Montag, 23. September 2019

Nach TRW-Übernahme Autozulieferer ZF will weiter zukaufen

Auf Einkaufstour: ZF Friedrichshafen will seine Getriebe mit weiteren, kleineren Zukäufen ölen

Gerade erst hat ZF Friedrichshafen den US-Konkurrenten TRW gekauft und steigt damit zum drittgrößten Autozulieferer auf. ZF-Chef Stefan Sommer ist das noch nicht genug. Er kann sich weitere kleinere Akquisitionen vorstellen - und nennt dafür auch zwei Sparten.

Hamburg - Für das Stiftungsunternehmen ZF Friedrichshafen ist es die größte Übernahme der Firmengeschichte: Für 9,6 Milliarden Euro übernimmt der Getriebespezialist den beinahe gleich großen US-Konkurrenten TRW. Groß und mächtig müsse sein Unternehmen sein, begründete ZF-Boss Stefan Sommer am Montag den Deal. Mit dem Zukauf steigert ZF seinen Gesamtumsatz auf knapp 30 Milliarden Euro und wird auf einen Schlag zum weltweit drittgrößten Automobilzulieferer nach Continental und Bosch.

Doch Sommer ist das noch nicht groß genug. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, sieht ZF den Bedarf für weitere Akquisitionen. Zwar sei eine weitere Übernahme in der Größenordnung des TRW-Deals unwahrscheinlich, erklärte Sommer gestern vor Journalisten in ZFs US-Hauptquartier in Northville, Michigan. Doch ZF überlege weitere Übernahmen für seinen Industriebereich und das Geschäft mit Lkw-Getrieben.

Autohersteller, meinten Sommer und TRW-Chef John Plant bei der US-Pressekonferenz, setzen auf globale Plattformen. Sie suchen Zulieferer, die ihnen passende Technologie liefern, wo immer sie gerade benötigt wird. Die Erfolgsaussichten bei aktiven Assistenzsystemen, selbstfahrenden Autos und mit der Umwelt drahtlos kommunizierenden Autos erhöhen jedoch auch den Druck auf die Zulieferer. Sie müssen künftig hoch entwickelte Komponenten liefern.

Die Ingenieursaufwand, um die Technologie für selbstfahrende und mit der Umwelt kommunizierende Fahrzeuge zu entwickeln, sei "eine große Last", sagte Plant. Nur wenige Unternehmen konnten es sich bisher finanziell leisten und werden das auch in Zukunft schaffen. "Es ist nicht der durchschnittliche Mittelständler, der sich dieser Herausforderung stellen kann", erklärte Plant.

Arbeitnehmervertreter befürworten TRW-Übernahme

ZF war dort schwach, wo TRW stark war, gab Sommer zu - und zwar bei aktiven Sicherheitssystemen, die Fahrern Unfälle vermeiden helfen. Zusammen hätten beide Unternehmen die Größe, Produkte und die Technologie, um die wachsende Nachfrage nach Komponenten für Sicherheitstechnologien und spritsparenden Antrieben zu stillen, erklärte Sommer.

Durch den Zukauf kann ZF nun seine Getriebe mit TRWs Elektronikbauteilen kombinieren und Autoherstellern so umfassende Komponenten-Pakete anbieten.

Die Arbeitnehmervertretung von ZF Friedrichshafen steht hinter der Übernahme. Sie biete viele Chancen, hieß es von Seiten der IG Metall und dem ZF-Gesamtbetriebsrat. Die möglichen Risiken seien ausgiebig untersucht worden und konnten "zum großen Teil ausgeschlossen oder abgemildert werden", teilten die Arbeitnehmervertreter gestern mit.

Größte Herausforderung und zugleich Erfolgsfaktor bei der Übernahme sei eine gelungene Integration zwischen dem börsennotierten US-Unternehmen und dem Stiftungsbetrieb am Bodensee. Doch die Hälfte der TRW-Belegschaft sitze bereits mitten in Europa und Deutschland - und lasse sich vergleichsweise schnell in die ZF-Kultur integrieren.

TRW-Betriebsräte wünschen sich offenen Dialog

Der Betriebsrat des Koblenzer TRW-Standortes bewertete die Übernahme durch ZF Friedrichshafen zunächst positiv. "Wir als Arbeitnehmervertreter sehen das als eine Chance für die Zukunft der Arbeitsplätze - auch in Koblenz", sagte der Vorsitzender des TRW-Betriebsrates in Koblenz, Erdal Tahta, vorgestern dem SWR. Grundsätzlich ergänzten sich TRW und ZF Friedrichshafen gut, es gebe kaum Produktüberschneidungen.

Allerdings erklärte er gestern auch, dass die Übernahme durch ZF nicht zulasten der TRW-Standorte und der Beschäftigten gehen dürfe. Tahta forderte "Klarheit, was mit den einzelnen Standorten und den Beschäftigten in Europa und Deutschland in der Zukunft geplant ist". Wünschenswert sei ein offener Dialog mit allen Arbeitnehmervertretern bei TRW und ZF, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Koblenz, Ali Yener: "Für einige Wenige mag es sich derzeit um die berauschende Nachricht des großen Deals handeln, aber die Beschäftigten sind gerade dadurch verunsichert."

Beste Autothemen auf Twitter
Folgen Sie Wilfried Eckl-Dorna auf Twitter

mit Material von dpa

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung