Dienstag, 25. Juni 2019

Kostendruck beim autonomen Fahren Waymo sucht offenbar Investoren, VW dementiert Einstieg

Ein Roboterauto von Waymo im kalifornischen Mountain View

Die autonome Fahreinheit von Alphabet - Waymo - sucht offenbar nach Investoren, die sich an dem kostspieligen Projekt beteiligen wollen. Das berichtet das US-amerikanische Medium "The Information". Demnach soll auch der deutsche Autobauer Volkswagen Börsen-Chart zeigen unter den Interessenten sein. VW-CEO Herbert Diess (60) dementierte allerdings am Dienstag, eine Minderheitsbeteiligung an Waymo geplant zu haben.

Diess ergänzte, Volkswagen habe Verhandlungen mit verschiedenen möglichen Partnern für die Entwicklung autonomer Fahrtechnologie geführt - auch mit Waymo. Der CEO sagte weiter: "Wir sind in guten Gesprächen mit Ford."

Mitte Februar berichtete die US-amerikanische Zeitung "Wall Street Journal", dass VW die Hälfte der Anteile an Argo AI übernehmen wolle - der Selbstfahr-Tochter des US-Autobauers Ford Börsen-Chart zeigen. Demnach beabsichtige VW, 600 Millionen US-Dollar in das Unternehmen zu investieren und 1,1 Milliarden Dollar für die weitere Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Argo AI solle künftig als Gemeinschaftsunternehmen der Autoriesen geführt werden. Waymo wiederum sei nicht bereit gewesen, einen signifikanten Anteil abzugeben, heißt es bei "The Information".

Volkswagen plant, bis zum Jahr 2022 Milliarden in Roboterautos zu investieren. Personell verstärkte sich der Autobauer bereits und warb im Januar einen Topmanager von Apple ab: Alexander Hitzinger (47) ist Entwicklungsvorstand bei Volkswagen Nutzfahrzeuge und soll das "Zentrum autonomes Fahren" im Konzern aufbauen. Weiter kooperiert VW mit dem kalifornischen Roboterauto-Start-up Aurora. Dessen Mitgründer und Chef ist der ehemalige technische Leiter von Waymo, Chris Urmson.

VW hofft, noch in diesem Jahr eine Entscheidung über eine neue Partnerschaft treffen zu können. Es hieß vom Konzern, dass die Entwicklung autonomer Autos Investitionen über einen hohen einstelligen Milliardenbetrag erforderten, die man besser mit einem potenziellen Partner teilen wolle.

Alphabet versucht, effizienter zu werden

Anfang März hatte VW-Manager Thomas Sedran die Erwartungen gedämpft und bei der Genfer Automobilmesse verkündet, dass autonome Fahrzeuge frühestens in fünf Jahren ohne Fahrer auskämen und weiterhin schlicht "zu teuer" seien. Daher sei für Roboterautos im Privatkundenbereich aktuell kein tragfähiges Geschäftsmodell zu erkennen, so Sedran. Schon für einen Wagen mit dem Automatisierungsgrad 3 würde die Technologie für Sensoren, Prozessoren und Software derzeit rund 50.000 Euro verschlingen.

Den Druck spürt die Alphabet-Tochter Waymo ebenfalls. Laut "The Information" kostet Waymo den Konzern jedes Jahr eine Milliarde Dollar. Zwar kann Alphabet diese Summe leicht stemmen und verfügt über mehr als 100 Milliarden Dollar Cash. Finanzchefin Ruth Porat aber versucht sich bereits seit einiger Zeit darin, verschiedene Einheiten effizienter zu strukturieren, und regte dafür auch externe Investments in Alphabet-Unternehmen an.

Wer sich allerdings bei Waymo einkaufen will, muss viel Kapital bereitstellen. Vergangenes Jahr haben Analysten von Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen den Wert der Roboterautoeinheit mit 45 Milliarden US-Dollar beziffert. Langfristig halten sie sogar einen Wert von 175 Milliarden Dollar für realistisch. Die US-Investmentbank Jefferies & Company übertraf die Summe wenige Monate später mit einer Prognose über 250 Milliarden Dollar künftigen Firmenwert.

Video: mm-Redakteur berichtet über seine Fahrt in Googles Roboter-Auto

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Bild: waymo

Ein Engagement also, das sich lohnen könnte. Allerdings muss Waymo zunächst noch zahlreiche regulatorische und technische Hürden nehmen. Wie VW-Chef Diess am Dienstag sagte: "Die Schlüsselfrage ist, wie man diese Technologie sicher machen kann."

Mit Material von dpa, Reuters

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