Bain-Studie zum autonomen Fahren Robotaxis kommen ab 2028 richtig in Fahrt

Studie: Bain erwartet einen Schub für Roboterwagen erst zum Ende dieses Jahrzehnts

Studie: Bain erwartet einen Schub für Roboterwagen erst zum Ende dieses Jahrzehnts

Foto: picture alliance / Waymo/dpa

In Science Fiction Filmen wie Minority Report haben sich autonom fahrende Autos längst durchgesetzt - nicht immer zum Nutzen der Insassen. In Steven Spielbergs Film beispielsweise sind die alleinsteuernden Maglev-Fahrzeuge Teil einer Überwachungsgesellschaft. In der nicht-fiktionalen Zukunft soll die Technik natürlich kundenfreundlich sein, so versprechen es zumindest die Autohersteller und -zulieferer. Allerdings wird sie noch ein paar Jahre auf sich warten lassen.

Nach einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Bain wird das autonome Fahren in den sogenannten Stufen vier und fünf, das weitestgehend keinen Fahrereingriff mehr benötigt, erst zum Ende des Jahrzehnts eine Breitenwirkung entfalten. Sie sieht den Übergang vom Nischen- zum Volumenmarkt bei autonomen Fahrerassistenzsystemen und Robotaxis um das Jahr 2028 herum. Der Anteil autonomer Fahrzeuge an den Neuzulassungen wird demnach bis 2030 in Nordamerika auf 9 Prozent steigen, in Europa auf 6 Prozent. Asien werde auf etwa 4 Prozent kommen. Bis 2040 könnten sich diese Werte mehr als vervierfachen.

Corona mit dramatischen Folgen

Bis dahin sind noch einige Hindernisse zu bewältigen. So müssten die Systeme nicht nur allwettertauglich werden oder unübersichtliche Verkehrssituationen beherrschen, sondern vor allem billiger werden. Aktuell kostet ein System aus fünf Lidar- und vier Radarsystemen, Kamera und Zentralcomputer rund 65.000 Euro. Der Preis werde aber bis 2030 um mehr als 85 Prozent sinken, prognostizieren die Bain-Berater.

Zwar werde Corona die Entwicklung zu vollautomatischen Autos womöglich weiter verzögern, verhindern wird die Pandemie die Zukunftstechnologie jedoch nicht. "Corona hat für die Automobilindustrie dramatische Auswirkungen. Alle großen Hersteller und Zulieferer sind noch einmal stärker gezwungen, ihre Entwicklungsausgaben und Investitionen zu fokussieren", sagt Klaus Stricker, Co-Leiter der globalen Praxisgruppe Automobilindustrie und Mobilitat bei Bain & Company.

Die Investitionen in die Elektromobilität seien vielen Herstellern "aktuell wichtiger als die Entwicklung des vollautonomen Fahrens", so Wilko Stark, Senior Advisor bei Bain und Co-Autor der Studie. Im kommenden Jahr drohen den Herstellern in der EU empfindliche Strafzahlungen, wenn sie die festgelegten CO2-Werte nicht erfüllen. Im Schnitt dürfen Neuwagen in der EU dann nicht mehr als 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Etlichen Konzernen drohen hohe Strafzahlungen. Um diese zu umgehen, versuchen die Hersteller, mehr CO2-freie Elektroautos zu verkaufen.

Jede Partnerschaft bedeutet eine Abhängigkeit

Die Studienautoren empfehlen jedoch, trotz des extremen Kostendrucks ihre Investitionen in wichtige Zukunftsfelder bestmöglich aufrechtzuerhalten und dazu auch Partnerschaften mit großen Technologiekonzernen einzugehen. Ohne solche Kooperationen werde es für die wenigsten Hersteller beim Autonomen Fahren gehen, sagt Stricker; einmal aus Kostengründen, aber auch, weil das Software-Know-How der Technologiekonzernen denen der Automobilisten überlegen ist.

Erst Ende Juni wurden gleich mehrere Partnerschaften verkündet. So gab Volvo bekannt, mit der Google-Tochter Waymo zu kooperieren. Waymo gehört zu den Pionieren auf dem Gebiet und gilt als weltweiter Technologieführer beim autonomen Fahren. Daimler wiederum bestätigte,mit Nvidia an einer Software-Architektur zu arbeiten. "Jede Partnerschaft bedeutet natürlich auch eine Abhängigkeit", mahnt Stark zwar. "Tendenziell werde die Automobilindustrie geschwächt". Am besten suche man sich deshalb möglichst früh Wunschpartner und binde diese exklusiv an sich. Ansonsten sei man am Ende gezwungen, existierende "automobile Betriebssysteme" zu übernehmen ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten.


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Für das autonome Fahren sehen die Bain-Experten zwei große Anwendungsbereiche, die sich unterschiedlich schnell durchsetzen werden. Bei den Pkw werden bereits in drei bis vier Jahren klassische Assistenzsysteme für lange gerade Strecken wie der Autobahnpilot zum Einsatz kommen, auch bei den Trucks erwarten die Studienleiter eine schnellere technologische Durchdringung. Sogenannte Robotaxis, die ohne Fahrer durch die Innenstädte manövrieren, werden hingegen deutlich später marktreif.

Robotaxis als Chance für die Städte

Dennoch sei es entscheidend, dass die Hersteller versuchten, "sich auch für dieses Geschäftsfeld frühzeitig in Position zu bringen", so Stricker. Eine zentrale Rolle kommt dabei den Städten zu, mit denen die Hersteller kooperieren müssen.

Innovative Metropolen, so die Studienautoren, werden versuchen, die Robotaxis als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr einzusetzen. Die Einnahmen aus der Vergabe von Robotaxi-Lizenzen könnten die Städte dazu nutzen, um den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zu finanzieren. Dieser ist meist stark durch öffentliche Gelder bezuschusst. Autonomes Fahren, so die Bain-Berater, habe das Potenzial, die Subventionen in den ÖPNV um mehr als 60 Prozent zu reduzieren.

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