Samstag, 18. Januar 2020

Nach Teilrückzug bei E-Auto-Start-up Canoo Ex-Opel-Chef steigt bei Start-up für autonomes Fahren ein

Karl-Thomas Neumann: Seit seinem Abgang bei Opel im Juni 2017 war der Automanager ziemlich umtriebig
Getty Images
Karl-Thomas Neumann: Seit seinem Abgang bei Opel im Juni 2017 war der Automanager ziemlich umtriebig

Kürzlich gratulierte er noch Porsche via Twitter zum neuen Elektro-Sportwagen Taycan - nun meldet der Automanager Karl-Thomas Neumann Neues in eigener Sache. Der ehemalige Vorstandschef von Continental und Opel steigt als Aufsichtsrat, Berater und Investor bei dem israelischen Start-up Cartica AI ein.

Cartica AI entwickelt Software für das autonome Fahren, die mit einer speziellen Form künstlicher Intelligenz arbeitet. Diese soll bei der Objekterkennung nur "ein Zehntel der Rechenleistung und des Energieverbrauchs" bisheriger Systeme benötigen, erklärte Neumann in einem Interview mit der Fachzeitschrift "Automobilwoche". Dadurch sollen sich Kameras, Radar- und Lasersensoren, die für selbstfahrende Fahrzeuge notwendiger sind, wesentlich kostengünstiger produzieren lassen als bislang.

Zu den Investoren von Cartica AI zählen bislang Toyota AI Ventures und BMW i Ventures, die Risikokapitalfonds der gleichnamigen Autohersteller. Auch der Autozulieferer Continental ist seit September mit einem Minderheitsanteil an Cartica AI beteiligt, und nun auch Neumann selbst mit einem nicht genannten Anteil.

Neumann fiel zuletzt als ziemlich umtriebig im Bereich neuer Mobilität auf. Nach seinem Weggang bei Opel im Juni 2017 stieg er Anfang 2018 als Vorstand bei dem kalifornischen Elektroauto-Start-up Evelozcity ein, das sich mittlerweile in Canoo umbenannt hat. Im September stellte Canoo sein erstes Fahrzeug, eine Art Elektro-Minivan für den Personentransport, vor. Punkten will Canoo mit eher günstigen E-Fahrzeugen für Miet- und Sharingdienste.

Neumann: bei autonomem Fahren "fließt Geld"

Doch wenige Wochen vor der Vorstellung des Minivans hatte sich Neumann bereits aus dem Canoo-Vorstand verabschiedet. Mitte Juli 2019 gab er seinen Posten mit der Begründung auf, "mehr Freiheit meine anderen Projekte" zu benötigen. Allerdings ist Neumann nach wie vor im Canoo-Beirat vertreten und auch als Investor beteiligt.

Nun schwenkt Neumann also von E-Autos in Richtung autonomes Fahren um. Neben seinem Cartica-Engagement ist er auch noch beim US-Start-Up Apex.AI als Investor beteiligt, das eine Art Betriebssystem für autonom fahrende Autos entwickelt. Gegenüber der Automobilwoche erklärte er, dass die Finanzierung bei Elektromobilität "zunehmend schwer" werde. Im Bereich autonomes Fahren hingegen "fließt Geld, es gibt Investoren".

Es gehe ihm aber weniger um vollautonom fahrende normale Pkw - sondern um Robotertaxis, die selbständig auf vordefinierten Strecken fahren können. Das werde schneller Realität werden, als viele glauben. "Es ist die große Chance, das Althergebrachte aufzubrechen", so Neumann.

Ähnlich revolutionäre Pläne hatte er auch schon bei Opel: Neumann wollte die Traditionsmarke einst zur reinen E-Auto-Marke umpolen. Mit diesem Plan kam er aber weder beim ehemaligen Opel-Eigentümer General Motors noch bei Opel-Käufer PSA durch.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung