Konzern erwartet schwierige Zeiten BASF-Chef in Moll, Dividende soll trotzdem steigen

BASF stimmt die Anleger auf schlechtere Zeiten ein. Besonders für einen Großkunden des Chemiekonzerns sieht Vorstandschef Martin Brudermüller schwarz. Die Aktionäre will der Konzern gleichwohl mit der Aussicht auf weiterhin steigende Dividenden bei der Stange halten.
"Die von uns erwartete Belebung ist nicht eingetreten": Martin Brudermüller:

"Die von uns erwartete Belebung ist nicht eingetreten": Martin Brudermüller:

Foto: Uwe Anspach/DPA

Der Chemiekonzern BASF stellt sich auf schwierige Zeiten ein. "Das wirtschaftliche Umfeld ist geprägt von hoher Unsicherheit, geringer Sichtweite und schlechter Vorhersehbarkeit", sagte Vorstandschef Martin Brudermüller am Donnerstag. Besonders für den Automobilsektor, die wichtigste Kundengruppe der Ludwigshafener, sieht der Manager schwarz.

Große Schwächen offenbarten sich im zweiten Quartal im Geschäft mit Basischemikalien. Einen weiteren Stellenabbau über die bereits verkündeten 6000 Jobs hinaus schloss Brudermüller trotz der trüben Aussichten erst einmal aus.

Bei Anlegern herrschte Verunsicherung - die Aktien waren mit minus 2 Prozent einer der schwächsten Werte im Dax .

"Die weltweiten Risiken haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen", sagte Brudermüller, der den Chefposten bei BASF vor gut einem Jahr übernommen hat und das Unternehmen nun umkrempelt. Kunden in sämtlichen Industriebranchen seien mit Bestellungen zurückhaltender geworden. "Die von uns erwartete Belebung ist nicht eingetreten."

Frühestens im nächsten Jahr sei mit einer Lösung im Handelskonflikt zwischen den USA und China zu rechnen, der vor allem die chinesische Automobilbranche in Mitleidenschaft zieht. BASF geht davon aus, dass die weltweite Industrie- und Chemieproduktion in diesem Jahr nur um rund 1,5 Prozent wächst. Bisher war der konjunkturabhängige Konzern von fast doppelt so starken Zuwächsen ausgegangen.

1100 BASF-Mitarbeiter in Ludwighafen haben Abfindung angenommen

Für den Rückgang des bereinigten operativen Gewinns (Ebit) im zweiten Quartal um fast die Hälfte auf 1,05 Milliarden Euro waren vor allem Einbußen im Geschäft mit Basischemikalien verantwortlich. Dort seien die Margen gefallen, außerdem sei die Nachfrage zurückgegangen, erläuterte Brudermüller. Bereits vor ein paar Wochen hatte er die Konzernprognosen für dieses Jahr zurückgenommen. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) werde nun um bis zu 30 Prozent fallen statt um ein bis zehn Prozent zu zulegen.

BASF will Stellen abbauen: Am Stammsitz in Ludwigshafen haben bereits 1100 Mitarbeiter ein Abfindungsangebot angenommen

BASF will Stellen abbauen: Am Stammsitz in Ludwigshafen haben bereits 1100 Mitarbeiter ein Abfindungsangebot angenommen

Foto: Christian Hartmann/ REUTERS

Um Kosten zu sparen und fitter zu werden für die Zukunft, streicht BASF in den kommenden zwei Jahren weltweit 6000 Stellen, die Hälfte davon in Deutschland. Im ersten Halbjahr hätten bereits über 1100 Mitarbeiter am Stammsitz Ludwigshafen Abfindungsangebote angenommen, erläuterte Brudermüller. Einen darüber hinausgehenden Jobabbau sieht er erst einmal nicht. "Können wir noch viel mehr machen als geplant? Ich glaube nein. Wir können da nichts mehr drauflegen." Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden. Ende Juni zählte BASF weltweit knapp 119.000 Mitarbeiter.

Anleger dürfen gleichwohl auf höhere Dividende hoffen

Die Aktionäre will der 58-Jährige trotz der angepassten Geschäftsprognosen mit der Aussicht auf weiterhin steigende Dividenden bei der Stange halten und bekräftigte: "Wir wollen unsere Dividende pro Aktie jedes Jahr erhöhen." Für 2018 hatte BASF 3,20 Euro bezahlt, für 2017 waren es 3,10 Euro.

Die Chemiebranche gilt als wichtiger Konjunkturindikator, da ihre Produkte praktisch in allen großen Industriezweigen benötigt werden. Der Branchenverband VCI senkte wegen der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten seine Prognose für 2019 und rechnet mit einem Produktionsrückgang von vier Prozent. Viele Forschungsinstitute haben zudem ihre Schätzungen für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt.

rei/Reuters