Volkswagen investiert in Feststoffbatterie-Spezialisten VW steigt ins Rennen um Superakku der Zukunft ein

Batterieeinbau in einem Hybrid-Golf: Volkswagen investiert in den möglichen Nachfolger von Lithium-Ionen-Akkus

Batterieeinbau in einem Hybrid-Golf: Volkswagen investiert in den möglichen Nachfolger von Lithium-Ionen-Akkus

Foto: dpa
Fotostrecke

Elektroauto-Batterien: Diese sechs Zellenhersteller teilen sich den Weltmarkt

Foto: JAMES GLOVER/ REUTERS

Die Meldung klingt erstmal nicht rasend spektakulär: Volkswagen steigt bei einem Batterie-Entwickler ein und will in den nächsten Jahren eine erste kleine Fabrik für Feststoffbatterien bauen. Diese Akkus könnten in mehreren Jahren die Lithium-Ionen-Akkus als Energiespeicher in E-Autos ablösen. Volkswagen investiert 100 Millionen Dollar (86 Millionen Euro) in das US-Unternehmen QuantumScape, wie der Konzern mitteilte.

100 Millionen Dollar sind für einen Autoriesen eine eher kleine Investition - doch die Auswirkungen könnten für die Auto-Zukunft gewaltig sein. Denn es geht dabei um die nächste Generation von Elektroauto-Batterien, die sogenannten Feststoff-Akkus. Sie versprechen deutlich höhere Reichweiten, viel schnellere Ladezeiten, sicherer im Crash-Fall sind sie auch noch.

Bislang funktionieren sie allerdings nur im Labor. Denn noch lassen sie sich nur wenige Male wiederaufladen. In der Autobranche ist allerdings ein Wettlauf um den potenziellen Wunderakku entbrannt. Volkswagen  will da noch rechtzeitig sein Revier abstecken - wenn auch zunächst in vorsichtigen Schritten.

Eine Produktionsanlage, um im kleinen Maßstab mit der Fertigung zu beginnen, könnte in Salzgitter angesiedelt werden: "Wir bauen gerade eine Lithium-Ionen-Pilotfertigung in Salzgitter auf, und das ist sicher eine der Optionen, die wir uns anschauen", sagte VW-Chefstratege Thomas Sedran der Deutschen Presse-Agentur. Eine Entscheidung solle aber erst in ein bis zwei Jahren fallen.

Toyota hat 200 Ingenieure auf Feststoffzellen-Akkus angesetzt

Mit ihrem Einstieg bei QuantumScape sichern sich Volkswagen auch gegenüber dem Rivalen Toyota ab, der im großen Stil an Feststoffbatterien forscht. Mehr als 200 Toyota-Ingenieure arbeiten bereits an Feststoff-Akkus, die eine höhere Energiedichte und längere Lebensdauer als die bislang verwendeten Lithium-Ionen-Batterien besitzen sollen. Zudem lassen sich Feststoffbatterien, die ohne flüssige Elektrolyte auskommen, deutlich schneller laden als Lithium-Ionen-Speicher. Zudem müssen sie nicht gekühlt werden, was Kosten und Gewicht spart. Und bei Unfällen ist die Brandgefahr geringer.

Toyota  nimmt für sich in Anspruch, führend auf dem Gebiet zu sein. Kein Unternehmen habe mehr Patente auf die Feststoffbatterie-Technik als der japanische Autohersteller, erklärte Toyota-Vizepräsident Didier Leroy vor kurzem. Zudem prüft Toyota, gemeinsam mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic  Batterien für Elektroautos zu entwickeln. Zunächst geht es dabei nur um Projekte für die Entwicklung von besseren Lithium-Ionen-Akkus.

Doch sobald Toyotas Feststoff-Batterien marktreif sind, hätte der japanische Autoriese mit Panasonic einen erfahrenen Produktionspartner an der Hand. So setzt etwa auch der Elektroauto-Hersteller Tesla in seiner Gigafactory-Batteriefabrik auf eine umfassende Kooperation mit dem japanischen Elektronik-Konzern.

Alle steuern auf das magische Jahr 2025 zu

Fotostrecke

Batteriefabriken für Elektroautos: Um diese Wertschöpfungskette streitet Auto-Deutschland

Foto: Uli Deck/ dpa

Bei Volkswagens Kooperation mit QuantumScape geht es zunächst um kleine Schritte Richtung Feststoff-Batterie. QuantumScape besteht aus einer Gruppe von Wissenschaftlern, die seit Jahren an diesem Akku-Typ arbeiten. Volkswagen sichert sich mit dem Deal das erste Zugriffsrecht auf Entwicklungen und will diese dann in der neuen Fertigungsanlage bauen, die bis 2025 stehen soll.

Dort sollen die Batterien nicht nur zusammengesteckt, sondern es sollen auch Batteriezellen gefertigt werden - laut Sedran zu Beginn für etwa 10 000 Fahrzeuge im Jahr. Das deckt nur einen winzigen Teil der VW-Produktion ab: Bis 2025 soll ein Viertel der zuletzt mehr als zehn Millionen verkauften Fahrzeuge einen Elektroantrieb haben.

Ob eine große Serienfertigung für Batterien nach Deutschland kommt, ließ Sedran offen: "Die großen Wettbewerbsnachteile, die wir in Deutschland für die Zellfertigung haben, sind einmal die hohen Lohnkosten und die hohen Energiekosten, die zum Beispiel in Osteuropa deutlich geringer sind." Er machte klar, dass man Batterien in großem Stil fertigen müsse, damit es sich lohne: "Wenn man die Zellfertigung wirklich wettbewerbsfähig machen will, muss man natürlich mit den Stückzahlen in Bereiche von Elon Musks Gigafactory."

Selbst Hausgerätehersteller setzen auf Feststoffbatterie-Boom

Der von VW genannte Zeitpunkt für die Feststoffbatterie-Produktion ist nicht zufällig gewählt. Denn auch Toyota will seine neue Batteriegeneration in den frühen 2020er-Jahren für den Masseneinsatz fertig entwickeln und mit der Serienproduktion starten. Die Japaner werden damit aber nicht alleine sein: Auch Renault-Nissan bastelt an einem Feststoff-Wunderakku, der 2025 fit für den Masseneinsatz sein soll. Bereits 2023 will Henrik Fisker ein Elektroauto-Modell mit Feststoffbatterie auf den Markt bringen - und so einen neuen Anlauf nach dem Scheitern seines Hybrid-Sportwagens Fisker Karma wagen.

Auch der britische Hausgerätehersteller Dyson mischt im Rennen um die nächste Batteriegeneration mit: Dyson forscht ebenfalls an Feststoff-Akkus.

Bereits 2020 oder 2021 wollen die Briten ein erstes Elektroauto-Modell vorstellen, in dem in späterer Folge auch hauseigene Feststoff-Batterien eingesetzt werden sollen.

mit Material von dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.