Autonomer Gütertransport auf Kurzstrecke Roboter-Lkw steht in Schweden vor Straßenzulassung

Roboter-Lkw Einride T-Pod: Dieses Fahrzeug pendelt autonom zwischen zwei Warenhäusern

Roboter-Lkw Einride T-Pod: Dieses Fahrzeug pendelt autonom zwischen zwei Warenhäusern

Foto: Einride
Fotostrecke

Selbstfahrende Autos: Wie weit die Hersteller beim autonomen Fahren sind

Foto: Tesla Motors

Die beteiligten Unternehmen feiern es als Durchbruch für die Technologie - auch wenn die anvisierte Fahrt auf öffentlichen Straßen sehr kurz ausfällt: Das schwedische Roboterfahrzeug-Startup Einride und der deutsche Logistikriese DB Schenker lassen in Schweden einen Elektro-Lkw komplett autonom von Warenhaus zu Warenhaus fahren.

Der Testbetrieb des Roboter-Lkw startete Anfang November, noch in diesem Jahr rechnen beide Unternehmen mit einer regulären Straßenzulassung der schwedischen Behörden für das Fahrzeug. Erhalten sie diese, könnte erstmals ein fahrerloser Lkw mit Elektroantrieb Fracht auf öffentlichen Straßen befördern - und das nicht mehr als Testprojekt, sondern im regulären geschäftlichen Betrieb. Es wäre das weltweit erste Mal, meinen beide beteiligten Unternehmen.

Bisher sei noch kein vollelektrischer, autonom fahrender Lkw im kommerziellen Einsatz, erklärte Einride-Mitgründer Filip Lilja nun gegenüber der Financial Times . (FT). Allerdings ist der Einsatz des "T-Pod" genannten Gefährts vorerst auf eine einzige Strecke beschränkt, und die Fahrt auf öffentlichen Straßen fällt sehr kurz aus. Dennoch sei das ein wichtiger Schritt Richtung Robotertruck, wirbt Einride.

Den Test des Robotertrucks auf der Strecke hat die schwedische Straßenverkehrsbehörde bereits genehmigt. Auf Nachfrage der FT erklärte sie nun, einen Antrag auf den kommerziellen Betrieb zu prüfen. Wie lange die Prüfung dauern werde, wollte die Behörde nicht verraten.

"Geschichte wird mit kleinen Schritten geschrieben"

Das schwedische Startup Einride wurde erst 2016 von Lilja und dem früheren Volvo-Manager Robert Falck gegründet. Ihr Transporter "T-Pod" verzichtet auf Fahrerkabine, Lenkrad oder Pedalerie. Er ist eine Art Container auf Rädern in der 7,5 Tonnen-Klasse, also ein leichterer Lkw. Mit einer Batterieladung kommt der T-Pod laut Einride rund 190 Kilometer weit. Manuell, also von Menschen steuern, lässt sich der T-Pod aus der Ferne: Die menschlichen "Operatoren" können hunderte Kilometer weit entfernt sitzen und den Lkw in schwierigen Situationen fernsteuern. Ein Operator, hieß es in der FT, soll dabei bis zu zehn Fahrzeuge zugleich überwachen.

Bislang fährt der T-Pod testweise zwischen zwei Warenhäusern von DB Schenker im schwedischen Jonkoping hin und her. Auch mit regulärer Straßenzulassung bleiben die Distanzen, die ein einzelner T-Pod bei DB Schenker zurücklegen wird, eher gering: Es sind nur rund 9 Kilometer pro Tag, der Truck fährt dabei als 40 km/h schnell. Gerade mal 100 Meter lang ist das Stück öffentlicher Straße, auf dem der T-Pod dabei fahren wird und auf von Menschen gelenkte Fahrzeuge treffen kann.

Trotzdem sei das ein Meilenstein, meint Einride-Gründer Falck: "Die Wright-Brüder sind 300 Meter weit geflogen, als sie zum ersten Mal abhoben. Geschichte wird mit kleinen Schritten geschrieben", sagte er der FT.

Auch Lidl Schweden will Robotertrucks testen

Gerade mal 55 Angestellte, ein Großteil davon Ingenieure, arbeiten für Einride. Neben dem Gütertransporter T-Pod hat das Startup auch einen selbstfahrenden Holztransporter namens "T-Log" entworfen, der bis zu 16 Tonnen Nutzlast auf Forstwagen befördern soll. Er soll ab 2020 marktreif sein. Seine Robotertrucks verkauft Einride nicht - sondern verleast sie an Kunden, und das offenbar nur für maßgeschneiderte Einsatzzwecke.

So hat Einride auch mit Lidl Schweden einen Vertrag für die testweise Belieferung mehrerer Filialen durch T-Pod-Trucks abgeschlossen. Im kommenden Jahr sollen die Testläufe für die Lebensmittellieferungen per Robotruck in Südschweden starten. Wie lange und wie weit die Einride-Trucks dabei auf öffentlichen Straßen fahren sollen, ist bislang noch nicht bekannt.

Die Schweden sind längst nicht die einzigen, die selbstfahrende Lkw erproben. In den USA etwa hat die Google-Tochter Waymo bereits testweise autonom fahrende Lkw auf die Straßen geschickt. Diese Lkw haben aber eine normale Fahrerkabine - anders als Waymos Roboterauto-Flotte fahren die Robo-Lkw nur auf Teilstrecken im Selbstfahr-Modus, ein menschlicher Fahrer ist immer an Bord.

Daimler bremst Euphorie für Robo-Lkws etwas

Der Fahrdienst Uber hat vor einigen Monaten das Robotertruck-Startup Otto gekauft, seit März 2018 testet Uber die Warenauslieferung per Robotertruck. Die Robo-Lkw fahren allerdings nur auf den Highways im Selbstfahr-Modus, menschliche Fahrer an Bord lenken dann vom Highway zu den jeweiligen Abhol- und Lieferorten. All diese Fahrten sind noch Pilot- und Testprojekte, einen kommerziellen Einsatz samt Straßenzulassung wie in Schweden hat noch kein Unternehmen in Aussicht gestellt.

Fotostrecke

Eine verwegene Idee wird Realität: So sieht der erste autonome Elektrofrachter aus

Foto: AFP / YARA INTERNATIONAL ASA

Daimler gibt sich bei der Technologie noch eher abwartend. Die Schwaben testen einen selbstfahrende Truck schon seit längerem in den USA. Allerdings werde es noch mindestens fünf Jahre dauern, bis Daimler seine Lkw-Selbstfahrtechnik Kunden anbieten könne, meinte Lkw-Chef Martin Daum vor einigen Monaten. Zuerst werde Daimler wohl nur Technik anbieten, die sicherstelle, dass mehrere Trucks fahrerlos einem von Menschen gelenkten Truck im Konvoi folgen können. Bis Trucks komplett ohne Fahrer auskommen, werde es wohl noch deutlich länger als fünf Jahre dauern.

Bereits zum Einsatz kommen selbstfahrende Gefährte allerdings weitab abseits öffentlicher Straßen: So haben Rohstoffkonzerne in Minen bereits die ersten selbstfahrenden Nutzfahrzeuge im Einsatz. In der Landwirtschaft fahren Erntemaschinen bereits automatisiert. Und in der Schifffahrt wollen mehrere Startups bis 2020 den kommerziellen Betrieb von Robotertechnik schaffen. Ein norwegischer Düngemittelkonzern baut etwa an einem elektrisch angetriebenen Roboterfrachter, der 2020 vollautonom zwischen einem Werk und einem Exporthafen pendeln soll. Tausende Lkw-Fahrten sollen so durch Kollegen Computer am Steuerruder ersetzt werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.