"Deutliche Abstimmung mit den Füßen" Münchener IAA endet mit 400.000 Besuchern - und Protesten

Der VDA wertet die Neuauflage der Automesse IAA Mobility in München als großen Erfolg - über 400.000 Besucher verzeichnete die Automesse in nur sechs Tagen. Allerdings gab es auch Proteste mit tausenden Teilnehmern am Wochenende.
Andrang vor den Hallen des heiligen Bleches: Besucher am Eingang der IAA Mobility in München

Andrang vor den Hallen des heiligen Bleches: Besucher am Eingang der IAA Mobility in München

Foto: ANDREAS GEBERT / REUTERS

"Über 400.000 Teilnehmer in nur sechs Tagen sind eine deutliche Abstimmung mit den Füßen", sagte die Präsidentin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller, am Sonntag in München. Besucher und Aussteller zeigten sich mit dem neuen Konzept sehr zufrieden, Autos und Fahrräder in der ganzen Stadt und nicht nur in den Messehallen zu präsentieren. "Besonders positiv bewertet wurde die Mischung der Aussteller und die Möglichkeit, Neuheiten direkt testen zu können", teilten VDA und Messegesellschaft mit.

"Wir haben einen mutigen Schritt gemacht und wurden von den Besucherinnen und Besuchern belohnt", sagte Müller. Zwei Drittel seien jünger als 40 Jahre gewesen. 86 Prozent der befragten Besucher bewerteten das nach der letzten IAA in Frankfurt erarbeitete Konzept als gut oder sehr gut. "An manchen Orten müssten wir wegen Überfüllung den Zugang zeitweise sogar begrenzen."

Allerdings waren mehrere Autokonzerne wie Toyota, General Motors oder die Opel-Mutter Stellantis nicht bei der neuen IAA dabei. Müller äußerte sich aber optimistisch, "dass wir nach einem Ende der Pandemie in 2023 auch viele internationale Aussteller begrüßen können, die dieses Mal wegen der Reisebeschränkungen noch nicht dabei sein konnten".

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IAA Neuvorstellungen 2021

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Zehntausend Teilnehmer bei Protest-Fahrradsternfahrt

Zugleich haben aber am Wochenende auch tausende Menschen in München gegen die Automesse demonstriert. Die Veranstalter gingen von 25.000 Teilnehmern bei einem Demonstrationszug und einer Fahrradsternfahrt aus. Diese trafen sich dann am Samstagnachmittag auf der Theresienwiese, wo normalerweise das Oktoberfest stattfindet. Den Veranstaltern zufolge beteiligten sich rund 5000 Personen an der Demonstration und 20.000 an der Sternfahrt. Die Polizei sprach von 3500 Teilnehmern bei der Demonstration und 10.000 bei der Fahrradsternfahrt.

Der Polizei zufolge verlief die Sternfahrt, die auf 16 Routen auf die Theresienwiese geführt hatte, komplett friedlich und störungsfrei. Bei der Demonstration kam es allerdings an zwei von Aktivisten besetzten Bäumen zu einer Konfrontation zwischen Protestierenden und der Polizei, bei der auch Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt wurden. Die Polizei begründete dies damit, bedrängt worden zu sein. Aktivisten kritisierten den Einsatz.

Ein Polizeisprecher zog dennoch ein positives Fazit der Veranstaltung. Hätte es den Vorfall an den Bäumen nicht gegeben, könnte man mit dem Tag "absolut zufrieden" sein, sagte er.

IAA-Gegner kritisieren angebliche "Polizeigewalt" und "Repression"

Zur Sternfahrt und der Demonstration hatte ein Bündnis eingeladen, zu dem unter anderem der ADFC, Attac, der BUND, die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace und der Verkehrsclub Deutschland gehören. Sie fordern "eine klare Abkehr von der autodominierten Verkehrspolitik und Vorrang für den Fuß-, Rad- und Nahverkehr". Die Demonstration sehen sie als Zeichen für eine Mobilitätswende.

Am Sonntag kritisierten die IAA-Gegner das Vorgehen der Polizei scharf. Sie sprachen bei einer Bilanz der Demonstrationen und Aktionen der abgelaufenen Woche von "Polizeigewalt" und "Repression". Es habe aufseiten der IAA-Gegner zahlreiche Verletzte gegeben. Zudem werfen die Aktivisten der Polizei eine "systematische Beschränkung von Freiheitsgrundrechten" vor.

Am Rande von Demonstrationen am Freitag und Samstag war es zu Zusammenstößen von Polizei und Aktivisten gekommne. Die Polizei begründete die Einsätze von Schlagstöcken und Pfefferspray unter anderem damit, dass Beamte bedrängt worden seien.

Laschet hat kein Verständnis für IAA-Proteste

Dennoch sehen sich die Aktivisten durch die Proteste in München gestärkt. Man werde jede weitere "Greenwashing-Veranstaltung" wie die IAA stören. Der Protest für Klimagerechtigkeit sei nicht vorbei. Die Gegner der Messe werfen ihr und der Autoindustrie unter anderem vor, nicht genug für den Klimaschutz zu tun.

Beim Vorgehen der Polizei habe auch die umstrittene Neufassung des bayerischen Polizeiaufgabengesetzes eine Rolle gespielt, hieß es von den Aktivisten. Hier hätten sich Befürchtungen bestätigt. Das Gesetz regelt die Kompetenzen der Polizei im Umgang mit Beschuldigten, aber auch in bestimmten Einsatzlagen. Viele Details sind seit Jahren umstritten.

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet zeigte auf dem CSU-Parteitag am Samstag in Nürnberg für die Proteste gegen die IAA kein Verständnis. "Das ist die grünste IAA, die es je gegeben hat", sagte der CDU-Chef. Noch nie sei so viel von Klimaneutralität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz die Rede gewesen. "Dass man dagegen noch demonstriert, Straßen blockiert und den Kampf gegen diese Industrie führt, zeigt: Manchen geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Systemveränderung."

wed/dpa/Reuters
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