Dienstag, 16. Juli 2019

Mittelständischen Autozulieferern droht Konsolidierungswelle "Die kleineren Zulieferer müssen einen Spagat schaffen"

Leoni-Mitarbeiter an einem Glasfaserkabel: Der Autozulieferer streicht Stellen - und dürfte damit nicht allein bleiben

Große Autohersteller wie Volkswagen Börsen-Chart zeigen schwenken auf Elektroantrieb um. Das Tempo und die drohende jahrelange Doppelgleisigkeit dürfte viele mittelständische Zulieferer in Deutschland überfordern, warnt der M&A-Experte Christian Saxenhammer. Er sieht eine Konsolidierungswelle auf den Mittelstand zurollen - und ortet bei kleineren Zulieferern Defizite im kaufmännischen Bereich.

manager-magazin.de: Herr Saxenhammer, vor kurzem hat der Autozulieferer Leoni seinen Ausblick gesenkt und ein kräftiges Sparprogramm samt Jobabbau angekündigt. Mahle will ebenfalls sparen - dabei lief es für die deutschen Autozulieferer bis vor kurzem doch scheinbar ausgezeichnet. Was hat sich verändert?

Christian Saxenhammer
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    Christian Saxenhammer, 46, ist Managing Director der Berliner M&A-Boutique Saxenhammer & Co. Der einstige Roland-Berger-Berater und Investmentbanker hat mehr als 200 M&A-Transaktionen begleitet, darunter auch mehrere Dutzend Übernahmen im Automotive-Bereich.

Christian Saxenhammer: Zum einen ist dafür die abkühlende Weltkonjunktur verantwortlich, die ja durch China getrieben wird. Die Autobranche hängt ja mittlerweile zum großen Teil an China. Für das Land ist die Handelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump verheerend. Das sieht man auch daran, dass in China der Autoabsatz um 20 Prozent zurückgegangen ist, und das hat Auswirkungen für die gesamte Branche. Zum anderen gab es in Deutschland ein Sonderthema mit dem neuen Zulassungsverfahren WLTP. Das führte zu Rückgängen, weil gewisse Motoren nicht zugelassen und verkauft werden konnten.

Was hat das bei den Automobilfirmen und Zulieferern ausgelöst?

Viele Unternehmen haben realisiert, dass die Zukunftsaussichten eher verhalten sind. Das hängt auch mit den Technologieänderungen in der Branche zusammen. Nun versuchen die Unternehmen den Speck abzuschneiden und machen sich mit Kostensenkungen auf stürmische Zeiten gefasst. Das sieht man auch bei den großen Herstellern. Bei Volkswagen etwa gibt es keine akute Not, die Zahlen sind immer noch gut. Trotzdem sieht man dort an den Sparprogrammen, dass sich der Konzern auf stürmischere Zeiten einstellt.

Bekommen Zulieferer einen Abschwung deutlich schneller zu spüren als etwa die Autohersteller?

Nein, das läuft eher synchron. Es fängt ja meist damit an, dass die Hersteller in ihrer üblichen Drei-Monats-Vorschau für die Zulieferer die Bestellungen reduzieren. Dadurch schlägt das schnell auf die ganze Kette durch. Da müssen die Zulieferer dann reagieren. Auch bei den großen Autoherstellern ist die Welt ja aktuell nicht mehr in Ordnung, die haben bis auf Porsche alle Gewinnwarnungen herausgegeben.

Trotzdem haben Autohersteller vergleichsweise moderate Stellenabbauprogramme angekündigt, während bei Zulieferern gemessen an der Beschäftigtenzahl deutlich mehr Leute gehen müssen. Warum?

Das liegt daran, dass Autohersteller wie Tanker sind. Die Notwendigkeit wird erkannt. Doch bis da die Mühlen samt Abstimmung mit dem Betriebsrat anlaufen, dauert es oft Monate. Im Mittelstand ist das anders. Wenn ein kleineres Unternehmen merkt, dass die Bestellungen zurückgehen, warten die vielleicht noch ein, zwei Monate. Dann überlegen sie sich aber, wie sie schnell gegensteuern. Die großen Autobauer sind da deutlich träger.

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