Donnerstag, 2. April 2020

Heftige Diskussionen nach Autopilot-Unfall Warum Teslas Technik-Story Risse bekommt

US-Elektroauto-Pionier: 6 Schicksalsmonate für Tesla
DPA

Etwas ist ungewöhnlich an den jüngsten Vorfällen rund um Tesla: Tesla-Chef Elon Musk und seine Presseleute verlieren ziemlich häufig und ziemlich öffentlich ihre Contenance. Vor knapp einem Monat lieferten sich die Kalifornier eine verbale Schlammschlacht mit einem US-Autoblogger, der über mögliche Defekte bei der Radaufhängung des Model S berichtete. Nun bezeichnete Elon Musk einen Artikel des renommierten US-Wirtschaftsmagazins "Fortune" via Twitter als "bullshit", also als Schwachsinn.

Musks Nerven liegen wohl ziemlich blank, wenn er sich öffentlich auf ein solches Niveau begibt. Tatsächlich ist Tesla ziemlich Druck. Seit das Unternehmen bekannt gab, dass ein Tesla-Fahrer mit eingeschaltetem Autopilot tödlich verunglückte, ist Tesla unter heftigen Beschuss geraten. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dass dessen Selbstlenk-Funktionen eben längst noch nicht so fortgeschritten sind, wie von Tesla selbst suggeriert.

Der Zulieferer Mobileye, dessen Kamerasystem Tesla für seinen Autopiloten braucht, sah sich jüngst zu einer Klarstellung veranlasst: Mobileyes Systeme könnten seitlich kreuzende Fahrzeuge noch nicht erkennen, das sei erst ab 2018 vorgesehen. Tesla wiederum argumentiert, dass seine Fahrzeuge mit eingeschaltetem Autopilot statistisch sicherer seien als menschliche Fahrer. Das mag inhaltlich richtig sein, klingt aber bei einem Todesopfer und weiter eingeräumten Unfällen in der jüngsten Debatte doch zynisch.

Vergessen wird bei der hitzigen Diskussion, dass Tesla seinen "Autopiloten" zwar als so genannte Beta-Version auf seine Kunden loslässt. Das verärgert vor allem die sicherheitsbewussten, perfektionistischen deutschen Autohersteller. Denn sie haben einen Ruf zu verlieren und können ihren Kunden daher nur ausgereifte, gründlich getestete Systeme anbieten.

Doch mittlerweile weist Tesla auf die Grenzen des Systems hin: Registriert der Autopilot mehrere Sekunden lang keine Lenkbewegung, gehen Warnleuchten und Warnpiepser an. Bei der Einrichtung des Systems wird der Fahrer deutlich darauf hingewiesen, dass er auch bei aktiviertem Autopilot aufmerksam das Straßengeschehen verfolgen muss.

Das war zur Einführung des Autopiloten noch etwas anders. Da erklärte Musk noch, dass Tesla nicht unbedingt dazu rate, die Hände vom Steuer zu nehmen. Es kam, wie es kommen musste: Auf Youtube luden Tesla-Fahrer etwa Videos hoch, in denen sie bei voller Fahrt auf die Rückbank kletterten, während der Autopilot lenkte.

Das zwang Tesla zurückzurudern. Per drahtlos eingespieltem Update versuchten die Kalifornier solche Exzesse zu verhindern, indem nun eben nach mehreren Sekunden Warnleuchten und Warnpiepser angehen.

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