Dienstag, 10. Dezember 2019

Krise der deutschen Autoindustrie Schaeffler, Bosch, Conti, Aumann - deutsche Autozulieferer in Not

Zylinderrollenlager von Schaeffler: Nicht nur Schaeffler leidet unter dem Umbruch in der Autoindustrie. Auch Bosch, Leoni, Conti, Aumann, Infineon und BASF stellen sich auf schwierige Zeiten ein
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Zylinderrollenlager von Schaeffler: Nicht nur Schaeffler leidet unter dem Umbruch in der Autoindustrie. Auch Bosch, Leoni, Conti, Aumann, Infineon und BASF stellen sich auf schwierige Zeiten ein

Handelskrieg, schwache Nachfrage, Abschied vom Verbrennungsmotor: Die deutsche Autoindustrie steckt in der schwierigsten Phase seit mehr als zehn Jahren. Während Gewinne und Umsätze zurückgehen, erfordert die Umstellung auf Elektromobilität Milliardeninvestitionen. Der Umbruch in Deutschlands Schlüsselindustrie macht sich nicht nur in den Bilanzen der Autohersteller Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Vz. Börsen-Chart zeigen bemerkbar, die Sparprogramme auflegen und Stellen abbauen. Auch die Autozulieferer-Industrie, mit zahlreichen mittelständischen Firmen einer der wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland, gerät immer stärker unter Druck.

Der Boom der deutschen Autoindustrie mit jahrelang steigenden Absatzzahlen und Gewinnsteigerungen ist vorbei: Die Industrie muss sich auf eine längere und schwierige Zeit des Umbruchs einstellen. Die jüngsten Nachrichten von Schaeffler Börsen-Chart zeigen, Bosch und Aumann unterstreichen, wie gefährlich die Situation für die Zulieferer derzeit ist.

Schaeffler-Gewinn bricht ein

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres unter der mauen Autokonjunktur gelitten. Der Überschuss brach um die Hälfte auf 136 Millionen Euro ein, wie der SDax-Konzern am Dienstag bei der Vorlage seiner endgültigen Zahlen im fränkischen Herzogenaurach mitteilte.

Bereits Ende Juli hatte Schaeffler seine Gewinn- und Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt und sich pessimistischer gezeigt. Die neuen Prognosen wurden nun bestätigt. Der Auto- und Industriezulieferer bekommt die Flaute in der Autoindustrie immer stärker zu spüren, da er mit Autobauern den Hauptteil seines Geschäfts macht. Die Franken verzeichneten im abgelaufenen zweiten Quartal nach endgültigen Zahlen einen Umsatzrückgang von einem Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.

Bosch kündigt deutlichen Job-Abbau an

Auch der weltgrößte Zulieferer Bosch sieht sich in einer schwierigen Situation. "Der Rückenwind ist weg", sagte Vorstandschef Volkmar Denner der "Süddeutschen Zeitung". Der Umsatz von Bosch werde in diesem Jahr nur auf Vorjahresniveau liegen und das Unternehmen das hohe Renditeniveau des Vorjahres nicht halten können. Zudem sei nun ein deutlicher Job-Abbau geplant, vor allem an den Diesel-Standorten. "Natürlich müssen wir auf die zurückgehende Nachfrage reagieren", sagte Denner der Zeitung. Der Umfang stehe noch nicht fest. "Wir tun aber alles, um das sozialverträglich umzusetzen", fügte er hinzu. "Da gibt es viele Möglichkeiten: Zeitkonten, Abfindungsprogramme, Vorruhestandsregelungen, Reduzierung der Zahl der temporär Beschäftigten."

Bosch beschäftigt derzeit weltweit 410.000 Menschen. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2018 nach Unternehmensangaben 78,5 Milliarden Euro. Der Automarkt entwickle sich sehr schwach, "deutlich schwächer, als wir alle noch vor einem Jahr gedacht haben", sagte Denner. Es handele sich nicht um eine kurzfristige Delle, die schnell wieder aufgeholt werden könne. "Wir gehen in unserer Planung davon aus, dass die Automobilproduktion in den kommenden Jahren stagnieren wird, anders als in der Vergangenheit, als es fast immer aufwärts ging", sagte der Bosch-Chef.

Continental warnt vor niedrigeren Gewinnen

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental sah sich ob der schwächelnden Autoindustrie Ende Juli gezwungen, seine Prognosen für Umsatz und Gewinnmargen zu revidieren. Einen Stellenabbau kündigte Konzern zu diesem Zeitpunkt nicht an. "Für das zweite Halbjahr sind wir nun weniger optimistisch als zuvor", hatte Finanzchef Wolfgang Schäfer erklärte. "Grund dafür ist der fortlaufende Abwärtstrend der Automobilproduktion in Europa, Nordamerika und insbesondere in China." Auch die ungelösten Handelskonflikte trügen zu wirtschaftlicher Unsicherheit bei.

Continental Börsen-Chart zeigen hat im abgelaufenen zweiten Quartal wegen der Branchenschwäche kräftig Federn lassen müssen. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ab, wie der Dax-Konzern am Mittwoch in Hannover mitteilte. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds", stellte Finanzchef Wolfgang Schäfer klar. Im Juli hatte das Unternehmen seinen Jahresausblick bei Umsatz und Gewinnmarge kappen müssen, weil die weltweite Autoproduktion deutlich schwächer ausfällt als zunächst prognostiziert.

In dem Geschäft mit Antriebskomponenten verspürt Conti derzeit eine geringere Nachfrage nach Technik für den Verbrennungsmotor und fährt daher in der Sparte seine Investitionen unter anderem in Benzin- und Dieseleinspritzung zurück. Neue Aufträge hierfür würden künftig eine geringere Rolle bei dem Unternehmensteil spielen, der kommendes Jahr an die Börse gebracht werden soll. Auf dem Prüfstand steht zudem auch das Geschäft mit der Abgasnachbehandlung. Hier herrsche intensiver Preisdruck.

Auch Autozulieferer Aumann mit Problemen

Auch der Maschinenbauer Aumann musste bereits Anfang Juli seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich senken. Der SDax-Konzern leidet unter dem rückläufigen Fahrzeugabsatz und der Verunsicherung in der Autoindustrie. Die Aktie ist eingebrochen.

Beim Umsatz rechnet Aumann jetzt nur noch mit 240 bis 260 Millionen Euro, wie das Unternehmen im nordrhein-westfälischen Beelen mitteilte. Bislang hatte das Unternehmen vor, auf die 290,8 Millionen Euro des Vorjahres noch eine Schippe draufzulegen. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) musste der Maschinenbauer zur großen Ernüchterung der Investoren zurückrudern. Es soll bestenfalls bei 22 Millionen Euro liegen. "Abhängig von der weiteren Marktentwicklung" könnten es aber auch nur 16 Millionen Euro werden. Ursprünglich hatten die Beelener angepeilt, die 2018 erwirtschafteten 29,3 Millionen Euro zu übertreffen.

Die Investitionszurückhaltung und Kostendisziplin bei Herstellern und Zulieferern hätte sich im bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres 2019 negativ bemerkbar gemacht, hieß es. Wiederholte Verschiebungen von Auftragsvergaben mit signifikantem Volumen hätten zu einem enttäuschenden Auftragseingang von 85 Millionen Euro im ersten Halbjahr geführt. Aumann geht davon aus, dass die negativen Einflussfaktoren auch über das laufende Geschäftsjahr hinaus fortbestehen werden. Aumann fertigt unter anderem Maschinen und automatisierte Produktionslinien unter anderem für die Autoindustrie sowie Produkte für die Herstellung von Elektromotoren.

mit Nachrichtenagenturen

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