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Autonomes Fahren: Was Googles Roboterauto alles nicht kann

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Autonomes Fahren Bleibt Googles Roboterauto für immer Science-Fiction?

Noch in diesem Jahrzehnt will Google ein Roboterauto auf den Markt bringen, das selbständig durch den Stadtverkehr fährt. Doch die Prototypen des Konzerns scheitern noch an banalen Alltagssituationen, berichtet ein US-Medium - und das dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten kaum ändern.

Hamburg - Es war eine Meldung, die weltweit für Aufsehen sorgte: Ende Mai stellte der Internetkonzern Google den ersten Prototypen eines eigenen selbstfahrenden Fahrzeugs vor. Das eiförmige Fahrzeug soll ohne Lenkrad und Pedale auskommen und vollkommen selbständig durch den Stadtverkehr fahren können. Einige Jahre noch werde die Arbeit an einer marktreifen Version dauern, kündigte Projektleiter Chris Urmson damals vollmundig an.

Doch solche gewagten Aussagen dürften sich als völlig überzogen herausstellen, warnt nun der US-Journalist Lee Gomes in einem Artikel  für das US-Onlinemagazin "Slate". Noch besitzen Computer nicht mal annähernd jenes Intelligenzniveau, um den Alltagsverkehr auf den Straßen ansatzweise meistern zu können, argumentiert er. Und er bringt dafür durchaus gewichtige Gründe vor.

Um sich auch nur einen Zentimeter von der Stelle zu bewegen, benötigen Googles aktuelle Prototypen besonders detaillierte Straßenkarten. Darin sind die exakten Orte von Straßenlampen, Stoppschildern, Zebrastreifen oder Ampeln erfasst und dreidimensional dargestellt.

Doch die Erfassung dieser Straßendetails ist extrem aufwändig, hat Gomes recherchiert. So müssen eigens dafür umgebaute Fahrzeuge jede Straße mehrfach abfahren, die dabei aufgezeichneten Daten werden in mehreren Durchgängen im Computer und von Menschen nachbearbeitet - und zwar je Quadratmeter. Der Prozess ist so komplex, dass Google erst mehrere tausend Straßenmeilen so erfasst hat, die sich großteils rund um das Google-Hauptquartier im kalifornischen Mountain View befinden.

Das gigantische Kartografie-Problem der Roboterautos

Die enorme Karten-Detailfülle ist notwendig, um die Computer im Auto während der Fahrt zu entlasten. Denn wenn das Auto vorab bereits die exakten Standorte stehender Objekte kennt, steht mehr Rechnerleistung bereit für die Erfassung beweglicher Objekte wie etwa fahrender Autos.

Um die Vision des selbstfahrenden Autos USA-weit zu verwirklichen, müsste Google aber rund vier Millionen Meilen öffentlicher Straßen komplett neu kartografieren. Dazu kommen dann noch kleine Wege, Schotterpisten und private Auffahrten. Google habe ihm gegenüber zugegeben, dass die aktuelle Erfassungsmethode zu ineffizient sei, um sie landesweit einzusetzen, schreibt Gomes. Und das sei erst der Anfang.

Denn die Karten müssten permanent auf dem aktuellsten Stand gehalten werden. Täglich werden irgendwo in den USA neue Straßenschilder aufgestellt, Ampeln umgebaut oder Straßenmarkierungen neu eingezeichnet. Solche Änderungen könnte die Sicherheit der Roboterautos aber massiv beeinträchtigen. Denn derzeit stehen Roboterautos vor großen Problemen, wenn sie auf eine nicht verzeichnete Ampel treffen, schreibt Gomes.

So könnte ein Roboterauto eine solche unbekannte rote Ampel überfahren, gab Google-Autoentwickler Urmson gegenüber Gomes zu - weil das Auto nicht wisse, wo es nach dem Ampellicht Ausschau halten solle. Laut Urmson sei das aber unwahrscheinlich, weil die Aufstellung einer neuen Ampel mehrere Tage oder Wochen dauere. Google könne in dieser Zeit den Ort der neuen Ampelanlage korrekt auf der Karte erfassen. Das gilt allerdings nicht für mobile Baustellenampeln, argumentiert Gomes. Für solche Fälle sei Google derzeit noch nicht vorbereitet.

Mangelnde künstliche Intelligenz als größte Hürde

Doch die Karten und Ampeln sind bei weitem nicht das einzige Problem am Weg zum autonomen Auto. Noch können die Google-Fahrzeuge auch nicht selbständig auf einem Parkplatz oder in einer Parkgarage einparken. Auch klar gekennzeichnete Baustellen erkennen die Fahrzeuge noch nicht fehlerfrei. Die Videokameras der Autos lassen sich - wie menschliche Augen auch - von Gegenlicht blenden und können dann teils Ampellichter nicht mehr korrekt interpretieren.

Roboterautos können auch nicht unterscheiden, ob nun ein zusammengeknülltes Zeitungspapier oder ein Steinbrocken auf der Straße liegt, und umfahren beides. Diese Unzulänglichkeiten hat Google gegenüber Gomes zugegeben.

Gomes fragte auch nach, ob Googles Roboterautos etwa zwischen dem Blinklicht eines Rettungsfahrzeugs und eines Müllwagens unterscheiden können. Zudem wollte Gomes wissen, ob die Autos in eine Art Vorsichtsmodus schalten, wenn sie an einem Spielplatz vorbeifahren und ein Kind einen Ball auf die Straße wirft. Zu solchen kritischen Fragen wollte der Internetkonzern keine Auskunft geben.

"Jedes unfertige Stück Technologie, und dazu zählen auch die Google-Prototypen, haben viele unerledigte Posten auf ihren To-Do-Listen stehen", schreibt Gomes. Doch das größte Problem des Google-Autos sei eine Frage, die sich Wissenschaftler schon seit der Entstehung des Computers stellen: Wie kann man Maschinen mit jener Art von Alltagswissen ausstatten, das Menschen von Kindheit an erwerben und nutzen?

Maschinen mit Menschenverstand sind noch pure Science-Fiction

Google verspreche der Welt ein Auto, das komplett ohne Fahrer auskommen soll. Dafür müssen die Autos aber nicht nur die offensichtlichen Aufgaben des Fahrens beherrschen - sondern auch mit unerwarteten Situationen auf überfüllten Straßen oder Autobahnen zurechtkommen.

Von Maschinen mit gesundem, künstlichen Menschenverstand träumen Forscher seit Jahrzehnten - doch diese Vorstellung wird noch lange ein Traum bleiben, schreibt Gomes. Diese Art des logischen Denkens werde man in Computern noch lange nicht sehen, meint ein auf autonomes Fahren spezialisierter Forscher gegenüber Gomes. Dass ein völlig selbstfahrendes Auto bald auf den Markt komme, sei deshalb pure Science-Fiction.

Teilweise autonomes Fahren wird zwar schon in wenigen Jahren zum Standard in Neuwagen gehören, gibt auch Gomes zu. So werden Autos bald etwa auf Autobahnstücken selbst Tempo, Abstand und Spur halten. Doch das sei noch weit entfernt davon, einen echten Computer-Chauffeur nach Google-Vision an Bord zu haben.

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