionskapazitäten von 40 Gigawattstunden jährlich bereitstellen, Salzgitter soll im Endausbau ebenfalls auf bis zu 40 Gigawattstunden Kapazität kommen.

Kleinere Batteriefabriken: Farasis-Fabrik in Bitterfeld stockt

Im saarländischen Überherrn will Svolt, ein Ableger des chinesischen Autokonzerns Great Wall Motors, ab Ende 2023 Lithium-Ionen-Zellen produzieren. Seit Anfang 2021 wird die Modul- und Hochvoltspeicher-Fabrik gebaut, seit Oktober laufen Sanierung und Umbau des Bürogebäudes. Man befinde sich im Zeitplan, heißt es dazu von Svolt. Geplant sind bislang bis zu 2000 Arbeitsplätze, in der finalen Ausbaustufe sollte das Werk jährlich Zellen im Umfang von 24 Gigawattstunden produzieren. Als ersten Kunden hat Svolt vor einiger Zeit den Autobauer Stellantis präsentiert.

In Bitterfeld in Sachsen-Anhalt wollte Daimlers Batteriepartner Farasis eigentlich bereits ab April 2022 Lithium-Ionen-Zellen produzieren. Doch es läuft nicht rund. manager magazin berichtete vor einigen Monaten, dass die Daimler-Manager mit der Qualität der Farasis-Zellen unzufrieden  waren. Farasis-Europachef Sebastian Wolf wechselte im Herbst zum Volkswagen-Konzern. Der Bau des Werks in Bitterfeld hat bislang noch nicht begonnen. Bislang ist unklar, ob und in welcher Größe es errichtet wird.

Vergleichsweise bescheiden startet das Batteriezellwerk des US-Anbieters Microvast in brandenburgischen Ludwigsfelde: Der auf Akkuzellen für Nutzfahrzeuge spezialisierte Batteriechemie-Spezialist hat seine erste Zellen-Produktionsstraße bereits in Betrieb genommen. Zunächst stellt Microvast Zellen mit einer Maximalkapazität von 1,5 Gigawattstunden her, im Endausbau sollen nach derzeitigen Planungen 250 Beschäftigte Zellen mit bis zu 6 Gigawattstunden Gesamtkapazität fertigen.

Der deutsche Batteriehersteller Varta, bislang auf kleinere Zellen spezialisiert, will ebenfalls Batteriezellen für Elektroautos fertigen – im baden-württembergischen Ellwangen, und zwar ab 2024. Als ersten Kunden hat Varta vor einiger Zeit Porsche in Aussicht gestellt, mit 3 Gigawatt Gesamtkapazität fällt das geplante Produktionsvolumen allerdings vergleichsweise klein aus.

Im südlichen Bundesland gibt es ein weiteres, kleineres Zellenwerk: Der Schweizer Batteriehersteller Leclanché fertigt bereits in Willstätt Lithium-Ionen-Zellen mit derzeit 200 Megawattstunden Kapazität. Langfristig soll das Werk jedoch auf eine Gesamtkapazität von 2,5 Gigawattstunden hochgeschraubt werden.

wed
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