Joint Ventures statt Fusion Kooperation bevorzugt - Volvo und Geely blasen Merger ab

Geely-Chef und Daimler-Großaktionär Li Shufu rückt vom Plan ab, Geely mit der schwedischen Schwester Volvo zu verschmelzen. Stattdessen sollen beide stärker kooperieren - bei Motoren und E-Antrieben. Und das mit großem Ehrgeiz.
Kooperieren statt verschmelzen: Volvo-CEO Hakan Samuelsson

Kooperieren statt verschmelzen: Volvo-CEO Hakan Samuelsson

Foto: Uli Deck/ dpa

Die gemeinsame Pressekonferenz war ziemlich kurzfristig anberaumt, und sie brachte einen überraschenden Strategieschwenk: Chinas Automarke Geely und seine schwedische Schwester Volvo begraben ihre Fusionspläne, die beide Seiten noch vor einem Jahr offiziell verlautbart hatten. Statt eines Zusammengehens mit möglichen Aktienlistings in Hong Kong und Stockholm sollen beide Automarken künftig gezielter und intensiver zusammenarbeiten.

Geely Auto und Volvo gehören zur Geely-Holding des chinesischen Milliardärs Li Shufu (57), der auch Großaktionär des deutschen Autobauers Daimler ist. Geely Auto und Volvo haben sich nach einer "detaillierten Überprüfung von Kombinationsmöglichkeiten" dazu entschlossen, die existierenden getrennten Unternehmensstrukturen beizubehalten, heißt es dazu in einem gemeinsamen Statement beider Automarken .

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Allerdings werden die beiden Konzernschwestern ein Joint Venture gründen, dass die Antriebsstrang-Einheiten beider Marken bündeln wird. Das Joint Venture soll Ende des Jahres den Betrieb aufnehmen, bekräftigten Manager beider Automarken in der gemeinsamen Pressekonferenz. Es wird Motoren, Gangschaltungen und Hybridantriebsstränge herstellen. Diese sollen nicht nur in Fahrzeugen beider Marken zum Einsatz kommen, sondern auch an weitere Hersteller verkauft werden.

Dass beide Hersteller ihre Antriebseinheiten bündeln wollen, kommt für Branchenbeobachter nicht überraschend. manager magazin hatte bereits Ende 2019  über entsprechende Pläne unter Berufung auf Konzernkreise berichtet. Die Ausgliederung von Volvos und Geelys Motoreneinheiten war schon länger bekannt. Nun ist ein Gemeinschaftsunternehmen beschlossene Sache. Neu an der Verlautbarung ist, dass Geelys und Volvos Gemeinschaftsunternehmen künftig auch Hybrid-Antriebe bauen wird. Bislang war vor allem von reinen Verbrennungsmotoren die Rede.

Schulterschluss bei E-Auto-Architekturen und autonomem Fahren

Die chinesische Zhejiang Geely Holding Group, kaufte die Automarke Volvo im Jahr 2010 von Ford. Im vergangenen Jahr verkaufte Geely Auto 1,32 Millionen Autos, Volvo setzte 661.713 Fahrzeuge weltweit ab.

Bei der gemeinsamen Motorenentwicklung wollen es beide Seiten aber nicht belassen. Künftig sollen Geely und Volvo noch stärker als bisher an gemeinsamen Elektroauto-Architekturen arbeiten und auf dem Feld des autonomen Fahrens enger kooperieren. Beide Automarken planen, künftig Batterien, Elektromotoren und Konnektivitätslösungen gemeinsam zu beschaffen und in ihren jeweiligen Fahrzeugen zu verwenden. Zusammen wolle man auch eine "weltführende Autonomfahr-Lösung" entwickeln, hieß es in der Presseaussendung – unter der Führung der Volvo-Softwareentwicklungsfirma Zenseact.

Zudem wird Volvo die europäische Markteinführung der Geely-Tochtermarke Lynk & Co, deren Fahrzeuge bereits auf von Geely und Volvo gemeinsam entwickelten Plattformen stehen, operativ begleiten. Volvo-Vertragspartner werden also künftig auch für Lynk & Co-Fahrzeuge zuständig sein.

Zugleich sagten Volvo und Geely auch Volkswagen den Kampf an: Mit der gemeinsamen Verwendung von Plattformen und durch die stärkere Zusammenarbeit bei Elektromobilität wolle man Hard- und Software für die nächste Generation von "weltführenden modularen Elektroauto-Architekturen" entwickeln, hieß es in der Aussendung.

Volvo deutet in Richtung rein elektrische Zukunft

Volvo-CEO Hakan Samuelsson (69) drückte die künftige Rolle seines Unternehmens in der Online-Pressekonferenz so aus: "Bei Volvo können wir uns nun voll auf die Entwicklung neuer Generationen vollelektrischer Autos entwickeln. Da wollen wir in der Zukunft sein."

Das lässt sich als Fingerzeig verstehen, dass Volvo in naher Zukunft ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge bauen will. Entsprechende Ansagen sind in der Autobranche aktuell in Mode: Jaguar Land Rover-Chef Thierry Bolloré (57) kündigte vor Kurzem an, dass Jaguar ab 2025 ausschließlich auf reine Elektroantriebe setzt.

Und die fokussierte Zusammenarbeit statt des Zusammengehens passt auch gut zur neuen Marschrichtung von Geely-Gründer und Chef Li Shufu (57): Im Januar hatte Geely gleich drei Kooperationen mit chinesischen Unternehmen angekündigt, mit denen der Autobauer künftig bei Elektroautos und Robotertaxis zusammenarbeiten will.

Da dürfte auch die neue Volvo-Geely-Vereinbarung gut ins Konzept passen. Denkbar auch, dass sich Daimler in Teilbereichen ebenfalls dem chinesisch-schwedischen Kooperationsreigen anschließen wird. Geely-Chef Li, der knapp 10 Prozent der Daimler-Anteile hält, hatte die Schwaben in der Vergangenheit zu stärkerer Zusammenarbeit ermuntert. Das hat in einigen Bereichen funktioniert: Die neue, rein elektrische Generation von Daimlers Kleinwagenmarke Smart wird ab 2024 von Geely in China gefertigt. Zudem baut Daimler nun gemeinsam mit Geely Verbrennungsmotoren.

wed
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