Montag, 22. Juli 2019

Zusammenarbeit für Roboter-Fahrdienste Waymo-Deal soll Allianz von Renault und Nissan wiederbeleben

Autonom fahrende Taxis von Waymo in Chandler, Arizona:
Caitlin OaHara/ REUTERS
Autonom fahrende Taxis von Waymo in Chandler, Arizona:

Monatelang schien es um das erfolgreichste Autobauer-Gespann des vergangenen Jahrzehnts schlecht bestellt. Der langjährige Chef und Architekt der Renault-Nissan-Allianz, Carlos Ghosn, saß wochenlang in Untersuchungshaft und bereitet sich auf einen Prozess vor. Die Spannungen zwischen Franzosen und Japanern nahmen, trotz aller anfänglichen Treueschwüre, merklich zu. Zuletzt plante Renault, mit dem US-italienischen Konkurrenten Fiat Chrysler zu fusionieren - was die Topmanager von Nissan nicht gerade erfreut haben soll, obwohl das Zusammengehen vorerst gescheitert ist.

Die Stimmung zwischen den langjährigen Partnern Renault und Nissan ist also eher angespannt. Doch offenbar kann man sich gegenüber Dritten noch auf die gemeinsamen Stärken besinnen. Denn beide Autohersteller haben nun mit der Google-Tochter Waymo ein ebenso weitreichendes wie exklusives Abkommen zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Das Trio will selbstfahrende Taxis und Lieferdienste in Paris und Japan entwickeln, wie es in einer gemeinsamen Erklärung heißt. Dafür werden Renault und Nissan Waymos Selbstfahr-Technologie nutzen können, die in der Branche als die aktuell höchstentwickelte Lösung für autonomes Fahren gilt und in den USA in kleinem Rahmen bereits im Alltag erprobt wird.

Um den automatisierten Transport von Menschen und Gütern in Städten hinzubekommen, werden Renault und Nissan neue, "allianzfokussierte" Jointventure-Firmen in Paris und Tokyo schaffen. Diese sollen gemeinsam die kommerziellen und rechtlichen Fragen klären, um in beiden Ländern Robotertaxis und fahrerlose Lieferdienste anbieten zu können. Ziel ist es, in den kommenden Jahren solche Dienste an den Start bringen zu können und später auch auf andere Märkte auszuweiten.

Nissan und Renault forschen schon länger und durchaus intensiv an selbstfahrenden Fahrzeugen - vor einigen Jahren hat Nissan dazu auch ein eigenes Testgelände eröffnet. Ex-Chef Carlos Ghosn zeigte sich bei öffentlichen Auftritten ziemlich optimistisch, was die Technologie seines Konzerns anlangt - spätestens 2022 wollte sein Konzern Selbstfahr-Technik auf breiterer Basis anbieten. Allerdings erläuterte Ghosn dabei kaum, auf welchen Grad des autonomen Fahrens er sich bezog - seine Aussagen könnten sich auch nur auf erweiterte Assistenzsysteme bezogen haben, mit deren Hilfe Fahrer für eine Zeitlang die Hände vom Lenkrad nehmen dürfen.

Waymo wagt sich erstmal außerhalb der USA vor

Nun wollen Renault und Nissan diesen Prozess wohl mithilfe der Waymo-Technik beschleunigen. Für die beiden Autobauer ist die Hinwendung zu Waymo aber ein Strategieschwenk. Bis vor wenigen Monaten hatten die Autohersteller betont, die Kontrolle über die Daten bei selbstfahrenden Autos lieber komplett selbst behalten zu wollen. Das wird mit Waymo wohl kaum möglich sein - dafür kann man sich aber die teuren Entwicklungskosten teilen. Dass die beiden Allianz-Partner mit der Google-Tochter kooperieren, kommt nicht ganz überraschend. Bereits im Februar dieses Jahres gab es entsprechende Berichte.

Waymo bekommt mit dem Abkommen nun den weltweit zweitgrößten Autohersteller als Partner. Mit Renault-Nissan wollen die Amerikaner offenbar enger kooperieren als mit anderen - indem sie konkrete Dienste gemeinsam entwickeln. "Das ist eine ideale Gelegenheit für Waymo, unsere autonome Technik weltweit vorzuführen", sagte Waymo-Chef John Krafcik zu dem Abkommen.

Denn eines ist auch für Waymo neu an dem Abkommen: Erstmals exportieren die Amerikaner ihre Selbstfahr-Technologie außerhalb der USA - nach Europa und Japan.

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