Autonomes Fahren - Start der CES Wenn die Robotaxis die Stadt übernehmen

Unterwegs ohne Fahrer: Ab 2018 könnte autonomes Fahren möglich sein - auf bestimmten Strecken

Unterwegs ohne Fahrer: Ab 2018 könnte autonomes Fahren möglich sein - auf bestimmten Strecken

Foto: Corbis
Fotostrecke

Autonomes Fahren: Deutschland und USA an der Spitze

Foto: Corbis

Am 6. Januar in Las Vegas werden wieder alle da sein. Die Consumer Electronics Show beginnt, und die Autoindustrie übernimmt diese Messe mehr und mehr. BMW zeigt auf der CES, dass der 7er auch mit Gestensteuerung funktioniert. Audi und Mercedes dürften einmal mehr präsentieren, wie ihre Modelle künftig auch ohne Fahrer sicher ans Ziel kommen. Und VW-Markenchef Herbert Diess will schon am Vorabend beweisen, dass auch die Wolfsburger über die Bewältigung ihrer Diesel-Probleme die automobile Zukunft nicht vergessen.

Las Vegas ist nicht zufällig zum Treffpunkt der Autowelt geworden. Insbesondere die Premiummarken investieren schon lange massiv in automobile Robotertechnik. "Keine andere technische Entwicklung wird die Branche so verändern wie das automatische Fahren", prognostiziert Wolfgang Bernhart, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger.

Ein Beispiel? "Wenn sich etwa das Robotaxi durchsetzt, werden gerade in den Städten deutlich weniger Menschen Autos kaufen als heute." Die Folgen sind absehbar: Der Markt wird enger, der Preiskampf härter; und wer technisch nicht mithalten kann, wird es künftig noch schwerer haben.

Für das chaotische Innenstadtgewimmel ist die Technik noch nicht so weit

Noch ist die Technik nicht so weit. Zwar hat Tesla-Chef Elon Musk erst kürzlich angekündigt, computergelenkte Autos seien in zwei Jahren marktreif - und gleichzeitig gewarnt, dass die Gesetzgeber ihr Plazet wahrscheinlich frühestens ein Jahr später geben. Berger-Experte Bernhart indes warnt, autonomes Fahren werde 2018 "vielleicht auf ganz bestimmten Strecken möglich sein, etwa auf Ringautobahnen wie der Pariser Périphérique. Aber für das häufig chaotische Gewimmel in Innenstädten wird es vor 2025 wahrscheinlich nicht ausreichen."

Noch sind die über Hunderte Kilometer computergelenkt nach Las Vegas gefahrenen Prototypen, die Audi und Mercedes schon in Las Vegas präsentiert haben, eben nicht serienreif. "Die entsprechende Technik müsste in die für die kommenden Jahre geplanten Modelle der führenden Anbieter eingebaut werden", mahnt Bernhart zu Geduld. Das ist aber bislang nicht vorgesehen."

Deutsche Autokonzerne gut aufgestellt für autonomes Fahren

Doch das Jahr 2025 ist nur noch anderthalb Modellgenerationen entfernt; und die deutschen Autokonzerne scheinen gut aufgestellt für diesen Teil der automobilen Zukunft. Das zumindest belegt auch eine aktuelle Roland-Berger-Studie. Laut dem Index für autonomes Fahren rangiert die heimische Industrie, Zulieferer inklusive, im globalen Vergleich gleichauf mit den USA auf Rang eins.

Technisch liegen demnach die deutschen Autobauer vorne; die bisher angebotenen Modelle mit teilautonomen Funktionen wie Parkassistenten, Notbremssystemen oder automatischen Abstandhaltern verkaufen sich allerdings in den USA deutlich besser.

Es ist ein Kampf zwischen alter und neuer Welt. In Deutschland beschleunigen vor allem Audi, BMW und Mercedes ihre Bemühungen, in den USA lassen Neulinge die großen Drei Ford, GM und FiatChrysler hinter sich. Tesla etwa bietet für sein Model S einen Autopiloten an, und Google lässt seine - allerdings geschwindigkeitsbegrenzten - Versuchsmobile seit geraumer Zeit durch Kalifornien rollen.

Kampf zwischen neuer und alter Welt

Langfristig, da ist Berger-Mann Bernhart sicher, werden die autonomen Vehikel das komplette Geschäfsmodell der Autohersteller verändern. So haben die Berater errechnet, dass Mobilitätsdienstleister wie Car2Go ihre Autos beim Einsatz von Robotaxis für etwa ein Achtel des heutigen Preises anbieten könnten. Es wäre dann nicht mehr billiger, ein als Neuwagen gekauftes Privatauto zu fahren. Die Menschen insbesondere in den Städten jedenfalls scheinen bereit. Laut der Berger-Studie sind in Deutschland und den USA jeweils fast zwei Drittel der Autofahrer für 90 Prozent der alltäglichen Situationen an automatisiertem Fahren interessiert. Und gut ein Viertel würde lieber ein Robotertaxi nutzen als einen Neuwagen kaufen. In China ist die Lust auf das selbständig steuernde Auto sogar noch größer. 96 Prozent der Befragten sind interessiert, 51 Prozent würden lieber ein Robotaxi nutzen.

Die Konsequenz: 2030 erwartet Bernhart zum Beispiel für die USA deutlich weniger Neuwagenverkäufe als heute. Und, vor allem für die Städte, ganz neue Anbieterstrukturen:

Fotostrecke

Autonomes Fahren: Deutschland und USA an der Spitze

Foto: Corbis

"Schauen Sie sich an, was Logistikunternehmen wie Fedex oder DHL machen: die lassen sich eigene Vans maßfertigen. Warum sollten das nicht künftig auch Uber, Ucar oder andere große Flottenbetreiber machen?" In Zukunft werde sich im Autogeschäft zwar deutlich mehr verdienen lassen; aber dieser Gewinn werde fast komplett neu verteilt. Bernharts Prognose: "Die Premium-Hersteller werden zu den Gewinnern gehören." Und die Marken für die Masse, gewaltige Unternehmen wie VW, GM, Ford oder Hyundai? "Die sollten sich dringend Gedanken über ihre Strategie machen."