Dienstag, 24. September 2019

So wird der Automarkt Kaufrausch 2016 - trotz VW-Skandals

Für die These, der VW-Abgasskandal schade dem Autoabsatz im Allgemeinen und dem von Volkswagen im Besonderen, gibt es keine stichhaltigen Belege

Das ausklingende Jahr 2015 war ein gutes für die Automobilindustrie - VW-Skandal hin oder her. Natürlich sind die Volkswagen-Zahlen derzeit besonders interessant. Jeder fragt sich, welche Auswirkungen die Abgasmanipulationen auf den Absatz der Wolfsburger haben - und viele finden vermeintliche Belege dafür: VW Börsen-Chart zeigen steigert die Neuzulassungen in Europa um 2,2 Prozent, der Markt wächst aber um fast 13 Prozent. Warum? Abgasskandal! Der VW-Absatz in Großbritannien fällt im Oktober um 10, im November sogar um 20 Prozent. Wenn das kein Beweis ist. Dass die Wolfsburger in Italien deutlich mehr Autos verkauften und schneller wuchsen als die Konkurrenz, fand eher weniger Beachtung.

Einfluss des Abgasskandals nicht erkennbar

Was lernen wir daraus? Erstens: Alle genannten Zahlen stimmen. Zweitens: Mit der richtigen Auswahl der Zahlen kann man beinahe jede These belegen. Stimmen muss sie deswegen trotzdem nicht. Für die schwache Volkswagen-Performace in manchen Märkten gibt es viele Gründe, eine mögliche Kundenzurückhaltung wegen der Manipulationen ist nur eine denkbare Erklärung. Eine andere ist, dass mit Polo, Tiguan und Golf absatzstarke Modelle 2016 zur Erneuerung anstehen beziehungsweise überarbeitet werden. In solchen Fällen gehen die Verkaufszahlen der Vorgängermodelle grundsätzlich zurück.

Ulrich Winzen
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    Winzen
    Ulrich Winzen blickt auf eine 25-jährige Erfahrung im Bereich der Analyse und Prognose für die Automobilindustrie zurück. Seit 2015 analysiert und prognostiziert er als freier Automobilmarktanalyst regelmäßig die Entwicklungen auf den Automobilmärkten. Außerdem ist er Partner der Unternehmensberatung meos automotive consulting. www.meos.info
Klar ist: Die Marke VW schwächelt im Moment. Aber dies als eindeutige Auswirkung des Abgasskandals zu interpretieren, wäre verfrüht und sachlich falsch.

Ein genauerer Blick auf die Zahlen belegt das: Im November 2014 erreichte VW in Westeuropa mit 13,7 Prozent den zweithöchsten Marktanteil des vergangenen Jahres. Somit ist der vergleichsweise geringe Zuwachs im November 2015 auch dem hohen Niveau des Vorjahres geschuldet. Bereits seit August - also vor Bekanntwerden des Abgasskandals - lagen die Marktanteile deutlich unter denen des Vorjahrs. Der Wert im November lag mit 12,4 Prozent sogar leicht über dem der Vormonate. Auch der in der Tat dramatische Einbruch in Großbritannien lässt sich nur schwer mit manipulierten Dieselmotoren erklären: Der Absatz von Dieselfahrzeugen auf der Insel war im fraglichen Zeitraum nämlich sogar auf einen Anteil von mehr als 51 Prozent gestiegen - bei VW ebenso wie bei der Konkurrenz.

Bereits seit August 2015 liegen die Marktanteile deutlich unter Vorjahr
In Deutschland verkauft VW sogar mehr Dieselautos

In Deutschland hat die Marke Volkswagen im November zwar 2 Prozent verloren - insbesondere bei den auslaufenden Modellen Polo, Golf und Tiguan -, während der Gesamtmarkt um 9 Prozent zulegte. Doch auch hier muss das Vorjahresniveau betrachtet werden: 2014 erreichte VW im November den höchsten Marktanteil des gesamten Jahres. Und wie in Großbritannien stiegen auch in Deutschland die Dieselzulassungen.

Stichhaltige Belege für einen nachhaltigen Imageschaden durch die Abgasmanipulationen sind das alles nicht. Und selbst wenn die VW-Zahlen in den kommenden Monaten weiter zurückgehen sollten, dürfte es kaum einen Ansteckungseffekt für den Gesamtmarkt geben. Dafür sind die Aussichten für 2016 einfach zu gut - auch wenn sich die meisten Kommentatoren noch zurückhaltend geben.

Das war vor einem Jahr auch nicht anders. Die Prognosen schwankten zwischen 2,95 Millionen (ein Rückgang!) und gut drei Millionen verkaufter Fahrzeuge (plus ein Prozent) in Deutschland. Am Jahresende werden es wohl 3,2 Millionen Neuzulassungen sein - ein Plus von 5,4 Prozent. Für Westeuropa wird es wohl eine Steigerung um 8 Prozent geben, zwei waren Anfang des Jahres erwartet worden.

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