Samstag, 28. März 2020

Heftige Diskussionen nach Autopilot-Unfall Warum Teslas Technik-Story Risse bekommt

US-Elektroauto-Pionier: 6 Schicksalsmonate für Tesla
DPA

2. Teil: Musks Taktik - groß ankündigen, später schrittweise zurücknehmen

Dieser Schritt war typisch für die Strategie von Musk. Denn seine Fans zieht er zunächst mit gewagten Prognosen in seinen Bann. So soll Tesla Motors in Rekordzeit den ganz großen Autoherstellern Paroli bieten, selbstfahrende Autos auf den Markt bringen und insgesamt die Welt vom stinkenden Joch der Verbrennungsmotoren befreien.

Auf die vollmundigen Ankündigungen folgen dann aber Monate später oft Relativierungen. So war es bei den ehrgeizigen Produktions- und Auslieferungszielen, die Musk und seine Mannen mehrfach nach unten korrigieren mussten. So war es beim "Autopiloten", der zwar einen wohl klingenden Namen hat, aber technisch kaum mehr kann als die bereits verfügbaren Systeme von Mercedes-Benz, BMW und Audi.

Vielleicht bleibt Musk aber auch nichts anderes übrig, als im beinharten Konkurrenzkampf gegen die deutschen Hersteller große Töne zu spucken. Jahrelang konnte er mit einem dicken Pfund wuchern: Der Reichweite, die bei den Tesla-Elektroautos mehr als doppelt so hoch lag wie bei der Konkurrenz. Diesen technischen Vorsprung wird Tesla in den nächsten Jahren einbüßen, wie auch Musk weiß.

Beim autonomen Fahren ist Tesla nicht weiter als die Konkurrenz

Deshalb hat er sich nun das autonome Fahren als nächstes Verkaufsargument für sein Unternehmen auserkoren. Das Problem dabei ist nur: Die großen Autohersteller forschen seit Jahrzehnten an der Technologie dazu, Tesla erst seit einigen Jahren. Die dafür notwendigen Sensoren und deren Zusammenspiel werden von Zulieferern entwickelt, sämtliche Autohersteller kaufen bei den gleichen Zulieferern ein.

Damit sind alle auf einem ähnlichen technischen Stand. Musk will seinen Käufern aber etwas Besonderes bieten. Das gelang Tesla bisher nur, indem es einige der Einschränkungen für die Assistenzsysteme aufhob.

Technisch vorn hat Tesla die Nase dabei nur bei einer einzigen Funktionalität: Dem flächendeckenden Nachrüsten von Funktionen via Mobilfunk-Update, das die Konkurrenz so nicht beherrscht. Das lässt sich dafür nützen, schnell Verbesserungen einzuführen - oder eben wieder Beschränkungen zu setzen, die zuvor bewusst gelockert wurden.

Die heftigen Diskussionen um den Autopilot-Unfall zeigen jedenfalls, dass die von Tesla gesponnene Story vom technisch fortschrittlichsten Autoproduzenten erste Risse bekommt. Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch ausreichend sicher.

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