Mittwoch, 22. Januar 2020

Autonomer Gütertransport auf Kurzstrecke Roboter-Lkw steht in Schweden vor Straßenzulassung

Roboter-Lkw Einride T-Pod: Dieses Fahrzeug pendelt autonom zwischen zwei Warenhäusern

2. Teil: Auch Lidl Schweden will Robotertrucks testen

Gerade mal 55 Angestellte, ein Großteil davon Ingenieure, arbeiten für Einride. Neben dem Gütertransporter T-Pod hat das Startup auch einen selbstfahrenden Holztransporter namens "T-Log" entworfen, der bis zu 16 Tonnen Nutzlast auf Forstwagen befördern soll. Er soll ab 2020 marktreif sein. Seine Robotertrucks verkauft Einride nicht - sondern verleast sie an Kunden, und das offenbar nur für maßgeschneiderte Einsatzzwecke.

So hat Einride auch mit Lidl Schweden einen Vertrag für die testweise Belieferung mehrerer Filialen durch T-Pod-Trucks abgeschlossen. Im kommenden Jahr sollen die Testläufe für die Lebensmittellieferungen per Robotruck in Südschweden starten. Wie lange und wie weit die Einride-Trucks dabei auf öffentlichen Straßen fahren sollen, ist bislang noch nicht bekannt.

Die Schweden sind längst nicht die einzigen, die selbstfahrende Lkw erproben. In den USA etwa hat die Google-Tochter Waymo bereits testweise autonom fahrende Lkw auf die Straßen geschickt. Diese Lkw haben aber eine normale Fahrerkabine - anders als Waymos Roboterauto-Flotte fahren die Robo-Lkw nur auf Teilstrecken im Selbstfahr-Modus, ein menschlicher Fahrer ist immer an Bord.

Daimler bremst Euphorie für Robo-Lkws etwas

Der Fahrdienst Uber hat vor einigen Monaten das Robotertruck-Startup Otto gekauft, seit März 2018 testet Uber die Warenauslieferung per Robotertruck. Die Robo-Lkw fahren allerdings nur auf den Highways im Selbstfahr-Modus, menschliche Fahrer an Bord lenken dann vom Highway zu den jeweiligen Abhol- und Lieferorten. All diese Fahrten sind noch Pilot- und Testprojekte, einen kommerziellen Einsatz samt Straßenzulassung wie in Schweden hat noch kein Unternehmen in Aussicht gestellt.

Daimler gibt sich bei der Technologie noch eher abwartend. Die Schwaben testen einen selbstfahrende Truck schon seit längerem in den USA. Allerdings werde es noch mindestens fünf Jahre dauern, bis Daimler seine Lkw-Selbstfahrtechnik Kunden anbieten könne, meinte Lkw-Chef Martin Daum vor einigen Monaten. Zuerst werde Daimler wohl nur Technik anbieten, die sicherstelle, dass mehrere Trucks fahrerlos einem von Menschen gelenkten Truck im Konvoi folgen können. Bis Trucks komplett ohne Fahrer auskommen, werde es wohl noch deutlich länger als fünf Jahre dauern.

Bereits zum Einsatz kommen selbstfahrende Gefährte allerdings weitab abseits öffentlicher Straßen: So haben Rohstoffkonzerne in Minen bereits die ersten selbstfahrenden Nutzfahrzeuge im Einsatz. In der Landwirtschaft fahren Erntemaschinen bereits automatisiert. Und in der Schifffahrt wollen mehrere Startups bis 2020 den kommerziellen Betrieb von Robotertechnik schaffen. Ein norwegischer Düngemittelkonzern baut etwa an einem elektrisch angetriebenen Roboterfrachter, der 2020 vollautonom zwischen einem Werk und einem Exporthafen pendeln soll. Tausende Lkw-Fahrten sollen so durch Kollegen Computer am Steuerruder ersetzt werden.

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