Sonntag, 21. Juli 2019

Waymo feiert tausendsten Passagier Googles Robotertaxi-Dienst hat ein Kundenproblem

Selbstfahrendes Auto der Google-Schwester Waymo: Gerade mal 1000 registrierte Kunden für Robotertaxi-Dienst

Waymo-Chef John Krafczik kündigte es selbstbewusst an - tatsächlich ist es eher ein Hinweis auf ein Akzeptanzproblem: Vor sechs Monaten hat Googles Selbfahr-Tochter Waymo den ersten kommerziellen Robotertaxi-Dienst in einem Vorort von Phoenix, Arizona gestartet. Nun gibt Waymo bekannt, dass sich der 1000ste Kunde für den "Waymo One" benannten Taxidienst registriert hat.

Ein halbes Jahr hat Waymo also benötigt, um einen Stamm von tausend zahlungswilligen Kunden aufzubauen. Zum Vergleich: Fahrdienste mit menschlichen Fahrern hinter dem Volant kommen auf ganz andere Kundenzahlen. Der Fahrdienstvermittler Uber, der gerade den größten Börsengang seit Jahren hingelegt hat, zählt weltweit über 90 Millionen Kunden.

Rasend schnell geht es also nicht gerade voran bei der Akzeptanz von Roboterautos, die ohne Zutun eines menschlichen Fahrers Passagiere von A nach B bringen. Fairerweise muss man aber auch dazusagen, dass "Waymo One" seinen Kunden noch einige Restriktionen auferlegt. Gestartet ist der Dienst als Pilotprojekt im April 2017, damals noch mit menschlichen Kontrollfahrern an Bord. In dieser Pilotphase konnte sich nur eine beschränkte Anzahl an "Kunden" für den Mitfahr-Dienst registrieren, die für die Fahrten nichts oder nur sehr wenig bezahlen mussten.

Seit Dezember 2018 ist der Dienst für alle Interessierten im Phoenix-Vorort Chandler freigegeben, Waymo One deckt aber nach wie vor nur ein Gebiet von rund 100 Quadratmeilen ab - also rund 260 Quadratkilometer, das entspricht ungefähr dem Stadtgebiet von Bielefeld.

In der Pilotphase ließ Waymo seine Robotertaxis, speziell hochgerüstete Chrysler Pacifica-Minivans, sogar komplett ohne menschlichen Kontrollfahrer im Stadtgebiet von Chandler herumfahren - als Beweis dafür, dass die Selbstfahr-Technik funktioniert.

Euphorie um autonom fahrende Stadttaxis ebbt ab

Zum kommerziellen Start des Robotertaxidienstes setzte Waymo One jedoch wieder menschliche Sicherheitsfahrer hinter das nach wie vor vorhandene Lenkrad - um etwaige Ängste bei den Passagieren zu minimieren, wie Krafcik damals erklärte. Genützt hat das offenbar nur bedingt, um die Akzeptanz des Dienstes bei der Bevölkerung von Phoenix zu erhöhen.

Laut einem Bericht des US-Wirtschaftsmagazins Fortune sitzt bei den Fahrten nun nach wie vor ein Kontrollfahrer aus Fleisch und Blut in den Autos. Der soll während der Fahrt allerdings weder Lenkrad, Gaspedal noch Bremse berühren, wie eine Bildschirmmitteilung vor dem Fahrer erklärt. Sollte er das tun, würde das Roboterauto am Straßenrand halten, heißt es in der Bildschirmnachricht.

Im Video: Redakteur Jonas Rest über seine Fahrt in Googles Roboterauto

Video abspielen
Bild: waymo

Immerhin kann sich Waymo mit dem Dienst auf die Fahnen schreiben, der Pionier auf diesem Feld zu sein und Erfahrungen zu sammeln. Konkurrenten wie GM mit seiner Tochter Cruise, Fords Selbstfahr-Einheit Argo.AI oder auch Daimler im Verbund mit Bosch sind noch immer in der Erprobungsphase ihrer Selbstfahr-Software. Vom Start eines kommerziellen Robotertaxi-Dienst sind sie noch Monate, wenn nicht Jahre entfernt.

Doch Waymos geringe Kundenzahlen zeigen, dass die Euphorie um selbstfahrende Autos in Städten ein Stück weit verflogen ist. Erst kürzlich schraubte auch VW-Topmanager Thomas Sedran die Erwartungen an das autonome Fahren deutlich herunter.

Firmen, die Geschäftsmodelle rund um autonome Fahrzeuge aufbauen wollen, müssen sich wohl eher auf ein mäßiges denn auf ein rasantes Wachstum einstellen - zumindest am Anfang und wenn sie in Metropolen damit auf die Straße wollen.

Waymo versucht nun wohl auch, seine Kundenzahlen durch Kooperationen zu erhöhen. Denn CEO Krafcik hat nun auch verkündet, dass künftig ausgesuchte Kunden des Uber-Konkurrenten Lyft Waymos Robotertaxis ordern können - nur im US-Bundesstaat Arizona allerdings, und auch nicht gerade in großer Anzahl. Zum Start der Kooperation werden gerade mal zehn Waymo-Robotertaxis über Lyfts Buchungssystem verfügbar sein.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung