Autonomes Fahren Volkswagen lässt jetzt Roboterautos durch China rollen

Im Osten Chinas startet der Volkswagen-Konzern einen Pilotversuch mit selbst fahrenden Elektroautos. Es ist der erste im größten Automarkt der Welt.
Wichtigster Markt: Volkswagen hofft auf eine schnelle Erholung des China-Geschäfts, hier bei einer Messe Anfang August in Wuhan.

Wichtigster Markt: Volkswagen hofft auf eine schnelle Erholung des China-Geschäfts, hier bei einer Messe Anfang August in Wuhan.

Foto: Stringer / Getty Images

Der Volkswagen-Konzern  lässt ab kommender Woche eine Flotte selbstfahrender Autos über die Straßen der ostchinesischen Stadt Hefei rollen. "Von Science-Fiction zur Realität, die Zukunft ist da", schrieb China-Chef Stephan Wöllenstein auf der Plattform LinkedIn. Man sei "geehrt", die Erlaubnis der chinesischen Behörden bekommen zu haben, die autonom fahrenden Autos jetzt auf den Straßen testen zu dürfen.

Für den deutschen Autobauer sind es die ersten Tests mit Roboterautos im größten Automarkt der Welt. Bislang hatte es vor allem Versuche in Deutschland gegeben. Ab September will der Konzern nun eine Flotte mit zehn speziell ausgerüsteten Audi E-tron fahren lassen. Ab Anfang 2021 sollen die Versuche mit den Elektro-SUV komplett laufen, dann sollen die Wagen auch über eine Mobilitätsplattform für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

China entwickelt sich damit mehr und mehr zu einem Brennpunkt für die Erprobung autonom fahrender Fahrzeuge.  Das von Toyota unterstützte Pony.ai, das von Nissan unterstützte WeRide sowie die Konzerne Baidu und Didi Chuxing testen bereits in verschiedenen Städten.

Volkswagen hat wie die anderen deutschen Hersteller beim Thema autonomes Fahren noch einiges aufzuholen. Unter Experten gilt die Google-Tochter Waymo als führend . Und selbst Tesla hat gegenüber den Deutschen einen deutlichen Vorsprung. Audi-Chef Markus Duesmann (51) bezifferte diese kürzlich auf etwa zwei Jahre.

Volkswagen versucht, auf mehreren Wegen die Lücke zu schließen. Im Juni schloss der Konzern seine 2,6 Milliarden Dollar-Investition in das US-Start-up Argo AI ab, an dem auch der US-Autobauer Ford beteiligt ist. Die Allianz ist eines der bedeutendsten Projekte von Konzernchef Herbert Diess (61), da die Entwicklung der Roboter-Technologie Unmengen an Geld verschlingt.

Und auch in Hefei wurden die Forschungsarbeiten verstärkt. Im Mai hatte Volkswagen erklärt, für eine Milliarde Euro eine 50-Prozent-Beteiligung an der staatlichen Muttergesellschaft der chinesischen Elektroautogruppe JAC zu übernehmen. Dadurch werden die Deutschen auch die Kontrolle über das bestehendes E-Auto-Joint-Venture mit JAC in Hefei übernehmen.

Für den Autokonzern, der zusätzlich Joint-Ventures mit den Herstellern FAW und SAIC unterhält, ist der chinesische Markt eminent wichtig. Nach dem heftigen Einbruch während des frühen Lockdowns hat sich das Geschäft dort zuletzt wieder erholt. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 verkaufte Volkswagen in China allerdings nur 1,59 Millionen Fahrzeuge, ein Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

lhy/Reuters