Sonntag, 19. Januar 2020

Elektroautos bedrohen Wertschöpfung in Deutschland Der brisante Milliardenpoker um die Batteriefabriken

Geplante Batteriemodul-Fabrik von Daimler in Kamenz (Sachsen)

5. Teil: Hat Europa als Batteriestandort noch eine Chance?

Im Prinzip ja, das zeigen schon die Investitionen von LG Chem und Samsung. Die Firmen stecken immerhin jeweils etwa 300 Millionen Euro in die Fertigungsstätten, und die Produktion lässt sich prinzipiell rasch ausbauen.

Dies könnte erforderlich sein, wenn die Produktion von E-Autos in Europa deutlich anzieht. Immerhin sind beispielsweise verbesserte Modelle des Renault Zoe und des BMW i3 auf den Markt gekommen, die in Europa hergestellt werden. Sie dürften der Nachfrage einen Schub verleihen und benötigen größere Batterien.

Wenn aber die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien in Europa eine kritische Marke überschreitet, ist es aus logistischen Gründen vermutlich sinnvoller, die Zellen dort zu bauen wo sie benötigt werden. Teureres Personal als in Asien schrecke Hersteller nicht unbedingt ab, sagt Unternehmensberater Wolfgang Bernhart von Roland Berger. "Gefragt sind qualifizierte Mitarbeiter, niedrige Energiekosten und gute logistische Voraussetzungen."

Die Rolle der Lohnkosten sei weniger signifikant, da die Produktion hochautomatisiert läuft. Somit hätte auch Deutschland als Batteriezell-Standort eine Zukunft. Bernhart: "Der Zug ist nicht abgefahren. Es wird in Europa Batteriezell-Fabriken geben. Die Frage ist, von wem."

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