Automarkt in China wächst langsamer BMW warnt vor dem Ende der China-Party

Die fetten Jahre neigen sich dem Ende zu: BMW rechnet in China mit einer "Normalisierung" und hält die Marktveränderungen für die "nächste große Herausforderung"

Die fetten Jahre neigen sich dem Ende zu: BMW rechnet in China mit einer "Normalisierung" und hält die Marktveränderungen für die "nächste große Herausforderung"

Foto: AFP

Steht der Autobranche ein kräftiger Gewinn-Dämpfer in China bevor? Als erster großer deutscher Autohersteller warnt BMW offen davor, dass die Absatzzuwächse im Reich der Mitte deutlich schwächer werden.

BMW-Chef Norbert Reithofer verpackte seine Warnung in verdächtig schlichte Worte: "China war 2014 unser größter Einzelmarkt", sagte Reithofer vor wenigen Tagen bei der jährlichen Pressekonferenz. "Wir haben jedoch immer schon gesagt: Der chinesische Markt wird sich weiter normalisieren."

Normalisierung, das klingt nach Normalgeschäft. Tatsächlich erklärte Reithofer damit als erster deutscher Auto-Konzernlenker klipp und klar, dass er mit einem baldigen Ende des großen China-Booms rechnet.

Diese Umstellung ist alles andere als harmlos für die deutsche Autobranche. Denn nicht nur für BMW  , auch für Daimler  und Volkswagen  war das China-Geschäft in den vergangenen Jahren der größte Gewinnbringer. Die einstigen Hoffnungsmärkte Russland, Brasilien und Indien haben in den vergangenen Monaten enttäuscht, nur im Reich der Mitte ging es weiter kräftig aufwärts.

China-Veränderungen als "große Herausforderung" für BMW

Sollten nun die Wachstumsraten in China deutlich sinken, bekommt die deutsche Autobranche ein großes Problem. BMW-Chef Reithofer, der Mitte Mai sein Amt an seinen Nachfolger Harald Krüger übergibt, rechnet offenbar mit gröberen Veränderungen, berichtet die Fachzeitschrift Automotive News Europe .

Im vergangenen Jahr verkaufte BMW in China zwar um 17 Prozent mehr Autos als 2013, doch in diesem Jahr dürfte der Zuwachs nur mehr im einstelligen Prozentbereich liegen. Zuletzt habe sich das Wachstum deutlich verlangsamt, auch die Margen seien nicht mehr so hoch wie noch vor drei bis vier Jahren. Die Marktveränderungen in China seien "die nächste große Herausforderung" für BMW, erklärte Reithofer laut dem Bericht.

Druck von zwei Seiten: Von den Kunden - und vom Staat

Nicht nur auf BMW, auch auf die Konkurrenten kommen einige Veränderungen zu. Die Größenordnung der Veränderungen und die Konsequenzen der geringeren Gewinne pro Auto in China werde in der Branche "noch nicnht entsprechend gewürdigt", warnt ein Analyst laut einem Bericht  der US-Wirtschaftszeitschrift Forbes. Bisher ließen sich deutsche Autos in China problemlos zum vollen Preis verkaufen. Doch schwäche der Nachfrage-Boom ab, Konsumenten werden wählerischer - und fordern Rabatte ein. Das werde das Geschäft aller Autohersteller in China erschweren, heißt es bei Forbes.

Anders als Reithofer scheut sich Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn davor, in seinen Reden vor großem öffentlichem Publikum China-Probleme auch nur anzudeuten. Im Gegenteil, Winterkorn gibt weiterhin ehrgeizige Ziele vor. Bis 2019 soll Europas größter Autohersteller in der Volksrepublik fünf Millionen Autos pro Jahr verkaufen, hieß es unlängst bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2014. Das wären um ein Drittel mehr Fahrzeuge als noch im Vorjahr.

Härtere Gangart gegen ausländische Autohersteller

Allerdings bekommt Volkswagen seit einigen Monaten Gegenwind von ungewohnter Seite: der chinesischen Regierung. Mitte März wurde der Volkswagen-Konzern einer Konsumentenschutz-Sendung eines staatlichen Fernsehsenders scharf angegriffen - neben Daimler und ein paar weiteren ausländischen Autoherstellern, Grund waren überteuerte Reparaturen in VW-Vertragswerkstätten. Ein paar Tage setzte es weitere Vorwürfe gegen Volkswagen in einer TV-Sendung.

Zudem hat die chinesische Führung in den vergangenen Monaten eine härtere Gangart bei Korruptions- und Kartellvergehen an den Tag gelegt - die wohl nicht ganz zufällig auch viele ausländische Autohersteller traf. BMW und Audi zahlten Strafen wegen Preisabsprachen, gegen zahlreiche ausländische Autohersteller laufen Ermittlungen wegen Kartellvergehen, und zuletzt wurde der Chef des Volkswagen-Jointventurepartners FAW wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen.

Die Einschläge gegen kommen näher. Bisher tun die Autohersteller alles, um ihr Geschäft nicht zu gefährden - und hoffen darauf, dass die chinesische Führung sie bald wieder in Ruhe viele Autos verkaufen lässt. Doch einfacher machen die Ermittlungen und Befragungen das Auto-Geschäft gerade nicht.