Dienstag, 28. Januar 2020

Elektroautos bedrohen Wertschöpfung in Deutschland Der brisante Milliardenpoker um die Batteriefabriken

Geplante Batteriemodul-Fabrik von Daimler in Kamenz (Sachsen)

6. Teil: Sollten Autobauer Batteriezellen selbst produzieren?

Diese Frage ist in der Industrie derzeit hochumstritten. Volkswagen-Chef Matthias Müller erteilte einem derartigen Engagement zuletzt eine klare Absage. "Das wäre ein Witz", sagte er mit Blick auf die hohen Investitionen. Denkbar sei hingegen, die Batteriemodul-Fertigung auszubauen. Mit einer Entscheidung wird noch im Herbst gerechnet.

Der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh fordert vehement eine eigene große Batteriefabrik. Sie soll wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze ersetzen, die bei der Umstellung auf saubere Autos wegfallen könnten. Die Fertigungsstätte müsse allerdings nicht unbedingt Zellen herstellen, ist Osterloh sich mit Müller offenbar einig.

Tatsächlich gelten Batteriezellen allein als wenig geeignet, einem Autobauer ein Alleinstellungsmerkmal am Markt zu verschaffen. Diese ähneln sich Fachleuten zufolge stark. Was sie im Auto leisten hängt stärker davon ab, wie sie zusammengeschaltet und verpackt werden.

Milliarden investieren oder Milliarden-Aufträge an Zulieferer?

Dennoch gibt es Gründe, die für ein Engagement sprechen. Ohne eigene Zellfertigung müssten große Autobauer wie VW riesige Mengen Zellen von außen hinzukaufen. "Es geht um potenzielle Aufträge im zweistelligen Milliardenbereich", sagt Roland-Berger-Experte Bernhart. "Derart gigantische Aufträge an Zulieferer wie sie bei Batterien für Millionen Elektroautos erforderlich wären, sind in der Industrie bisher unbekannt."

So etwas macht extrem abhängig von wenigen Zulieferern und ist deshalb riskant. Dabei könnten die größten Autohersteller mit eigenen Zellfabriken durchaus Kostenvorteile erzielen. Um diese tatsächlich zu erreichen, müssten sie laut Bernhart einen Marktanteil im Zellbereich von wenigstens 10 bis 15 Prozent anpeilen.

Auch die meisten anderen deutschen und nordamerikanischen Hersteller wirken bisher wenig ambitioniert, was eine eigene Batteriefertigung mit großem Anteil an der Wertschöpfungskette angeht. Lediglich Tesla ist mit der Gigafactory vorgeprescht. Technikchef JB Straubel beschrieb die Funktionsweise der Fabrik so: Auf der einen Seite fahren mit Rohstoffen beladene Eisenbahnwaggons hinein, auf der anderen Seite kommen fertige Batteriepakete raus. Ähnlich geht das chinesische Unternehmen BYD die Sache an.

Ganz allein wagt sich Tesla allerdings auch nicht an die eigene Fabrik: Spezialist und Partner Panasonic verantwortet die eigentliche Zellproduktion und investiert etwa 1,6 Milliarden Dollar, Tesla stellt das Gesamtprojekt und bringt etwa zwei Milliarden Dollar auf.

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