Die wichtigsten US-Start-ups für autonomes Fahren Softbank steckt Milliarde in Robo-Van-Firma Nuro

Anzeige an einem selbstfahrenden Fahrzeug

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Foto: Drive.ai

Es ist eine kräftige Geldspritze für ein Start-up, das sich auf selbstfahrende Lieferwägen fokussiert - und eine weitere große Wette des japanischen Softbank-Konzerns: Deren Vision Fund investiert 940 Millionen Dollar in Nuro.ai. Das Start-up entwickelt selbstfahrende Lieferwägen, die in Metropolen Lebensmitteleinkäufe selbstständig zustellen sollen.

Mit dem Kapital des größten Techfonds der Welt ist Nuro nun 1,7 Milliarden Dollar wert - und längst nicht alleine. In den USA arbeiten aktuell Dutzende Unternehmen an der Technik für selbstfahrende Fahrzeuge. Das Feld reicht von Autoherstellern und Zulieferern über IT-Konzerne bis hin zu spezialisierten Start-ups, die millionenschwere Finanzspritzen erhalten haben. Das sind die aussichtsreichsten und bestfinanzierten US-Start-ups im Bereich autonomes Fahren.

Nuro: Lieber Lebensmittel statt Passagiere autonom fahren

Selbstfahrendes Lieferfahrzeug von Nuro, das das Startup mit der US-Supermarktkette Kroger erprobt

Selbstfahrendes Lieferfahrzeug von Nuro, das das Startup mit der US-Supermarktkette Kroger erprobt

Foto: The Kroger Co.

Das kalifornische Start-up Nuro wählte einen eher ungewöhnlichen Ansatz für seine selbstfahrenden Fahrzeuge: Statt Roboterautos für den Personentransport zu entwickeln, konzentriert sich das Jungunternehmen lieber auf selbstfahrende Zustellfahrzeuge, die wie stark verkleinerte Lieferwägen aussehen. Hinter zwei Ladeklappen an seiner Seite ist Platz zum Beispiel für mehrere Einkaufstüten oder Kartons. Die Firma startete Ende vergangenen Jahres einen ersten Lieferservice in der Stadt Scottsdale im US-Staat Arizona.

Gegründet wurde Nuro 2016 von zwei langjährigen Mitarbeitern an Googles Roboterauto-Projekt: Jiajun Zhu und Dave Ferguson. Ihre Ausgangsüberlegung: Waren in Metropolen auszuliefern ist ein leichter erreichbares Ziel für selbstfahrende Fahrzeuge als der Personentransport. Denn die regulatorischen Hürden sind deutlich geringer, wenn keine menschlichen Personen an Bord sind, und das Fahrerlebnis ist unwichtig. Dementsprechend soll Nuros erstes Modell R1 ohne menschlichen Fahrer auskommen - und sieht auch keinen Platz oder Steuerelemente für ihn vor. Die Fahrzeuge bewegen sich aber im normalen Straßenverkehr.

Diesen Ansatz findet auch der weltgrößte Techfonds Vision Fund spannend: Der vom japanischen Softbank-Konzern gestartete Fonds investiert 940 Millionen Dollar in Nuro. Bei einer vorherigen Kapitalrunde im Januar 2018 hatte Nuro 92 Millionen Dollar eingesammelt. Die Kapitalspritze des Vision Fund hebt die Bewertung von Nuro nun auf 1,7 Milliarden Dollar.

Im Video: Die brutale Mechanik hinter Vision Fund, dem größten Tech-Fonds der Welt

manager-magazin.de

Nuro ist aber nicht das einzige Investment des Techfonds (Kapital von 100 Milliarden Dollar) im Bereich autonomes Fahren: Der Vision Fund hat vergangenen Mai 2,3 Milliarden Dollar in General Motors' Selbstfahr-Tochter Cruise Automation gesteckt. Zudem hält der Techfonds auch Beteiligungen an den Fahrdiensten Uber und Didi, die ebenfalls an autonom fahrenden Fahrzeugen forschen.

Zoox: Anspruchsvoller Rundum-Ansatz - mit sportlichem Zeitplan

Screenshot: So sieht ein Zoox-Roboterauto seine Umwelt

Screenshot: So sieht ein Zoox-Roboterauto seine Umwelt

Foto: youtube/zoox
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Die wichtigsten Allianzen rund um die Roboterauto-Entwicklung: Die Partner der Autobauer beim autonomen Fahren

Foto: Zoox

Das kalifornische Unternehmen Zoox hat ehrgeizige Ziele: Es entwickelt sowohl Software für das autonome Fahren als auch ein eigenes Elektroauto für einen Robotertaxi-Dienst, der bereits 2020 an den Start gehen soll. Wo genau und in welchem Umfang hat das Unternehmen bislang nicht verraten. Anders als viele Konkurrenten will Zoox keine herkömmlichen Autos zu selbstfahrenden Fahrzeugen umbauen, sondern sein Elektro-Robotertaxi von der Pike auf selbst entwickeln.

Vor wenigen Wochen hat Zoox - anders als die meisten Tech-Startups - eine Frau an die Spitze berufen: Die ehemalige Intel-Managerin Aicha Evans soll Zoox nun nach vorne bringen Die studierte Ingenieurin arbeitete mehr als zwölf Jahre für den Tech-Konzern, seit 2017 sitzt sie im Aufsichtsrat von SAP.

Mittlerweile arbeiten 700 Leute für Zoox. Gegründet wurde das Start-up im Jahr 2014 von einem Designer und einem Roboterauto-Spezialisten der renommierten Stanford University. Bisher hat das Unternehmen laut der US-Datenbank Crunchbase 790 Millionen Dollar Investorengelder eingesammelt. Zoox testet seine Roboterwagen in einer anspruchsvollen Stadtumgebung: in San Francisco. Bei der Testfahrt eines Spiegel-Reporters im November funktionierte Zoox Technologie ziemlich zuverlässig.

Waymo: Die Google-Tochter gilt in der Branche als führend

Solche umgebauten Chrysler-Minivans setzt Waymo in seiner Roboterwagen-Testflotte ein

Solche umgebauten Chrysler-Minivans setzt Waymo in seiner Roboterwagen-Testflotte ein

Foto: Paul Sancya/ AP

Seit gut zehn Jahren arbeitet Google an selbstfahrenden Autos, im Dezember 2016 gründete der IT-Riese dafür sein Tochterunternehmen Waymo. Waymo gilt in der Branche als führend bei der Roboterauto-Entwicklung. Die Google-Tochter verfügt über eine Flotte von mehreren hundert selbstfahrenden Testwagen. In einem Vorort von Phoenix fahren die Waymo-Taxen bereits zahlende Passagiere an ihre Ziele. Die Prototypen des Unternehmens haben bereits einige Millionen Meilen im autonomen Fahrmodus auf öffentlichen Straßen absolviert - und das ohne gröbere Unfälle.

Waymo konzentriert sich auf die Entwicklung von Selbstfahr-Software im Zusammenspiel mit den nötigen Sensoren. Die Fahrzeuge, die Waymo zu Roboterautos umbaut, kauft die die Google-Tochter von Fiat Chrysler und nun auch Jaguar. Partnerschaften hat Waymo zudem mit dem Fahrdienst Lyft, dem Chiphersteller Intel und dem Mietwagen-Betreiber Avis abgeschlossen. Externe Venturekapitalgeber hat Waymo keine, Google soll bislang mehrere Milliarden Dollar in seine Roboterauto-Aktivitäten investiert haben.

Aurora Innovation: Hochkaräter-Start-up will unabhängig bleiben

Selbstfahrende Testwagen von Aurora Innovations

Selbstfahrende Testwagen von Aurora Innovations

Foto: Aurora

Gegründet wurde Aurora im Jahr 2016 von drei Roboterauto-Experten - unter ihnen der langjährige Leiter von Googles Roboterauto-Sparte, Chris Urmson. Geldprobleme hat das junge Start-up kaum: In seiner zweiten Finanzierungsrunde hat Aurora 530 Millionen aufgetrieben - zu den Investoren zählte neben dem Fonds Sequoia auch der Onlineriese Amazon. Bewertet wird Aurora mittlerweile mit gut 2,5 Milliarden Dollar.

Aurora positioniert sich als Technologielieferant mit Fokus auf Software - es will weder Autos noch Sensoren herstellen. Und die Kalifornier wollen unabhängig bleiben: Ein Kaufangebot des Volkswagen-Konzerns soll Aurora ausgeschlagen haben. Lieber arbeitet das Start-up mit mehreren Autokonzernen in Partnerschaften zusammen. Verträge hat Aurora etwa mit Volkswagen und Hyundai, Audi und dem chinesischen Elektroauto-Start-up Byton abgeschlossen. Ein Startdatum für selbstfahrende Autos mit Aurora-Software an Bord hat das Unternehmen noch nicht genannt.

Cruise Automation: GM-Tochter will noch 2019 starten

Die GM-Tochter Cruise Automation testet ihre Selbstfahr-Technologie in umgebauten Chevrolet-Bolt-Modellen

Die GM-Tochter Cruise Automation testet ihre Selbstfahr-Technologie in umgebauten Chevrolet-Bolt-Modellen

Foto: Elijah Nouvelage/ REUTERS

Das 2013 gegründete Unternehmen Cruise Automation gilt als ernstzunehmender Konkurrent von Waymo - wohl auch, weil es den Autohersteller General Motors als Taktgeber hat. Im Jahr 2016 übernahm der Autoriese für 580 Millionen Dollar Cruise Automation komplett. Seither fließt wohl viel Geld: GM kündigte Investitionen von mehr als zwei Milliarden Dollar an. Auch der japanische Tech-Riese Softbank will über mehrere Jahre 2,2 Milliarden Dollar in die Firma investieren.

Ursprünglich wollte Cruise Automation eine Art Nachrüst-Lösung für autonomes Fahren anbieten, seit der GM-Übernahme hat sich der Fokus geändert: Cruise setzt ausschließlich auf den GM-Elektrowagen Bolt - und konzentriert sich wie die Konkurrenz auf das richtige Zusammenspiel zwischen Software und Sensoren. Getestet werden die Autos unter anderem in San Francisco.

In US-Medien gab es im März jedoch Berichte über Schwierigkeiten bei der Erprobung der Technik . Bei den Tests soll es häufig kleinere Unfälle oder Beinahe-Unfälle gegeben haben. Im November 2018 übernahm GM-Veteran Dan Ammann als CEO bei dem Start-up. An einem hält GM aber fest: Schon 2019 will der Konzern einen kommerziellen Robotertaxi-Dienst starten - mit Cruise-Technik.

Argo.ai: Die Ford-Beteiligung gibt sich etwas vorsichtiger

Argo.ai erprobt seine Technik in umgebauten Ford-Fusion-Limousinen

Argo.ai erprobt seine Technik in umgebauten Ford-Fusion-Limousinen

Foto: youtube/argo
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Testgebiete für selbstfahrende Autos: An diesen Orten können Ihnen Roboterautos entgegenkommen

Foto: Karlsruher Verkehrsverbund

Argo.ai startete Ende 2016 ohne viel Aufsehen. Gegründet wurde das Start-up von einem früheren hochrangigen Mitarbeiter bei Googles Roboterauto-Projekt und einem ehemaligen Uber-Manager. Bekannt wurde Argo dann wenige Monate später: Anfang 2017 kaufte der US-Autokonzern Ford die Mehrheit an dem jungen Unternehmen und erklärte, rund eine Milliarde Dollar in das Start-up zu stecken. Mittlerweile hat Argo.ai über 300 Mitarbeiter, es testet seine Roboterautos in Pittsburgh, Detroit, Miami und bald auch auf den Straßen der US-Hauptstadt Washington D.C..

Argo.ai konzentriert sich auf die Entwicklung eines Selbstfahr-Systems, nicht auf das Fahrzeug selbst. Allerdings hat Argo auch ein Unternehmen gekauft, das sich auf Lidar-Sensoren spezialisiert. Diese Sensoren sollen den autonomen Autos beim Sehen und Erkennen ihrer Umgebung helfen. Aktuell hat das Start-up rund 100 umgebaute Roboterautos im Testeinsatz. Zuletzt zeigte sich Argo.ai offen dafür, seine Technologie auch an andere Autokonzerne neben Ford zu lizensieren. Bei kommerziellen Robotertaxi-Diensten ist Argo.ai etwas vorsichtiger als die Konkurrenz: Selbstfahrende Taxis mit Argo-Technologie an Bord sollen erst 2021 starten, hieß es wiederholt.

Drive.ai: Noch klein, aber durchaus fein

Drive.ai: Solche selbstfahrenden Minivans kurven durch zwei texanische Städte

Drive.ai: Solche selbstfahrenden Minivans kurven durch zwei texanische Städte

Foto: Drive.ai

Dieses Start-up arbeitete länger im Verborgenen: Gegründet wurde Drive.ai im Jahr 2015 von einer Gruppe ehemaliger Mitarbeiter des AI Labs der Eliteuniversität Stanford. Etwas bekannter wurde Drive.ai in der US-Öffentlichkeit erst vor rund einem halben Jahr: Im Sommer 2018 startete das Start-up Robotertransporter-Shuttledienste in den texanischen Städten Frisco und Arlington.

Noch sind die Tests in der Pilotphase und die Shuttles sind nur in einem eng umrissenen Gebiet unterwegs. Zudem sind die Flotten klein: In Frisco kurven sieben selbstfahrende Nissan-Transporter über öffentliche Straßen, in Arlington sind es drei Roboter-Vans. Hinter dem Steuer sitzt ein Sicherheitsfahrer, der im Notfall eingreifen kann.

Bisher hat das Unternehmen in mehreren Runden insgesamt 77 Millionen Dollar eingesammelt. Kooperationsvereinbarungen hat Drive.ai unter anderem mit dem Uber-Konkurrenten Lyft.

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